Lieblink

Artsite.tv

Lieblink: artsite.tv

LIEBLINK: ARTSITE.TV

Jeden Dienstag präsentieren wir Ihnen einen neuen Klicktipp. Diesmal: das Kunstfernsehen artsite.tv. Im art-Interview sprach die Gründerin Anne Kaestner über die neuen Möglichkeiten von TV im Netz.
// REGINE EHLEITER

Frau Kaestner: Wie entstand die Idee zu einem Kunstfernsehen im Netz?

Anne Kaestner: Die Idee entstand vor etwa zwei Jahren aus einem großen Ausstellungsprojekt, das mein Mann und ich planten. Ein Element davon sollten audio-visuelle Online-Plattformen für Kunst sein, die mehrere europäische Metropolen untereinander vernetzen sollten. Das Ausstellungsprojekt wurde verschoben, die erste Plattform ging jedoch im April 2007 mit artsite.tv für das Rhein-Main-Gebiet online. Wir wollten ein neues Kulturmedium schaffen, das die Möglichkeiten eines journalistisch erstellten Mediums (WebTV) mit einer Kultur-Community für Institutionen und freie Projekte kombiniert. Also: Solide journalistische Arbeit einerseits mit der Selbstsicht der Akteure andererseits, zwar voneinander getrennt, aber zusammen präsentiert. In der Community können Kulturinstitutionen und Freie Projekte auf Microsites ihre Arbeit audiovisuell darstellen und mit dem Publikum diskutieren. In eigener redaktioneller Verantwortung. Angefangen haben wir ganz bewusst mit dem TV-Bereich, der erst einmal die Möglichkeiten des Formates darstellen sollte.

Beitrag zur Ausstellung "Vertrautes Terrain" (Ausschnitt)

Ist TV im Netz wirklich die Zukunft? Warum eigentlich?

Weil dann endlich niemand mehr abhängig ist von den Vorgaben des Fernsehprogramms. Die Zuschauer können im Netz selbst entscheiden, ob sie die Tagesschau um 20 Uhr, um 20.14 Uhr oder um 21 Uhr ansehen möchten. Zudem sind die Produktionskosten von Videos die im Netz gezeigt werden deutlich niedriger als bei analogem Fernsehen.

Was kann artsite.tv besser als "traditionelles" Kunst-TV?

artsite.tv ist flexibler und hat dadurch mehr Möglichkeiten. Das "traditionelle" Kunstfernsehen ist an ein Format gebunden, das vor allem die Länge vorschreibt. Wir können unsere Formate dem Thema anpassen oder auch zwei Beiträge aus einem machen, wenn abzusehen ist, dass das Thema mehr hergibt. Größere Themen können wir im Rahmen von Sonderseiten von verschiedenen Aspekten aus angehen und so besser auffächern. Wir können zu einem Thema mehrere Filme zeigen, die zudem noch thematisch unterteilt sind.

Eine journalistische Redaktion kostet: Wie finanziert sich artsite.tv?

artsite.tv wird von dem gemeinnützigen Verein MIRRORS e.V. getragen. Das nötige Geld stammt aus den üblichen Quellen eines gemeinnützigen Vereins: Geld- und vor allem Sachspenden von diversen, gerne auch wohlhabenden Einzelpersonen, von Unternehmen (technisches Gerät, Software für die Internet-Plattform, auch ab und zu eine Dienstleistung) und projektorientierte Förderungen durch Institutionen. Eine inhaltliche Einflussnahme von Geldgebern oder gar den "Kauf von Inhalten" gibt es natürlich nicht. Um die englischsprachige Ausgabe zu verwirklichen oder eine internationale Perspektive zu haben, ist allerdings deutlich mehr Geld nötig. Die Inhalte auf den Microsites der Community-Mitglieder stehen in deren redaktioneller Verantwortung und werden zum großen Teil auch von diesen selbst finanziert.

Wer ist heute alles an der Produktion beteiligt?

Wir sind derzeit ein Team von etwa zwölf Leuten. Die tägliche Arbeit in der Redaktion machen wir im Moment zu dritt, allerdings nicht alle Vollzeit. Etwa zehn Autoren arbeiten regelmäßig für artsite.tv, dazu kommen noch die ausländischen Korrespondenten.

Wie wählen Sie die Ausstellungen und Veranstaltungen aus, über die sie berichten?

Wir berichten über die wichtigen Ausstellungen im Rhein-Main-Gebiet und versuchen dabei ein gewisses Gleichgewicht zu halten zwischen institutionellen Ausstellungen und Ausstellungen die von freien Projekten ausgehen. Dazu besprechen wir die wichtigsten nationale Ausstellungen, sowie internationale Großausstellungen wie die Documenta, die Berlin Biennale oder die großen Messen.

Und können Sie uns bitte kurz einen normalen Tag in Ihrer Redaktion schildern?

Viel Kaffee, viele Mails, viel Diskussion und einiges an Organisation und Planung… Daneben werden Filme geschnitten und Texte redigiert.

Was verbirgt sich hinter den Sonderseiten?

Auf den Sonderseiten können wir uns einzelnen Themen intensiver widmen und auch von verschiedenen Seiten an ein Thema herangehen. Hier kann beispielsweise eine Glosse eine ernsthafte Ausstellungsbesprechung begleiten. Zudem greifen wir hier Themen auf, die sonst kaum in diesem Umfang berücksichtigt werden. Neben einer Kolumne die in das Thema einführt und einer Übersicht über die Szene in Rhein-Main, haben wir hier zum Vergleich Beiträge aus Berlin uns London. Interviews mit dem Sammler Thomas Olbricht und Daniel Birnbaum, dem Rektor der Frankfurter Städelschule, zeigen deren Einschätzung der freie Szene für den Markt und die Künstlerausbildung.

Wo ist artsite.tv in zehn Jahren?

Hoffentlich überall, aber auf jeden Fall noch im Internet! Wir habe das Ziel ein Netzwerk zu errichten, das alle wichtigen Kunstzentren verbindet und auf der einen Seite Kunstfernsehen, auf der anderen Community ist auf der sich Kunstinstitutionen und ausgewählte freie Projekte selbst präsentieren... Ob das so klappt?

Und: Haben Sie auch einen Lieblink?

Im Moment gerade: www.tank.tv, weil hier gute Kunstfilme zu sehen sind!

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: 2007. Gründer: Anne und Olaf Kaestner. Anzahl der Beiträge: ca. 100. Aktualisierungsrhythmus: wöchentlich, immer freitags. Klicks pro Monat: im Moment ca. 50 000 Videoabrufe im Monat.

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