Nachruf - Sibylle Bergemann

Nachruf

Sibylle Bergemann ist tot. Sie starb in der vergangenen Nacht an den Folgen eines Krebsleidens.

Sie gehörte zweifellos zu den bedeutendsten Fotografinnen der DDR. Ihre Modestrecken, die sie überwiegend für "Sibylle", eine der wenigen Modezeitschriften des Landes, anfertigte, waren stilbildend. Nicht wenige, etwa die zwei Damen am Strandkorb an der Selliner Ostsee, avancierten zu fotografischen Ikonen und prägen bis heute das Bild ihrer Zeit. Geschichte schrieb auch Bergemanns fast zehnjährige Begleitung der Entstehung des Marx-Engels-Denkmals in Berlin. Neben den Modeaufnahmen sind es vor allem Porträts und Aufnahmen des Ostberliner Alltags, die ihren Ruf begründeten. Ihr ungeschönter, gleichwohl poetischer sozialdokumentarischer Ansatz verband sie auch mit ihrem späteren Ehemann, dem Fotografen Arno Fischer. Mit ihm und anderen Kollegen, wie Roger Melis, gründete sie 1969 die Fotogruppe "Direkt".

Nach dem Mauerfall gehörte Sibylle Bergemann zu den Gründungsmitgliedern der Fotoagentur "Ostkreuz", die sich aus ehemaligen Mode- und Reportagefotografen der DDR zusammensetzte. Die Agentur gelangte rasch zu bundesweitem Ansehen und auch Sibylle Bergemann, die zunächst Schwierigkeiten hatte, in der westlichen Modefotografie Fuß zu fassen, fotografierte für Magazine wie "Stern", "GEO" oder den "Spiegel". Zuletzt würdigte man ihr Schaffen in zahlreichen Einzelausstellungen, so 2006 in der Akademie der Künste in Berlin und 2007 im Museum für Photographie in Braunschweig. Für den 10. November 2010 ist im Berliner Babylon-Kino die Premiere eines neuen Dokumentarfilms über ihr Leben geplant.

Sibylle Bergemann erlag in der Nacht zum heutigen Dienstag den Folgen eines Krebsleiden.