Museum of Arts and Design - New York

Herzchen, Perlen und Blümchen

Prominente New Yorker haben gegen den Neubau Stellung bezogen. Bürgermeister Bloomberg erhebt es zu einem Juwel der Stadt. Das Innenleben zeichnet sich durch viel Kunsthandwerk und ein paar interessante Arbeiten zeitgenössischer Künstler aus.
Kontroverser Neubau:Glanzloser Schmuckkasten für allerlei Kitsch

Ausstellungsansicht "Second Lives: Remixing the Ordinary": "Spoons", 2008, von Jill Townsley, "Reading Chairwith Buddha Heads", 2007, von Long-Bin Chen, "Spilt Milk No. 99", 2008, von Donald Lipski

Sicher, man soll nicht nur nach Äußerlichkeiten gehen. Aber das neue Zuhause des Museum of Arts and Design (MAD) in New York wirkt wie ein uninspirierter Büro-Kasten, der sich bei den unspektakulären, glänzenden Neubauten am Columbus Circle einreiht. Und das spiegelt sich auch in den Ausstellungen wieder, die einige schöne Momente haben, aber im Ganzen ebenfalls nicht besonders aufregend sind.

In der Lobby des Museums sieht es aus wie in einem der langweiligen Boutique-Hotels, die seit Jahren in Mode sind. Im Museumsshop, in dem unoriginelle Handtaschen und Ketten in den Regalen auf Käuferinnen warten, fühlt man sich wie im Kaufhaus Bloomingdales. Die Ausstellung von "innovativem, modernem Schmuck" im zweiten Stock erinnert an einen Markt für Kunstgewerbe. Die meisten Stücke sind derart verkitscht und geschmacklos, dass das aus einem Porzellanteller gestanzte "Kitchen Necklace" von der Deutschen Gesine Hackenberg eine Wohltat ist. Herzchen, Perlen, kleine Männchen, Blümchen, es wurde wirklich nichts ausgelassen. Auch die Stücke aus der Sammlung des 1956 als Museum für zeitgenössisches Handwerk gegründeten MAD überzeugen nicht. Die Vasen, Keramiken oder Skulpturen stammen aus den Jahren 1950 bis in die heutige Zeit und führen letztlich doch nur vor, dass Kunsthandwerk nichts mit gutem Design oder hoher Kunst zu tun hat.

"Öffentliche Provokation" oder Juwel?

Immerhin entschädigt die Eröffnungsausstellung "Second Lifes: Mixing the Ordinary", bei der 54 zeitgenössische Künstler Alltagsgegenstände wie Plastiklöffel, Schallplatten oder Papiertüten zu Kunst verarbeiteten. Zu den amüsantesten Stücken zählen der Wandteppich des Nigerianers El Anatsui aus Kronkorken, Terese Agnews Porträt einer Näherin, das sie aus 30 000 Kleidungslabeln zusammensetzte, Tara Donovans Knopf-Koralle oder die Abendrobe aus Gummihandschuhen von Susie MacMurray.

Der Umzug des MAD von der 53rd Street zum Columbus Circle und der Umbau des eigenwilligen, 1965 von Edward Durell Stone entworfenen Gebäudes, das die Sammlung von Huntington Hartford beherbergte, sorgte von Anfang an für Kontroversen. Viele New Yorker und prominente Vertreter wie der Schriftsteller Tom Wolfe, die Künstler Chuck Close und Frank Stella sowie einige Architekturkritiker hatten sich vergeblich dafür eingesetzt, das alte Gebäude zu erhalten. Doch das MAD setzte sich mit seinen ehrgeizigen Plänen durch. 90 Millionen Dollar kostete der Bau, bei dem die ursprüngliche Marmor-Fassade durch Terrakotta-Fliesen und Glas ersetzt wurde. Ohne irgendeine Absicht dahinter scheint die Anreihung der Fenster das Wort "Hi" zu formen. Leider ist der Entwurf des amerikanischen Architekten Brad Cloepfil weder radikal noch originell genug, um den Abriss des Originals zu rechtfertigen. Zwar war das alte Gebäude nicht attraktiv, aber es hatte Charakter, so dass es der Architekt Robert A.M. Stern sogar eine "öffentliche Provokation" nannte. Auch wenn Bürgermeister Michael Bloomberg, einer der Befürworter des Neubaus, das Museum als eines von New Yorks Juwelen hochjubelte, ist das neue Gebäude nicht mehr als ein glanzloser Schmuckkasten, der allerlei Kitsch enthält.

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