Gib mir Fünf!

Die Tipps der Woche



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autor Leonard Seyfarth empfiehlt diese Woche einen Blick ins Ich, den Willen zur Macht und Boxhandschuhe statt Pinsel.
// LEONARD SEYFARTH

Hamburg: "Klubfoto – Privat"

Die Fotoausstellung "Privat" macht sich den Hamburger Schnack "Komm’se rin, könn’se rausgucken!" zum Slogan: 76 Fotografen zeigen 76 neue Arbeiten, die auf 76 verschiedene Weisen den Blick in das Ich, aus dem Ich oder auf das Ich werfen. Ein einsamer Spiderman isst Mikrowellen-Tortiglioni und schaut sich seine eigenen DVDs an. Eine Badende fühlt sich in ihrer Badewanne verloren, obwohl ihr pinker Handtuchturban farblich perfekt zu den Kacheln passt. Das Museum der Arbeit zeigt die neue Ausstellung der Hamburger Vereinigung Klubfoto, ein unabhängiges Forum für Fotografie, vom 6. September bis 12. Oktober.

Berlin: "Ushio Shinohara – Blutiger Oiran-Mord"

Der japanische Künstler Ushio Shinohara liebt die Extreme. Als Mitbegründer der Neo-Dada-Bewegung in Japan startete er in den sechziger Jahren seine "Boxing Paintings" – er boxt Farbe auf Papier, Leinwand und Mauern. Seine Performances waren Sensation und Revolution. In der Berliner Galerie Oko präsentiert er seine neue Arbeiten: Die aktuelle Serie "Murder of Oiran" setzt sich aus bemalten Holzcollagen zusammen. Die asymmetrischen Einzelteile zeigen blutige Szenen, das Farbchaos bewegt sich zwischen japanischer Ikonologie und amerikanischer Comic-Welt. Löst man den Blick vom bunten Mordexzes grinsen einen neonfarbene Biker-Monster-Skulpturen an, die wirken, als wären sie gerade durch eine LSD-Hölle gerast. Lektüretipp für die Ausstellung vom 6. September bis 2. November: "Hagakure: Der Weg des Samurai".

Berlin: "Art Berlin Contemporary"

Die "Art Berlin Contemporary" bringt vom 5. bis 7. September auf 9000 Quadratmetern 44 Berliner Galerien mit 74 Künstlern zusammen – und verspricht eine gigantische Überblicksschau der Gegenwartskunst zu werden. In den Hallen des Alten Postbahnhofes werden viele neue, für die Ausstellung produzierte Arbeiten gezeigt. Zu sehen sind unter anderem Werke des Documenta-Künstlers Ai Weiwei aus China, des französischen Bildhauers Daniel Buren sowie des Schweizer Installationskünstlers Thomas Hirschhorn. Bereits am Freitag präsentieren wir Ihnen auf art unsere umfassende Kritik der ersten "Art Berlin Contemporary" und des großen Berliner Galerienrundgangs.

Hamburg: Geelke Gaycken und Sonja Vordermaier "Reihe:Ordnung sagt – Macht"

Die Ausstellung "Macht" im Harburger Bahnhof ist der fünfte Teil des von 2007 bis 2009 geplanten Zyklus "Reihe:Ordnung", der unter unterschiedlichen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische Künstler vorstellt. Für die aktuelle Gruppenausstellung haben die beiden Hamburger Künstlerinnen Geelke Gaycken und Sonja Vordermaier in einem mehrwöchigen Prozess vor Ort Macht als Dialog inszeniert. Ab dem 5. September präsentieren sie in dem alten Wartesaal ihre Installationen und Skulpturen. Im Rahmen der Ausstellung finden auch immer wieder Vorträge statt. Schon einmal vormerken sollte man sich die Veranstaltung "Das Politische versus das Schöne: Schwanengesang und Politkunst?" (23. Oktober, 19.30 Uhr) mit Florian Waldvogel (Neuer Direktor des Hamburger Kunstvereins), Harald Falckenberg (Sammler), Martin Köttering (Präsident der Hamburger Hochschule für Bildende Kunst) und Andrea Knobloch (Künstlerin).

Berlin: "Transgressive Body / Reincarneted Flesh"

Art Clash: Deutsche trifft auf chinesische Gegenwartskunst. Thema ist der menschliche Körper und seine kulturell differenzierte Wahrnehmung. In der Berliner Galerie Tape Modern sind daraus gleich zwei Ausstellungen entstanden: Organisiert wird das Aufeinandertreffen von der Abteilung Kultur und Bildung des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland, Shanghai, und der Kölner Galerie Teapot. Der deutsche Künstler Thomas Grundmann kuratiert den deutschen Part ("Transgressive Body") mit Künstlern wie Martin Eschrich (Skulptur) und Sylvie Tillmann (Fotografie), während seine chinesische Kollegin Zoe Zhang für den Ausstellungsteil "Reincarneted Flesh" unter anderem Zhang Xiaotao (Malerei) und Cui Xiuwen (Fotografie) präsentiert. Was bleibt nach Körperkult Olympia noch zu sagen? Das Wesentliche! Vom 5. Bis 12. September.

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