Open Art - München

Open Art

Shuttle-Taxis für alle, fachkundige Führungen – die Open Art in München bietetet einen volksnahen Einstieg in die Kunstwelt. Bei den Ausstellungen dominiert die Malerei.

Es muss ein wunderbares Spektakel gewesen sein, als Benjamin Bergmann in einer selbstgebauten Vitrine 600 Feuerwerkskracher gezündet hat. Die Glasscheibe hielt dabei stand.

Aber die Schießpulverspuren haben sie in ein informelles Gemälde verwandelt. Mit seinen jüngsten Arbeiten bei Nusser & Baumgart hat der in München lebende Künstler wieder an seine alten Wurzeln angeknüpft. Doch anders als bei seinen früheren Performances, wie etwa der "Speisung der Zehntausend", als man noch in Deckung gehen musste, um nicht von herumfliegendem Brei getroffen zu werden, hat er diesmal das Publikum ausgeschlossen. Fast museal wirken nun die von innen beleuchteten Vitrinen.

Das ganz große Wagnis ist auch sonst keiner der 68 Münchener Galerien eingegangen, die mit der Open Art am letzten Wochenende die Kunstsaison unter dem Motto "Kunst voll" eröffnet haben. Zu sehen sind vor allem Einzelausstellungen von bereits gut etablierten Künstlern mit neuen Arbeiten. Die Galerie Rüdiger Schöttle zeigt den Bildhauer Stephan Balkenhol mit seinen monumentalen, grob geschnitzten und bemalten Holzskulpturen. Eindrucksvoll ist hier vor allem ein großformatiges Relief, mit dem er die Grenzen zwischen realem und künstlerischem Raum auslotet. Der in Berlin lebende Künstler Markus Selg ist mit seinem neuen Film "Storrada", an Fetische erinnernden Skulpturen und Digital-Prints in der Galerie Christine Mayer zu sehen.

Ansonsten dominiert Malerei – wie die poppig-bunten, geometrischen Bilder des Amerikaners Peter Halley bei Thomas Modern, die surreal anmutenden Landschaften des Chinesen Ji Dachun bei Barbara Gross, die mit dünnen Pinseln gemalten Camouflage- und Rundbilder des Türken Ekrem Yalcindag bei Karl Pfefferle, gegossene Epoxidharz-Bilder von Peter Zimmermann bei Max Weber/Six Friedrich, zarte prozesshafte Abstraktionen von Christina Chirulescu bei Tanja Pol und konzeptuelle Malerei des Wiener Künstlers Stefan Sandner bei Andreas Grimm, in der er Kritzeleien von Notizzetteln stark vergrößert auf die Leinwand überträgt.

Insgesamt präsentiert sich die Open Art in München volksnah. So erleichtern fachkundige Führungen durch die Galerien den Einstieg in die zeitgenössische Kunst. Und Shuttle-Taxis, um in die Randbezirke zu kommen, gibt es nicht nur für VIPs. "Wir wollen mit der Open Art auch ein jüngeres Publikum ansprechen," erklärt die Galeristin Françoise Heitsch, die auch zum Vorstand der Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst gehört. Dabei geht sie selbst mit gutem Beispiel voran und zeigt mit Philipp Gufler, Thomas von Poschinger und Björn Wallbaum in ihrer Galerie drei jüngere Künstler, die in ihren Installationen, Skulpturen und Fotografien den alltäglichen Kampf zwischenmenschlicher Beziehungen zelebrieren.

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