Orte des Erinnerns - Berlin

Orte des Erinnerns

"Wer kümmert sich eigentlich um das Denkmal?", fragen sich die Berliner Künstler Renata Stih & Frieder Schnock nun schon seit einem Jahr. Ihre 1993 eingeweihte Schilderinstallation "Orte des Erinnerns" in Berlin Schöneberg ist bereits häufig zu Schaden gekommen und die Bemühungen der Instandhaltung tragen bisher keine Früchte.
Schutzbedürftig:Schönebergs Schilderinstallation

Renata Stih und Frieder Schnock: "Orte des Erinnerns", 1993. Hier: Vor dem Amtsgericht, Grunewaldstraße. Einige Schilder litten unter einem Neuanstrich der Laternenmäste, an denen sie angebracht sind.

Bei einem Sturm im vergangenen Februar war ein Schild ihrer Installation durch eine herabfallende Außenwerbung ebenfalls zu Boden gerissen worden. Nur durch Zufall fand eine ortsansässige Buchhändlerin das Kunstwerk und übergab es den Künstlern, die es seitdem in ihrem Berliner Atelier aufbewahren und sich über die Untätigkeit der Lokalpolitiker ärgern.

11386
Strecken Teaser

Insgesamt 80 solcher Schilder, die mit Piktogrammen von Alltagsgegenständen und kurzen Sätzen zu den Rassegesetzen versehen sind, erinnern auf subtile und dennoch sehr eindringliche Weise rund um den Bayrischen Platz an die ehemalige jüdische Bevölkerung des Viertels und ihre Verfolgung und Vernichtung während der Nazizeit. Trotz seines lokalen Kontexts findet das Memorial über Berlin hinaus Beachtung, selbst die "Washington Post" berichtete über die nichtmonumentale Form des Erinnerns.

Unnötige Lackschäden

Doch im 15. Jahr seines Bestehens zeigt sich das Denkmal renovierungsbedürftig. Neben dem Sturm litten nicht wenige Schilder unter einem Neuanstrich der Laternenmäste, an denen sie in etwa drei Metern Höhe angebracht sind – die offensichtlich nicht informierten Maler strichen den Rahmen mancher Schilder einfach mit. Eine unsachgemäße Lackierung bei der Herstellung tut bei einem Teil der Tafeln ihr Übriges: Unschön verwittert die Schutzschicht vor sich hin und lässt die akkuraten Schrifttafeln schmutzig aussehen.

"Mit positiver Grundhoffnung"

Den Vorwurf der Untätigkeit sieht Katharina Kaiser, Kunstamtsleiterin im Bezirk Tempelhof-Schöneberg jedoch unbegründet: Der Bezirk bemühe sich gerade auf Landesebene "mit positiver Grundhoffnung" die nötigen 22 000 Euro für eine grundlegende Sanierung zu beschaffen. Noch in diesem Jahr soll die Reparatur und Reinigung der Schilder erfolgen, ebenso wie die Neuauflage einer seit Monaten vergriffenen Begleitpublikation, die Besuchern Anlass und Konzept dieses außergewöhnlichen Denkmals erklärt.

Mehr zum Thema im Internet