Symposion "Objekte für Alle und Keinen" - Düsseldorf

Alle Kunst will Gegenwart

Am 8. und 9. September findet im Rahmen der Quadriennale ein erstklassig besetztes Symposium zum Thema "Objekte für Alle und Keinen" statt. Im Robert-Schumann-Saal des Düsseldorfer museum kunst palast erörtern unter anderem Marion Ackermann, Wolfgang Ullrich und Beat Wyss, wie alte und neue Kunstwerke wahrgenommen und vermittelt werden.
"Alle Kunst will Gegenwart":Symposion in Düsseldorf

James Lee Byars: "The Book of Hundred Perfects", 1985

"Welche Qualen ein Museumsbesucher leidet", schreibt der Kunsthistoriker Walter Grasskamp, "das weiß man erst, seit ein Museumsshop sie lindert: Hier kann man alles anfassen, kaufen und mit nach Hause nehmen." Das Berührungsverbot gehört zur Kunst wie die Hemmschwelle zum Museum, und doch wird jedes Kunstwerk geschaffen, um angeschaut, begriffen und erlebt zu werden. Um dieses Paradox dreht sich das von Heinrich Heil geleitete Symposium der Düsseldorfer Quadriennale. Unter dem Titel "Objekte für Alle und Keinen" geht es um Fragen der Rezeption: Wie nehmen wir Kunst wahr? Warum bleibt ein Werk aktuell, während ein anderes verstaubt wirkt? Und warum kann sich dieser Eindruck mit der Zeit ins Gegenteil verkehren?

Die acht Referenten stecken ein weites Feld ab. So plädiert Wolfgang Ullrich dafür, in der modernen Kunst nicht mehr von Geschmacksurteilen zu sprechen, sondern von Glaubensfragen. Da es keine objektiven Kriterien mehr gebe, was Kunst ist und was nicht, gleiche der Museumsbesuch einem Sprung ins Ungewisse. Jochen Hörisch beschäftigt sich dagegen mit den konkreten Folgen der Kunstbetrachtung und stellt die vermutlich schelmisch gemeinte Frage, warum gerade die moderne Kunst so viele abgehobene Deutungen provoziert. Einen Vergleich zur klassischen Musik zieht der Musikkritiker Reinhard Brembeck. Sein Fazit: Die künstlerische Avantgarde ist eine Erfolgsgeschichte, von der ihre musikalische Schwester nur träumen kann.

Am zweiten Tag des Symposiums kommt mit Marion Ackermann, der Direktorin der Kunstsammlung NRW, eine Frau der Praxis zu Wort. Sie untersucht, wie Joseph Beuys das Publikum in seine Aktionen einbezog, und nimmt damit ein Stichwort von Peter Weibel auf. Für den ZKM-Vorstand stirbt der passive Kunstkonsument im Zuge einer "performativen Wende" in der Kunst allmählich aus. Bei Marina Abramovic und anderen sei das Publikum zugleich Adressat und unverzichtbarer Bestandteil des Werks.

Zum Abschluss der Veranstaltung geht der Kunsthistoriker Beat Wyss die Zwiesprache zwischen Künstler und Betrachter noch einmal grundsätzlich an. In seiner Analyse verleihen Maler einer bestimmten Sichtweise Ausdruck und fordern uns mit ihren Bildern heraus, diese Sichtweise auf die Welt zu überprüfen. Ein Werk erscheint dann als gelungen, wenn sich die Gesellschaft in ihm erkennen kann. Ganz ähnlich, aber deutlich poetischer klingt das im heimlichen Motto des Symposiums: "Alle Kunst will Gegenwart."

"Symposion: Objekte für Alle und Keinen"

Termin: 8. und 9. September, Robert-Schumann-Saal im Museum Kunst Palast. Kurz Entschlossene sind herzlich eingeladen, die Teilnahme ist frei.
http://www.quadriennale-duesseldorf.de/symposion