Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfehlen art-Autorinnen Konstanze Seifert und Sünje Todt Künstler im Zoo, verschlafene Promis und Urban-Art in Berlin.
Die Tipps der Woche:Künstler im Zoo und Promis im Bett

Julian Rosefeldt: "The Shift", 2008, 4-Kanal-Film-Installation

Berlin: Julian Rosefeldt - Vattenfall Contemporary

Aufwendige und aufs Detail bedachte Dekors; wohlgesetzte Lichtquellen; vielschichtige, Farbkompositionen. Nein, die Rede ist nicht von Malerei, sondern es geht um die Film- und Videokunst des in Berlin lebenden Künstlers Julian Rosefeldt, dessen Arbeiten am 30. April mit dem "Vattenfall Contemporary" ausgezeichnet werden.

Julian Rosefeldts Filme waren bisher eher einem kleinen Publikum und vor allem Sammlern ein Begriff, was sich mit der Auszeichnung durch den Vattenfall Contemporary und der damit einhergehenden Ausstellung in der Berlinischen Galerie hoffentlich ändern wird. Rosefeldts Filme sind sehr aufwendige Produktionen, die jedoch oftmals nur in sechsfacher Auflage erscheinen. Die Ausstellung "Living in Oblivion" wird in der Berlinischen Galerie bis zum 18. Oktober Rosefeldts Film "The Shift" (2008) zeigen sowie Arbeiten aus den neunziger Jahren. Der Vattenfall Contemporary ist die in Kooperation mit der Berlinischen Galerie entstandene Fortführung des ehemaligen "Vattenfall Kunstpreis Energie". Der Preis richtet sich an in Berlin lebende Künstler aus den Bereichen Medienkunst, Malerei, Zeichnung, Performance und Skulptur.

Graz: Véronique Vial "Women before 10 a.m."

Diese Fotografin muss sympathisch und einfühlsam sein – der Gedanke drängt sich fast zwangsläufig auf, wenn man in die von Véronique Vial fotografierten Gesichter blickt. So entspannt und natürlich wirken die Personen vor ihrer Kamera. Ein solches Vertrauensverhältnis scheint sich zwischen ihnen und der 1957 in Frankreich geborenen Fotografin aufgebaut zu haben, dass die Porträtierten nicht zu posieren scheinen. Sie wirken nicht ausgestellt oder vorgeführt. Vielmehr hat der Betrachter das Gefühl, er sieht auf Vials Fotos jemandem bei seinem alltäglichen, privaten Leben zu.
Vom 4. Mai bis zum 7. August sind im Atelier Jungwirth die Bilder der Serie "Women before 10 a.m." zu sehen, bei der Vial prominente Frauen aus den Bereichen Fashion, Kino oder der Popkultur morgens, vor 10 Uhr, ablichtete. – Helena Christensen schaut aus der Bettdecke hervor. Angelina Jolie, kurzhaarig, die Zigarette im Mundwinkel. Sofia Coppola, um 9.29 Uhr, noch ganz verschlafen.

Berlin: "Urban Interventions: Personal Projects in Public Spaces"

Urban Art ist weitaus mehr als nur Graffiti und Tags auf U-Bahnen und Häuserwänden. Urban Art ist Kunst im öffentlichen Raum. In vielen Fällen sind es sehr subtile, oftmals witzige oder ironische Eingriffe ins Stadtbild, durch die Urban-Art-Künstler die Bevölkerung aus ihrer oftmals indifferenten Wahrnehmung von Stadt wachrütteln wollen, um neue Sensibilitäten für das Phänomen Stadt zu schaffen. Durch gezielte Interventionen gilt es, den öffentlichen Raum als Freiraum zurückzuerobern. Die Galerie urban art info zeigt vom 30. April bis zum 2. Mai in der Ausstellung "Urban Interventions" aktuelle Positionen der Urban-Art-Szene. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten des amerikanischen Künstlers Brad Downey, der durch seine gewitzten Straßeninstallationen und -performances besticht: sei es eine mit bunten Luftballons angefüllte Telefonzelle, oder seien es Männchen, die aus Straßenschildern herauspurzeln. Zudem werden Arbeiten der Künstlergruppe Neozoon ausgestellt, die Häusermauern mit Tierfiguren aus zurechtgeschnittenen secondhand-Pelzmänteln schmücken – so erobern sich die Tiere den Lebensraum Stadt zurück. Begleitend zur Ausstellung erscheint das Buch "Urban Interventions: Personal Projects in Public Space", in dem aktuelle Projekte und Methoden der Urban Art-Szene gezeigt und besprochen werden.

Essen: Kunstgruppe Gottlieb "Exil Café. Teilstück: der Bericht der Reise"

"Exil Café" ist ein Kunstprojekt, das Bildende und Darstellende Kunst umschließt. Die Kunstgruppe Gottlieb aus Berlin reist durch alle 53 Städte des Ruhrgebietes und setzt das Projekt in Form von Aktionen, Ausstellungen und Performances um. Das Thema des Gesamtkunstwerkes ist die Veränderung der Identität durch das Umfeld beziehungsweise der geistige Identitätsverlust von Menschen, die sich im Exil befinden. Hierbei wächst das Projekt durch die Mitwirkung des Publikums. Die Interaktion mit unterschiedlichen Interessensgruppen, sowie das Bilden einer Kommunikationsplattform ist ein wesentlicher Teil des Projektes. Beispielsweise werden sich die Künstler im Dortmunder Zoo in Tiergehegen aufhalten, wobei die Zoobesucher aufgefordert sind, Fotos von der Aktion zu machen und sie an die Künstlergruppe zu schicken. Diese werden im Rahmen der Abschlussausstellung der Gesamtaktion präsentiert, die im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund ab dem 1. Oktober zu sehen sein wird. Am 30. April findet in den Scheidt’schen Hallen, Essen um 20 Uhr die Vernissage des Teilstücks "Der Bericht der Reise" statt.

Berlin: Isabelle Graeff "My Mother and Me"

Isabelle Graeff (geboren 1977) hält das Verhältnis zwischen sich und ihrer Mutter in Fotografien fest und hinterfragt damit ihre eigene Identität. Seit ihrer Kindheit haben die Berliner Künstlerin und ihre Mutter eine sehr enge Bindung, so fing Graeff an, Aufnahmen von ihrer Mutter zu machen. Als eines Tages durch Zufall ein Bild von ihrer Mutter neben einem von ihr lag, war Graeff über die Ähnlichkeit der Bilder erstaunt. Das brachte sie dazu, Bilder von sich und ihrer Mutter zu kombinieren oder Porträts zu machen, auf denen beide zu sehen sind. Mittlerweile verfolgt sie die Serie "My Mother and I" seit zehn Jahren, so entstand eine sehr intimes Portät des Mutter-Tochter-Verhältnisses. Beim Betrachten der Bilder treten Fragen darüber auf, woher die Ähnlichkeit kommt, ob man der Tochterrolle entkommen kann oder in wie weit der eigene Charakter durch das Erbgut bereits festgelegt ist. Die Ausstellung "My Mother and Me" ist vom 29. April bis zum 30. Mai in der Trolley Galerry Berlin zu sehen.

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