Impressionisten - New York

Punktuelle Pleite

Die Versteigerung der Impressionisten bei Christie's bleibt weit unter den Erwartungen, bei Sotheby's läuft es besser, doch stören entlassene Mitarbeiter die Rekordauktion. art-Korrespondentin Claudia Bodin berichtet aus den Auktionssälen.

Von "punktuellen, selektiven Geboten" war in der anschließenden Presseerklärung die Rede. Was übersetzt heißt: Die Versteigerung von Impressionisten und moderner Kunst bei Christie’s, mit der in New York die Herbstauktionen eingeleitet wurden, waren eine Enttäuschung.

140,7 Millionen Dollar, also weit unter dem angepeilten Ergebnis von 222 bis 305 Millionen Dollar, machte Christie’s an diesem Abend, der unangenehme Erinnerungen an 2008 erweckte, als es nach dem wirtschaftlichen Crash ebenfalls alles andere als blendend lief.

Angeführt wurde der Auktionsflop von Edgar Degas "Kleine Tänzerin von 14 Jahren". Die Gebote blieben bei 18,5 Millionen Dollar stehen, bei einem zu hoch angesetzten Schätzwert von 25 bis 35 Millionen Dollar wurde die Bronzeskulptur zurückgezogen. Auch Werke von Meistern wie Joan Miró, Marc Chagall oder Auguste Rodin erwiesen sich als Ladenhüter. Sieben der elf angebotenen, sonst so begehrlichen Picassos fanden keinen Käufer. Immerhin wurde mit einem Druck von Picasso ("La femme qui pleure" von 1937) für 5,1 Millionen Dollar ein Rekord gesetzt. Doch insgesamt blieben 31 der 82 Lose unverkäuflich.

Die Erfolgsmeldung brachte Max Ernst und sein Gemälde "Der gestohlene Spiegel" von 1941, das den Künstler bei seiner Flucht von Frankreich nach Amerika begleitete, das er schließlich an das Museum of Modern Art in New York verschickte und in den USA fertigstellte. Mit 16,3 Millionen Dollar lag das Werk weit über den angepeilten sechs Millionen Dollar. Ein Rekord für den Künstler. Auch Constantin Brancusis Bronzeskulptur "Le premier cri" von 1917 bewegte sich mit 14,8 Millionen Dollar weit über dem Schätzwert. Das dritte Erfolgslos des Abends lieferte René Magrittes "Hegels Ferien" von 1958 mit einem Preis von 10,1 Millionen Dollar.

Bei der Konkurrenz bei Sotheby’s ging es deutlich lebhafter zu. Zum einen, weil die im Sommer vor die Tür gesetzten Kunstpacker, die sich mit dem Auktionshaus nicht auf neue Verträge einigen können, lautstark vor der Tür demonstrierten. Zum anderen, weil Werke von Künstlern wie Klimt, Monet und Giacometti alle Erwartungen übertrafen. Sotheby’s hatte die bessere Ware im Angebot, die Schätzpreise weniger aggressiv angesetzt – und konnte obendrein aus den Fehlern der Konkurrenz vom Vorabend lernen, indem man die intern mit den Verkäufern ausgehandelten Minimumpreise senkte. Was zu einem Ergebnis von knapp 200 Millionen Dollar und dem Verkauf von 57 der 70 angebotenen Arbeiten führte.

Der Höhepunkt des Abends: Das erst im April vom Salzburger Museum der Moderne restituierte Landschaftsgemälde "Litzlberg am Attersee" von Gustav Klimt wurde für 40,4 Millionen Dollar versteigert. Das Bild hatte der Österreicherin Amalie Redlich gehört, die von den Nazis ermordet wurde. Ihr Enkel Georges Jorisch, ein Ladenmanager im Ruhestand aus Montreal, will, so Sotheby's einen Teil des Erlöses an das Salzburger Museum spenden. Erst im Februar 2010 hatte Jorisch ein zweites restituiertes Werk, Klimts "Kirche in Cassone (Landschaft mit Zypressen)", für 43,2 Millionen Dollar bei Sotheby’s in London verkauft.

Zu den Toplosen zählten der späte Picasso "L’Aubade" von 1967 für 23 Millionen Dollar, Gustave Caillebottes Brückenbild "Le Pont D’Argenteuil et La Seine" von 1883 für einen Rekordpreis von 18 Millionen Dollar und Claude Monets "Antibes, le Fort" für 9,2 Millionen Dollar, das vom Museum of Fine Arts in Boston verkauft wurde, um in harten Zeiten wie diesen die Museumskasse aufzubessern.