Arp-Museum - Rheinland-Pfalz

Streit um Arp-Museum beigelegt

Ende einer schwierigen Partnerschaft: Überraschend schnell und leise haben das Land Rheinland-Pfalz und der private Arp-Verein die jahrelangen Querelen um das Arp-Museum in Remagen-Rolandseck beigelegt.
Neues Kapitel im Arp-Skandal?:Rheinland-Pfalz betreibt Museum alleine

"Das Land hat ein Arp-Museum gebaut und weiß nicht, was dort ausgestellt werden soll"

Alle Auseinandersetzungen seien beendet, erklärten das Land Rheinland-Pfalz und der private eingetragene Verein "Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp": Das Land ist künftig allein für den Betrieb und den Unterhalt des Museum verantwortlich. Dafür stehen ihm aber auch nicht mehr die Leihgaben des Arp-Vereins zur Verfügung, um das prestigeträchtige, 33 Millionen Euro teure Haus zu bestücken.

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Das Land ist im Besitz von mehr als 400 Arp-Werken. Der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (SPD) sagte der "Rhein-Zeitung": "Klar ist, dass das Museum nicht auskömmlich finanziert ist." Das Land habe die Absicht, es besser auszustatten. Er schließe "nicht aus, dass wir im Laufe der Zeit weitere Zukäufe realisieren können", sagte Hofmann-Göttig. Der Grundstock werde angereichert durch Leihgaben. "So werden wir etwa Kontakt aufnehmen mit den Arp-Stiftungen in der Schweiz und in Frankreich. Und wir werden recherchieren, was es sonst an Arp-Werken in bedeutenden Museen der Welt gibt, die man für einzelne Projekte als Leihgaben akquirieren kann", sagte der Staatssekretär.

Und welchen Preis das Land für die außergerichtliche Einigung möglicherweise zahlen musste, wurde nicht bekannt. Die CDU-Opposition im Landtag wittert daher ein "neues Kapitel im Arp-Skandal". Ursprünglich sollten Land und Verein das Museum gemeinsam betreiben. Dazu war eine Rahmenvereinbarung geschlossen worden. Doch immer wieder flogen die Fetzen zwischen den beiden Partnern. Kurz nach der Eröffnung des Museumsneubaus im September 2007 spitzte sich der Streit zu: Die SPD-Landesregierung warf dem Verein "schweren Vertragsbruch" vor. Er habe "ohne vorheriges Einvernehmen und ohne nachträgliche Informationen" des Vertragspartners Werke verkauft, die zur Ausstellung vorgesehen gewesen seien. Der Verein wies die Vorwürfe zurück, drohte mit einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Der Gründungsdirektor des Arp-Museums, Klaus Gallwitz, sprach seinerzeit gar von einem "erklärten Krieg". Die SPD-Landtagsfraktion wertete die außergerichtliche Einigung am Mittwoch daher vor allem als einen guten Schritt für die weitere Entwicklung des Museums. "Unbelastet von den Querelen hat das Museum eine Riesenchance, sich
über Rheinland-Pfalz hinaus zu einem wichtigen, künstlerischen Zentrum zu entwickeln", teilte sie mit. Die oppositionelle FDP – früher an der Regierung beteiligt – meint, das Museum könne sich nun "in geordneten Bahnen" weiterentwickeln.

Arp-Museum ohne Arp?

Die CDU-Opposition im Mainzer Landtag kritisierte dagegen die "dürre Pressemitteilung", mit der die Öffentlichkeit über die Einigung informiert worden sei. Sie lasse "ganz zentrale Fragen zur Zukunft des Arp-Museums offen". Das Land habe schließlich zwei millionenschwere Verträge mit dem Arp-Verein geschlossen und seine Verpflichtungen daraus erfüllt. Es habe das teure Museum gebaut und dem Verein für zehn Millionen Euro Kunst abgekauft, die teils noch gar nicht vorhanden sei. Der Arp-Verein werde dagegen von seinen Verpflichtungen entbunden, meinte die CDU. Es fehlten die zugesagten Dauerleihgaben im Wert von 30 Millionen Euro.

Die CDU sieht damit ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet: "Das Land hat ein Arp-Museum gebaut und weiß nicht, was dort ausgestellt werden soll." Das Arp-Museum soll vor allem Werke des deutsch-französischen Bildhauers und Malers Hans Arp (1886 bis 1966) präsentieren. Der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (SPD) hatte im Herbst angekündigt, dass das Haus auch mit Leihgaben anderer Arp-Stiftungen und Museen bestückt werden könne. Zudem sei das Land im Besitz von mehr als 400 eigenen Arp-Werken. Die Arp-Verein will seine Werke dagegen nun woanders zeigen, wie Anwalt Peter Raue sagte. Dafür gebe es bereits Pläne.

Über nähere Inhalte der außergerichtlichen Einigung schwiegen sich am Mittwoch sowohl das Mainzer Kulturministerium als auch der Arp-Verein beharrlich aus. Für die CDU behält der im Frühjahr eingesetzte Untersuchungsausschuss im Mainzer Landtag zum Arp-Komplex auch deshalb seine Berechtigung, wie der Abgeordnete Gerd Schreiner sagte: "Gäbe es ihn nicht, müssten wir ihn jetzt einsetzen."

Bettina Grachtrup, dpa

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