Block Beuys - Hessisches Landesmuseum

Beuys wird durch die chemische Reinigung gejagt

Bis 2011 wird das Hessische Landesmuseum in Darmstadt saniert. Davon betroffen ist auch der "Block Beuys", die weltweit größte Sammlung mit Werken von Joseph Beuys. Kritiker fürchten um die Authentizität der Räume. Museumsdirektorin Ina Busch lud nun zahlreiche Experten zu einem Symposium ins Haus.

"Das ist keine Alibiveranstaltung!", rief Ina Busch sichtlich erregt und beendete damit eine Podiumsdiskussion, noch bevor der erste Redner zu Wort gekommen war. Die Direktorin des Landesmuseums in Darmstadt hatte offenbar genug gehört und wollte verhindern, dass die Beteiligten auf einander losgehen. Womöglich fürchtete sie auch, erneut als übereifrige Hausfrau tituliert zu werden, wie bereits geschehen.

Vorangegangen war ein zweitägiges "Hearing" zur Zukunft des so genannten "Block Beuys", bei dem die Wellen hoch schlugen. Grund der Veranstaltung: Im Zuge der Sanierung des Hauses sollten auch jene sieben Räume, in denen Joseph Beuys 1970 binnen drei Wochen eigenhändig rund 280 Zeichnungen und Objekte in Vitrinen installiert hatte, renoviert werden. Geplant war zunächst, die stark nachgedunkelten Wandbehänge aus Jute zu entfernen, sowie den mittlerweile fleckigen Teppichboden durch Estrich oder Parkett zu ersetzen und die Wände zu kalken – ein Vorhaben, das von der Witwe des Künstlers, dem Beuys Estate, sowie Beuys-Schülern wie Johannes Stüttgen begrüßt wurde.

Zahlreiche Beuys-Anhänger, darunter der frühere Kustos des "Block Beuys" und Leiter der Kunsthalle Tübingen, Götz Adriani, sowie Künstler und Kunstwissenschaftler kritisieren jedoch den Beschluss, der die Atmosphäre und Authentizität der Räume zerstöre. Sie argumentieren: Wandbehang und Bodenbelag seien, obgleich vom Künstler vorgefunden, mittlerweile Bestandteil des Werks und verfassten einen Appell gegen die Renovierung. Ina Busch lud nun zahlreiche Experten zur Anhörung ins Haus, um sich, wie sie sagte, beraten zu lassen.

Während etwa Johannes Stüttgen vor der "Eigendynamik des äußeren Verschleißprozesses" warnte, der das eigentliche Werk, die "Präparate im Innenfeld" übertöne, betonte Kunstkritiker Thomas Wagner die "Kategorie des Atmosphärischen" und plädierte für den "weitestgehenden Erhalt der bisherigen Situation" mit erneuerten Wandbehängen und Teppichboden sowie einer Klimaanlage. Zur gleichen Auffassung kam Kasper König, Direktor des Kölner Museums Ludwig, der den Gedanken, "dass Beuys durch die chemische Reinigung gejagt wird" unerträglich fand.

Kunsthistoriker Franz-Joachim Verspohl wiederum führte an, dass sich die gleichen Argumente bereits bei der Restaurierung der Sixtinischen Kapelle in Rom als Fehler entpuppt hätten und präsentierte eine Reihe von Fotos, die Beuys-Werke vor weißen Wänden zeigen. Auch Beuys’ Atelier sei stets weiß, nüchtern und kahl gewesen. Die gegnerische Fraktion war gleichwohl nicht überzeugt, es hagelte Zwischenrufe.

Ina Busch fordert nun Zeit "für einen notwendigen Prozess". Eine Rekonstruktion der Siebziger-Jahre-Situation schloss sie allerdings aus: "Das ist für mich Disneyland."

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