Eva Beuys - Interview

Es verdient den Namen Beuys nicht

Das Verhältnis zwischen der Familie von Joseph Beuys (1921 bis 1986) und dem ihm gewidmeten niederrheinischen Museum Schloss Moyland ist zerrüttet. Exklusiv in art erläutert Eva Beuys, was ihrer Ansicht nach in Moyland schief läuft.
"Es verdient den Namen Beuys nicht":Vorwürfe von der Künstlerwitwe Eva Beuys

Eva Beuys bei der Vernissage der Beuys-Retrospektive im Hamburger Bahnhof unter dem Motto "Die Revolution sind Wir", 2008

Die Künstlerwitwe Eva Beuys war nicht gefragt worden, als Ministerpräsident Johannes Rau am NRW-Landtag vorbei die Gründung eines Beuys-Museums in dem alten Gemäuer am Niederrhein beschlossen hatte. Sie erhielt keine Einladung zur Eröffnung und wurde auch in den Jahren danach nicht ernst genommen, obwohl sie eine der profundesten Kennerinnen der Kunst ihres Mannes ist. Nun hat das Zerwürfnis einen Höhepunkt erreicht: Eva Beuys will, so erklärte sie in einem offenen Brief, nicht länger hinnehmen, wie nachlässig in Moyland mit den Arbeiten ihres Mannes umgegangen wird. Sie fordert die Herausgabe von Arbeiten an die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf und den Transfer ihrer eigenen in Moyland befindlichen Archivalien in eine neue Stiftung.

Frau Beuys, was genau werfen Sie Moyland vor?

Eva Beuys: Ein Beispiel ist die fatale Restaurierung des Werks "Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet" von 1964. Der für das Werk wichtige Stoff Schokolade wurde durch Pappe ersetzt. Uns hat keiner gefragt. In vielen Fällen werden Werke verfremdet und unter falscher Bezeichnung und falscher Datierung publiziert.

Warum ziehen Sie erst jetzt Konsequenzen?

Ich habe 1995 erstmals den Wortlaut der "Stiftung" erhalten und vielleicht zu lange geglaubt, die Dinge würden sich zum Besseren wenden. Zudem hat es im letzten Jahr auf Wunsch des Landes mit mir Gespräche über die Situation gegeben, die mir Hoffnung auf eine Änderung machten.

Könnten Sie sich auch vorstellen, dem Beuys-Museum Moyland die Verwendung des Namens von Joseph Beuys ganz zu untersagen?

Als ich diese Namensgebung erfuhr, ließ ich mich beraten. Man sagte mir: Es sei europäische Sitte, bei noch lebenden Familienangehörigen, eine Namensgebung zu erfragen. Mich hat wegen Moyland niemand gefragt. Es verdient diesen Namen nicht, er dient dort nur zur Reklame der van der Grintens.

Die ungekürzte Fassung des Interviews mit Eva Beuys lesen in der März-Ausgabe von art (erscheint am 20. Februar).

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