Kunstvereine - Jahresgaben

Kaufen mit Kunstsinn

Lange Schlangen vor den Türen und Situationen wie beim Schlussverkauf – wie jeden Dezember präsentieren die Kunstvereine ihren Mitgliedern oder anderen Kunstinteressierten ihre Jahresgaben. Bei den Vereinen in München, Köln, Hamburg, Berlin und Bonn heißt es also zuschlagen, denn viele Arbeiten werden unter ihrem eigentlichen Verkaufswert angeboten.

Schon lange vor der Eröffnung hat sich eine Warteschlange vor dem Eingang des Kunstvereins München gebildet. In diesem Jahr findet im Foyer des dazu gehörigen Amerika-Hauses die traditionelle Ausstellung mit den Jahresgaben des Vereins statt. Mitglieder können Originale und Editionen von zeitgenössischen Künstlern oft weit unter Galeriepreis erwerben. "Ein idealer Start für die eigene Kunstsammlung", findet Bart van der Heide, Direktor des Kunstvereins München.

Zusammen mit seinem Team hat er mehr als 60 Künstlerinnen und Künstler um Arbeiten für die Ausstellung gebeten. "50 Prozent des Verkaufspreises erhält der Künstler, 45 Prozent bekommt der Kunstverein für den Ausstellungsetat und fünf Prozent gehen an die Künstlersozialkasse", erläutert van der Heide die Vereinbarung, "aus dem Erlös kann ich ein komplettes neues Ausstellungsprojekt finanzieren." Im breit gefächerten Angebot findet sich unter anderem ein Siebdruck von Martin Fengel für 100 Euro, eine Radierung von Bernd Ribeck für 450 Euro und ein Gemälde von Florian Süssmayr für 6000 Euro.

Als um 15 Uhr dann die Türen aufgehen, ist eine aufgeregte Stimmung wie beim Winterschlussverkauf. "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", lautet die Devise. Das ist nicht überall der Fall, im Kölnischen Kunstverein beispielsweise entscheidet bei mehreren Interessenten das Los. Dort gibt es eine kleinformatige abstrakte Skulptur von Diango Hernández für 2900 Euro, die er aus der Tür einer Holzkommode herausgeschnitten hat, eine Edition für 1300 Euro von Stephan Prina mit zwei Parkettschonern, die im Zusammenhang mit seiner Performance im Kölnischen Kunstverein entstanden ist. Auch ein Print einer inszenierten Warteschlange von Roman Ondák ist für 480 Euro zu haben. Im Kunstverein Hamburg werden als Jahresgaben ebenfalls bevorzugt Werke von Künstlern ausgewählt, die schon in der Institution ausgestellt haben oder dem Team besonders aufgefallen sind. So gibt es dort unter dem Titel "Stretching before and after" Stoffhemden für je 2000 Euro von Thea Djordjadze, die die Künstlerin mit Farbe, Gips und Sand bearbeitet hat, und farbige, abstrakte Objekte aus Holz, Polyesterharz und Glasfaser des jungen Hamburger Künstlers Jochen Weber für jeweils 450 Euro.

Werke von prominenten Künstlern zu günstigen Preisen bieten vor allem die Kunstvereine in Berlin und Bonn. Im Neuen Berliner Kunstverein gibt es etwa acht Zeichnungen von Douglas Gordon für 1700 Euro das Stück und eine Spardose von Manfred Pernice in der Form eines Dinosauriers aus glasiertem Ton als Edition für 380 Euro. Der Bonner Kunstverein erfreut mit drei Aquarellen von André Butzer für je 1700 Euro und drei mit Filzstift bezeichneten Collagen von Andy Hope für 1500 Euro das Herz der Mitglieder. Zum Eröffnungswochenende waren Persönlichkeiten eingeladen, ihr Lieblingsbild aus den Jahresgaben vorzustellen und so ganz zwanglos miteinander ins Gespräch zu kommen. In München löste sich die erste Anspannung ebenfalls in geselliger Runde. An der Champagner-Bar feierten die Mitglieder ihre Neuerwerbungen, lernten viele Künstler persönlich kennen oder schrieben noch so manches Werk auf den weihnachtlichen Wunschzettel. Wer kein Mitglied ist, kann einen Aufnahmeantrag stellen und sofort von den günstigen Konditionen profitieren. Doch Eile ist geboten, denn in diesem Jahr endet die Ausstellung in München schon zum 18. Dezember. Nicht verkaufte Werke gehen an die Künstler zurück.