Olaf Zimmermann - Kommentar

Krokodilstränen zu weinen ist scheinheilig

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, über den Streit um die Künstlersozialkasse – und scheinheilige Unternehmen.
"Krokodilstränen zu weinen ist scheinheilig":Kommentar zur Künstlersozialkasse

"Damit wird die Last nun endlich auf viele Schultern verteilt", schreibt Olaf Zimmermann im exklusiven art-Kommentar.

Im letzten Jahr wurde das Künstlersozialversicherungsgesetz reformiert und diese Reform war erfolgreich! Über mehr als zwei Jahrzehnte waren es vornehmlich die Unternehmen aus dem Kulturbereich, also die Galeristen, die Verlage und andere, die die Künstlersozialabgabe geleistet haben. Nun werden endlich flächendeckend alle Unternehmen, die mit Künstlern und Publizisten zusammenarbeiten, geprüft und zur Zahlung herangezogen. Trittbrettfahren ist nun nicht mehr möglich!

Das ist ein echter Erfolg der gerade vor einem Jahr abgeschlossenen Reform des Künstlersozialversicherungsgesetzes und ein Erfolg, der vor allem den Unternehmen zu Gute kommt, die schon lange zahlen. Denn sie mussten in den Jahren zuvor für die Drückeberger einstehen.

"Jetzt kommt es darauf an, nicht in Aktionismus zu verfallen"

Als ehemaliger Galerist wurmt es mich ungemein, dass andere Unternehmen, für die ich jahrelang mitgezahlt habe, sich jetzt beschweren, zur Zahlung herangezogen zu werden. Offenkundig sind für die Industrie- und Handelskammern Galerien zu kleine Unternehmen, denn ansonsten hätten sie sich längst für Beitragsgerechtigkeit eingesetzt und dafür Sorge getragen, dass alle Unternehmen ihrer Abgabepflicht auch nachkommen. Jetzt Krokodilstränen zu weinen, dass Beiträge für die letzten fünf Jahre nachgezahlt werden müssen, ist schon ziemlich scheinheilig.

Ich bin zuversichtlich, dass der Abgabesatz weiter sinken wird, wenn alle Unternehmen ihrer Abgabepflicht nachkommen. Bereits im letzten Jahren wurden 13 Millionen Euro an Nachzahlungen von Unternehmen, die erstmals erfasst wurden, eingenommen. Die Zahl der abgabepflichtigen Unternehmen steigt fortlaufend an. Damit wird die Last nun endlich auf viele Schultern verteilt.

Die Kulturwirtschaft insgesamt, und natürlich auch die Galerien, werden davon profitieren. Jetzt kommt es darauf an, nicht in Aktionismus zu verfallen, sondern die weiteren Erfolge der unternehmensfreundlichen Reform der Künstlersozialversicherung aus dem letzten Jahr abzuwarten.

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