Auktion Villa Grisebach - Berlin

Lust auf romantische Sonnenuntergänge

Die Villa Grisebach öffnete sich zum ersten Mal der Kunst des 19. Jahrhunderts, Schwerpunkt Romantik und Biedermeier. Das zahlte sich aus: Fast alle Lose wurden verkauft, für insgesamt mehr als eine Millionen Euro. Nun will das Auktionshaus auch in Zukunft Werke aus diesen Epochen anbieten.

Über 200 000 Euro für ein römisches Ruinenmotiv des Erfurter Malers Friedrich Nerly, 58 560 Euro für eine italienische Landschaftsminiatur von Carl Blechen und 41 480 Euro für einen postkartengroßen Sonnenuntergang eines "unbekannten Dresdner Romantikers". Für Grisebach ist die Rechnung mit der Kunst des 19. Jahrhunderts aufgegangen.

Bei der ersten Sonderauktion mit Werken aus der Zeit der Romantik und des Biedermeier – bislang kein Schwerpunkt des Berliner Aukitonshauses – wurden fast alle 83 Lose verkauft, einige sogar weit über ihrem Schätzpreis. Insgesamt wurde ein Verkaufserlös von 1,77 Millionen Euro erzielt, fast doppelt so viel wie der untere Schätzwert von 990 000 Euro. Das ist gemessen an den Umsätzen in Grisebachs Kernbereich Klassische Moderne zwar immer noch moderat. Doch das große Medieninteresse, ein gut gefüller Auktionssaal und rege Bietergefechte scheinen die Ausweitung des Geschäftsfelds zu rechtfertigen.

Die Kunst des 19. Jahrhunderts mit ins Programm zu nehmen, war die Idee von Florian Illies, Buchautor, Kulturjournalist und seit kurzem Mitgesellschafter des Auktionshauses (siehe Interview mit Florian Illies). Diese Kunstrichtung stehe "am Anfang einer Neubewertung. Daran werden wir jetzt kontinuierlich weiterarbeiten", sagte Illies nach der Auktion. Toplos der Versteigerung wurde mit 209 840 Euro (inklusive Aufgeld) das 1830 entstandene, mittelformatige Ölgemälde "Forum Romanum" von Friedrich Nerly. Ebenfalls hohe Preise erzielten Skizzenblätter von Adolph von Menzel ("Alter Hof", 75.640 Euro) und Honoré Daumier ("Mutter und Kind", 122.000 Euro). Aber auch Werke unbekannterer Künstler, etwa die unvollendeten italienischen Landschaften des Weimarer Romantikmalers Carl Hummel, fanden eifrige Käufer. Zurück gingen dagegen biedere Porträts und kitschverdächtige Berglandschaften, wenn sie keine prominente Signatur schmückte.

Unter den Romantik-Interessenten befanden sich auch verschiedene Museen. So ging ein seltenes Skizzenbuch des Malers und Mediziners Carl Gustav Carus für 14 640 Euro an das Kupferstichkabinett Dresden. Ermöglicht hatte diesen Ankauf die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, die auf der selben Auktion auch für 140 000 Euro die Marmorskulptur "Pan als Lehrer des Flötenspiels" von Reinhold Begas für ein neues Begas-Museum in Heinsberg ersteigerte, sowie Gotthardt Kuehls "Grüne Truhe" (24 400 Euro) für das Lübecker Museum Behnhaus/Drägerhaus. Insgesamt also ein gelungener Auftakt für die Kunst des 19. Jahrhunderts, die Grisebach nun als festen Bestandteil in seinen Auktionskalender verankern will. "Kurz nach der Auktion hatten wir bereits ganz viele Anrufe wegen neuer Einlieferungen", sagt Illies. "Im nächsten Mai machen wir das also bestimmt wieder."

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