Vatikan - Kunst

Neue Allianz zwischen Kunst und Kirche

Papst Benedikt XVI. wird am 21. November in der Sixtinischen Kapelle 263 Künstler aus aller Welt empfangen. Hier sollen die Künstler ausgewählt werden, die auf der kommenden Biennale 2011 in Venedig den neuen Pavillon des Vatikans bespielen.
"Neue Allianz zwischen Kunst und Kirche":Vatikan lädt 263 Künstler ein

Elf Kapitel der Schöpfungsgeschichte bei der nächsten Biennale? Kulturminister des Vatikan Gianfranco Ravasi (2. v. l.) bei der Pressekonferenz

Zum letzten Mal waren 1964 von Papst Paul VI. Künstler in den Vatikan eingeladen worden. Die Katholische Kirche habe die zeitgenössische Kunst bisher nicht genügend beachtet, sagte der Erzbischof und Kulturminister des Vatikan Gianfranco Ravasi, 66, bei einer Pressekonferenz. "Wir wollen eine neue Allianz zwischen Kunst und Kirche."

Die Zahl der geladenen Künstler habe sich nach dem beschränkten Raum in der Sixtinischen Kapelle richten müssen. Die Künstler wurden in fünf Sparten unterteilt: Malerei, Fotografie und Bildhauerei; Architektur; Literatur und Dichtung; Musik und Gesang; Film, Theater und Tanz.

Die meisten der Eingeladenen sind Italiener. Unter den 81 bildenden Künstlern findet sich neben Anish Kapoor, Jannis Kounellis und Arnaldo Pomodoro nur ein einziger deutscher Künstler, Christoph Brech, 45, der 2006 Stipendiat in der Villa Massimo war. Ein weiterer Villa-Massimo-Stipendiat, Carsten Nicolai, 44, wurde unter die Musiker eingereiht.

Massimiliano Fuksas ließ die Einladung unbeantwortet

Die Begegnung mit dem Papst sei nur der erste Schritt auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis zwischen Kunst und Kirche. "Es wird ein schwieriger Dialog werden", sagte Ravasi, denn beide Partner müssten Vorurteile überwinden. So hätten amerikanische Zeitungen geschrieben, der Video-Künstler Bill Viola habe die Einladung des Papstes abgelehnt, weil er nichts mit einer Kirche von Pädophilen zu tun haben wolle. "Aber Bill Viola hat mir geschrieben, dass er zum Empfang kommen wird", sagt Ravasi, "ich schätze diesen Künstler sehr."

Papst Paul VI. hatte 1972 noch hinnehmen müssen, dass sich Pablo Picasso, überzeugter Kommunist und Atheist, weigerte, der Vatikanischen Sammlung Moderner Kunst ein Werk zu schenken. Heute wendet sich kein Künstler mehr gegen die Kirche. Nur einige, wie der italienische Architekt Massimiliano Fuksas, der gerade einen Kirchenbau in Foligno fertiggestellt hat, ließen die Einladung aus dem Vatikan unbeantwortet.

Auf der Biennale 2011 in Venedig wird der Heilige Stuhl mit einem eigenen Pavillon dabei sein. Unter welchem Titel die Künstler antreten, steht noch nicht fest: "Ich hatte an das Thema 'Wasser' gedacht, das in allen Religionen eine große symbolische Bedeutung hat", sagt Ravasi, "aber der Heilige Stuhl will doch lieber mit einem Thema präsent sein, das nicht allgemein spirituell, sondern spezifisch ist. Ich denke jetzt an die elf Kapitel der Schöpfungsgeschichte." Die teilnehmenden Künstler stehen noch nicht fest. Ganz bestimmt aber sind sie unter den Gästen, die der Papst am 21. November empfängt.