Gemäldegalerie - Berlin

Ein Neubau fürs 20. Jahrhundert

Der Umzug der Gemäldegalerie wurde in Deutschland und weltweit stark kritisiert – jetzt ist der Plan vom Tisch. Ein deutlich günstigerer Neubau am Potsdamer Platz soll in Zukunft die Werke des 20. Jahrhunderts beherbergen.
Achtung Neubau:Die Umzugspläne sind vom Tisch

Blick auf das Baugrundstück in östlicher Richtung an der Sigismundstraße. Im Hintergrund rechts ist das Dach der Neuen Nationalgalerie, links die Turmspitze der Sankt Matthäus Kirche zu erkennen. Auf dem Grundstück, wo sich zurzeit noch ein Verwaltungs-Gebäude der Staatlichen Museen zu Berlin und ein Parkplatz befinden, soll der Neubau einer Galerie fürs 20. Jahrhundert entstehen.

Die Berliner Nationalgalerie soll einen Neubau für ihre Sammlungen von Kunst des 20. Jahrhunderts erhalten und zwar hinter dem Gebäude der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe am Kulturforum. Diesen Plan verkündete die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Folgerung aus einer Machbarkeitsstudie des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, in der verschiedene Alternativen geprüft worden waren. Vom Tisch ist das ursprünglich von der Stiftung favorisierte Projekt, der Moderne die bisherige Gemäldegalerie am Kulturforum zuzuweisen und Gemälde und Skulpturen aus der Zeit vom Mittelalter bis 1800 teils im Bodemuseum, teils in einem neuen Haus gegenüber dem Nordende der Museumsinsel zusammenzuführen: Dies würde dem Gutachten nach mindestens 375 Millionen Euro kosten, schon weil der Neubau an der Insel außer den Alten Meistern noch weitere Räume für Forschung und Verwaltung würde aufnehmen müssen. Die jetzigen Pläne sollen dagegen für rund 130 Millionen Euro zu verwirklichen sein – auch dies eine stattliche Summe, aber doch weit eher neben den teuren Baumaßnahmen auf der Museumsinsel und der ab 2015 anstehenden Sanierung der Neuen Nationalgalerie im Etat unterzubringen.

Den Berliner Museen fehlt es schon lange an Platz für ihre Moderne-Bestände, die immer nur in Ausschnitten gezeigt werden konnten. Im Neubau soll nun eine Ausstellungsfläche von rund 7400 Quadratmetern entstehen. Zusammen mit den bestehenden Räumen im Sockelgeschoss des Mies-Baus hätte die Moderne damit etwa 11000 Quadratmeter zur Verfügung; darin
eingerechnet sind 1500 Quadratmeter für Sonderausstellungen. Damit wäre die entscheidende Bedingung des Berliner Ehepaars Pietzsch für eine Schenkung seiner gewichtigen Sammlung von Werken des 20. Jahrhunderts erfüllt: Diese sollten in eine angemessene Dauerpräsentation der Nationalgalerie-Bestände eingegliedert werden. An dieser Forderung hatte sich im vergangenen Jahr die Diskussion um die Neuordnung der Museen entzündet, einen internationalen Kunsthistorikerstreit über eine mögliche Zwischenlagerung der Alten Meister inbegriffen.

Das jetzt verkündete Konzept soll dem Stiftungsrat des Preußischen Kulturbesitzes bei der nächsten Sitzung im Dezember vorgelegt werden. Im kommenden Jahr könnte dann ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, 2022/23 nach jetzigen Schätzungen der Neubau eingeweiht werden.