Ihre größte Leidenschaft gilt zur Zeit der Verbindung von Literatur und Kunst. Wieso?

Cy Twombly pflanzte mir diesen Virus ein. Als ich ihn in den neunziger Jahren das erste Mal traf, sagte er mir, dass er nicht verstehe, warum Kuratoren und Museen die Brücke zur Literatur nicht schlagen. Er wollte gar nicht über Kunst sprechen, sondern nur über Literatur. Die Literatur hat bei den historischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts immer eine wichtige Scharnierrolle gespielt. Ob bei André Breton, Joan Miró, Max Ernst oder Eleonora Carrington – heute fehlt der Brückenschlag zur Literatur völlig. Wir haben unglaublich viele Bezugspunkte von der Kunst zur Musik, bei jeder Vernissage gibt es einen DJ, und bei jeder Biennale gibt es Audioinstallationen. Auch der Bezug zur Architektur, der Mode, dem Design oder der Wissenschaft ist stets zu finden. Dabei lesen Künstler sehr viel, aber sie haben keine Dialoge zu Autoren der Gegenwart mehr, wie es zum Beispiel beim Surrealismus war. Die Ausstellung "Everstill" im Haus des spanischen Schriftstellers Federico García Lorca war ein erster Versuch. Ich habe dazu Künstler, die eine Nähe zur Literatur haben, wie Tacita Dean, Roni Horn, Sarah Morris, Gilbert & George, Philippe Parreno oder Dominique Gonzalez-Foerster, eingeladen, die Lorca-Gedenkstätte zu bespielen.

Und wie kam es zur Zusammenarbeit mit Michel Houllebecq? Sie sollen als Berater bei seinem Regiedebüt "Die Möglichkeit einer Insel" mitgewirkt haben.

Berater ist zuviel gesagt. Im Rahmen meiner Recherche habe ich alle Künstler, mit denen ich arbeite und die ich treffe, gefragt: Was lest ihr? Wer sind eure liebsten Schriftsteller? Das Ergebnis war wirklich erstaunlich. Wir haben so viele Künstler unterschiedlichster Generationen befragt – und der französische Autor Michel Houellebecq wurde am häufigsten genannt. Es ist erstaunlich, was für ein Künstlerautor er ist. Auch Rosemarie Trockel ist von Houellebecq fasziniert, sie liebt seine Bücher und findet, dass er einer der wenigen Autoren ist, die Spielregeln verschieben und etwas Neues in die Literatur einbringen. Deshalb dachte ich, es wäre toll, ihn mal zu treffen. Aber das gestaltete sich als schwierig. Irgendwann gab es dann eine konkrete Anfrage, weil Houllebecq mit Rem Koolhaas arbeiten wollte – er brauchte einen Architekten, der ihm die überflutete, postapokalyptische Stadt aus seinem Roman erschafft. Wir trafen uns dann zu dritt, und im Gespräch offenbarte Houellebecq, dass er noch auf der Suche nach einem Künstler ist: Er wollte für den Film unbedingt ein skulpturales Rendering von seinem Hund Clément und einigen anderen Protagonisten. Da erzählte ich ihm, dass auch Rosemarie Trockel mir schon öfters von Clément erzählt hat. In ihrem Werk spielen Hunde ja ebenfalls immer wieder eine große Rolle. Und so kam es, dass Houellebecqs Partnerin, zusammen mit Clément, in das Kölner Atelier von Rosemarie Trockel fuhren. Dort fertigte Trockel, zusammen mit Thea Djordjaze, ein Modell von Clément an, sowie eine weitere Skulpturengruppe. So kam die Skulptur von Trockel in den Film "Die Möglichkeit einer Insel". Und aus diesem Dialog heraus entstand auch die Zusammenarbeit bei der Lyon Biennale, die ich mit Stéphanie Moisdon organisierte. Hier hat Houellebecq die Skulpturen von Trockel und Djordjaze präsentiert, sowie erste Bilder der Stadt von Koolhaas.

"Die Möglichkeit einer Insel"

Termin: Der Film ist ab dem 10. September in den französischen Kinos zu sehen. Roman: "Die Möglichkeit einer Insel", Rowohlt, 498 Seiten, 9,90 Euro.

http://www.lapossibiliteduneile-lefilm.com

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