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Lieblink: Artigo

LIEBLINK: ARTIGO

Jeden Dienstag präsentieren wir Ihnen einen neuen Klicktipp. Diesmal: das Online-Spiel Artigo. Im art-Interview erklärt Initiator Hubertus Kohle wie man spielend leicht sein kunsthistorisches Wissen aufbessert und dabei noch mithilft, die Trefferquote bei der Suche in Bilddatenbanken zu erhöhen.
// REGINE EHLEITER

Herr Kohle, was verbirgt sich hinter Artigo?

Hubertus Kohle: Artigo ist eine Internetanwendung, bei der zwei Nutzer zusammengeschaltet werden, die gemeinsam Schlagworte für auf dem Bildschirm präsentierte Kunstwerke finden müssen. Für Treffer gibt es Punkte, und der Highscorer bekommt einmal im Monat einen Geld- oder Buchpreis.

Woher stammt die Idee?

Das Prinzip ist von dem amerikanischen Informatiker Luis von Ahn erfunden worden. Wir haben es modifiziert und für Kunstwerke nutzbar gemacht. Die Idee mit dem Spiel ist dabei nicht nur deswegen wichtig, weil sie dem Ganzen etwas Unterhaltsames gibt, sondern vor allem auch, weil sie die Eingabequalität sichert. Ansonsten wird bei solchen Programmen auch viel Blödsinn eingegeben. Das geht hier nicht, weil ja beide Mitspieler den gleichen Begriff finden müssen. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass beide Spieler den gleichen blödsinnigen Begriff eingeben.

Was soll dann mit den Bildern passieren, die im Spiel beschrieben wurden?

Der Sinn ist ein doppelter: Die Mitspieler lernen Kunstwerke kennen, was auch dadurch ermöglicht wird, dass die bearbeiteten Bilder am Schluss einer jeweils fünf Minuten dauernden Partie noch einmal, dann aber mit den wichtigsten Daten (Künstler, Bildtitel, Datierung) gezeigt werden. Für große Bilddatenbanken sind Kategorisierungen durch Schlagworte wichtig, weil man dann die darin enthaltenen Bilder besser auffinden kann.

Wie viele Spieler haben sich bisher bei Artigo registriert? Wie lange würde es denn dauern, wollte man den gesamten Kanon der Kunstgeschichte annotieren?

Bislang haben wir etwa 1000 angemeldete Spieler. Bei solchen Anwendungen sind aber sehr viel höhere Zahlen möglich. Wenn wir bei Artigo erst einmal so viele Nutzer haben, dass permanent 20 online sind, dann kann man eine ganz einfache Rechnung aufstellen: 20 Spieler ergeben zehn Spiele, da ja immer zwei zusammengeschaltet werden. Erfahrungsgemäß gelingen in einem Spiel durchschnittlich vier "matches", also gleiche Verschlagwortungen. Das macht in der Stunde 480 matches. Am Tag wären das zirka 11 500 und im Jahr fast 4,2 Millionen. Sehr große Bilddatenbanken haben zur Zeit zirka 1 Million Objekte, die dann alle innerhalb eines Jahres mit durchschnittlich vier Schlagworten belegt wären. Das ist natürlich noch reine Theorie, aber machbar, vor allem dann, wenn man das Ganze an verschiedenen Stellen betreibt.

Wodurch werden die Mitspieler motiviert, in ihrer Freizeit unbezahlt zu arbeiten?

Gute Frage. Das ist ein wenig wie bei Wikipedia: Es gibt offenbar ein Bedürfnis, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Aber allzu romantisch sollte man es auch nicht sehen. Die Mitspieler möchten sicherlich auch dazu beitragen, dass die bislang noch relativ wenig genutzten Bilddatenbanken auch für sie selber in Zukunft besser verwendbar sind. Außerdem dürften einige auch scharf auf den Gewinn sein.

Was war für sie der schönste Moment beim Artigo-Spielen?

Es ist immer wieder ein Erlebnis, die Meldung über einen gemeinsamen Treffer zu erhalten. Auch wenn man das alles schon häufig gemacht hat.

Wer hat eigentlich die Seite gebaut?

Wir haben an der Universität eine Computer-Betreuungsgruppe. Dort hat der Kollege Gerhard Schön, der von Hause aus Numismatiker und Mathematiker ist, das Spiel in java-script programmiert. Und er entwickelt es auch weiter: Insbesondere dann, wenn man die Mitspieler dazu animieren will, auch höherwertige Begriffe einzugeben (also nicht immer nur "blau", "Frau", "Wolken"), kann man am Design des Spiels noch Einiges verbessern.

Haben sie auch einen Lieblink/Hasslink?

Ich gebe zu, dass ich die allgemein ja nicht umumstrittene wikipedia häufig nutze. Eine halbe Stunde vor der Vorlesung ist das manchmal die einzige Rettung.

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