Kunst der Aborigines - Preisverfall

Die Blase ist geplatzt

Die Arbeiten der australischen Aborigines haben jahrelang Spitzenpreise erzielt. Doch nun bricht dieser Markt ein. art sprach mit Emily Evans, Co-Kuratorin der großen Kölner Aborigines-Ausstellung "Remembering Forward", über Ausbeutung, künstlerische Erbfolgen und den derzeitigen Preisverfall für dieser Kunst.
Übermüdet:Der Markt für Aborigines-Kunst bricht ein

Kuratorin Emily Evans vor dem Bild "Warlugulong" (1976) der australischen Künstler Clifford und Tim Tjapaltjarri, deren Arbeiten unter anderen in der Ausstellung "Remembering Forward. Malerei der australischen Aborigines seit 1960" bis März im Museum Ludwig in Koeln zu sehen waren

Frau Evans, in Europa ist die Kunst der Aborigines gerade erst stärker in den Blickpunkt gerückt. Gleichzeitig fallen am Kunstmarkt die Preise. Haben Sie eine Erklärung für diese gegenläufigen Bewegungen?

Für viele australische Aborigines ist die Kunstproduktion – auch dank zahlreicher gemeinnütziger Einrichtungen – zum Hauptweg geworden, ihre Familie zu ernähren. Das hat zu einem großen Überangebot und starken Qualitätsschwankungen geführt. Jetzt ist die Blase geplatzt, der australische Markt ist übermüdet.

Auch die staatliche Regulierung, mit der die Ausbeutung der Künstler verhindert werden soll, wird oft als Grund für den Preisverfall genannt.

Man kann die ethische Dimension im australischen Kunsthandel gar nicht hoch genug einschätzen. Bei der Vorbereitung unserer Ausstellung war es ungemein wichtig, die anerkannten Wege des Kunsthandels einzuhalten und nur mit Händlern und Leihgebern zu kooperieren, die selbst ethisch einwandfrei gearbeitet haben. Das ist ein Zeichen des Respekts gegenüber den Künstlern.

Es sind auch Fälle von "Fälschungen" bekannt geworden, bei denen namhafte Künstler ihre Familienmitglieder Bilder malen ließen und diese am Ende selbst signierten.

Der Begriff der Fälschung ist in diesem Zusammenhang sehr schwierig, da viele Aborigines ein anderes Kunstverständnis haben als wir. Was sie zu Papier oder auf die Leinwand bringen, ist für sie nichts, was ihnen allein gehört. Sie empfinden sich nicht als alleinige Hüter der "Ahnengeschichte", vielmehr gehört diese einer bestimmten Erbfolge. So gesehen kann jedes Mitglied dieser Erbfolge die Geschichte malen.

Lassen sich die Produktionsbedingungen überhaupt mit europäischen Verhältnissen vergleichen?

Es gibt durchaus Atelierarbeit, etwa in der Wüstenstadt Alice Springs, wo viele Galerien ihren Künstlern Ateliers zur Verfügung stellen. Im Allgemeinen wird aber draußen oder zu Hause unter Bedingungen gemalt, die für Europäer unvorstellbar sind.

Worin liegt das Besondere dieser Kunst´?

Sie ist visuell sehr komplex und zugleich sehr ungewohnt. Sie entstammt größtenteils einer Tradition, die mit unserer Moderne in der Entstehung wenig zu tun hat, im Resultat aber sehr an sie erinnert. Für westliche Augen ist es überraschend, wie kreativ sich hier über Jahrhunderte erhalten gebliebene Traditionen mit hochmodernen Ausdrucksmitteln verbinden.

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