Museum Liechtenstein - Wien

Aus der Traum

Dabei hatte alles so traumhaft angefangen: Die Sammlungen des Fürstenhauses Liechtenstein sollten vergrößert werden und das Mäzenatentum der Familie unterstreichen. Schwerpunkt bildeten hierbei Werke von Peter Paul Rubens. Nach sieben Jahren ist nun alles vorbei. Zu hohe Erwartungen und zurückgehende Besucherzahlen ließen den Traum vom "Einblick in barocke Lebenswelten" platzen.
Geschlossen:Museum Liechtenstein geschlossen

Nur noch für angemeldete Gruppen zu besuchen: das Museum Liechtenstein.

Es war ein Traum, den schon die Vorfahren von Fürst Hans Adam II. von Liechtenstein geträumt hat, sagte er 2004, als er das Wiener Gartenpalais Liechtenstein als Museum eröffnete. Sieben Jahre später hat die Realität endgültig über den Traum gesiegt. Die Meldung versteckte sich Dienstag abend hinter einer lapidaren Aussendung: "Neues Konzept für das Palais Liechtenstein". Man wolle den Fokus auf "Events und Exklusivität" legen, stand da. Im Klartext: Der Museumsbetrieb wird eingestellt, die "barocke Lebenswelt" ist nunmehr für die erlebbar, die sie sich auch im Gesamtpaket leisten können, beziehungsweise für die, die sich zuvor gruppenweise angemeldet haben.

Interne Diskussionen über das Konzept des Museums scheint es schon länger gegeben zu haben: Vor einem Monat erst trat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein Kurzzeitdirektor des Liechtenstein Museums zurück. Gründungsdirektor
Johann Kräftner konzentriert sich nur noch auf die zeitaufwendige Verwaltung und Mehrung der Sammlungen des Fürsten, er hetzt rund um die Welt. Seine Erwartungen waren über die Jahre immer mehr enttäuscht worden: 2004 trat er an, die 200 000, 300 000 Besucher pro Jahr zu erreichen, um das Museum wirtschaftlich zu führen. Zuletzt waren nur noch 45 000 gekommen. Nicht umsonst ist das Fürstenhaus Liechtenstein auch eine Banker-Familie, die Kunst muss sich rechnen, daraus machte niemand einen Hehl. Schon 2007 reagierte man auf das schwächelnde Besucherinteresse, reduzierte die Öffnungszeiten und ließ den laufenden Betrieb vom Kunsthandel, dessen guter Kunde man ist und war, sponsern.

Jetzt wird die weiterhin teilweise in den Galerien untergebrachte Sammlung nur noch bei der "Langen Nacht der Museen" öffentlich zugänglich sein. Außerdem denkt man daran, auf der "Website ein Organisationstool einzurichten, welches es Interessenten erlaubt, sich online zu einer Gruppe zusammenzuschließen". In jedem Fall wird ein Besuch kompliziert. Im Stadtpalais Liechtenstein, das als Biedermeier- und Klassizismus-Museum geplant war und im Frühjahr 2013 fertig renoviert sein soll, wird ein täglicher Museumsbetrieb gar nicht erst eingeführt. Auch hier konzentriert man sich auf Vermietungen. Das Wort "Museum" ist somit aus den Bezeichnungen gestrichen: "Neue Dachmarke für das Gartenpalais und das Stadtpalais Liechtenstein wird künftig die 'Palais Liechtenstein GmbH' sein." Aus der Traum.

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