Kunstkredit - Hamburg

„Berliner Modell“ für Hamburg

Hamburgs neue Kultursenatorin Barbara Kisseler will Hamburgs Galerien und Künstler mit einem speziellen Kreditprogramm unterstützen. Die Idee dazu hat sie aus Berlin mitgebracht.
Kunst auf Raten:Berliner Modell für Hamburg

Barbara Kisseler auf der Pressekonferenz 17. August 2011, neben Mathias Güntner, Sprecher der Galerien Hamburg e.V.

Manchmal reicht schon eine kleine Geste, um einer verfahrenen Situation ein wenig Optimismus einzuhauchen. Jedenfalls darf es als gutes Zeichen gewertet werden, dass Hamburgs neue Kultursenatorin Barbara Kisseler sich auf einer Pressekonferenz des Hamburger Galerienverbands demonstrativ für die vitale Galerienszene der Hansestadt stark machte – eine disperate Gruppe, die zuletzt eher durch Eigenbrötlertum, Cliquenwirtschaft und ihr kollektives Minderwertigkeitsgefühl gegenüber Berlin aufgefallen war. Anlässlich der bevorstehenden gemeinsamen Saisoneröffnung lobte die Senatorin die Hamburger Galerien für ihre "unverzichtbare Vermittlungsarbeit" in Sachen bildender Kunst. Gleichzeitig versprach sie den Galeristen finanzielle Unterstützung – zumindest indirekt. Sie wolle das "Berliner Modell" zur Förderung von Kunstkäufen für Hamburg übernehmen, verkündete Kisseler, die zuvor als Staatssekretärin für Kultur und Chefin der Senatskanzlei in Berlin tätig gewesen war.

Gemeint ist das "Berlin Art Finance"-Programm, das der Landesverband der Berliner Galerien 2009 mit der Berliner Bank entwickelt hat. Danach gewährt die Bank finanzschwachen Kunstliebhabern günstige Kredite zum Kunstkauf. Bei Finanzierungswünschen zwischen 3000 und 75 000 Euro werden attraktive Zinssätze und Laufzeiten von einem halben Jahr bis zu 84 Monaten geboten. Außerdem entfallen Bearbeitungsgebühren, Sondertilgungen und vorzeitige Rückzahlung sind möglich. Kisseler will nun ein Hamburger Bankhaus überzeugen, ein ähnliches Programm für Kunstkäufer in Hamburg anzubieten. Davon würden letztlich nicht nur die Galerien profitieren, sondern auch die Künstler, betonte die Kultursenatorin.

Dass solche finanziellen Impulse dringend nötig sind, darauf verwies Mathias Güntner, der Sprecher der Galerien für Hamburg e.V. "Die Hälfte aller Berliner Galerien erzielt nur einen Umsatz unter 50 000 Euro im Jahr, bei einem Drittel von allen liegt der Umsatz sogar unter 17 500 Euro im Jahr", zitierte er eine Studie des deutschen Kulturrats von 2011. "Diese Situation dürfte ohne weiteres auch auf die Hamburger Galerienszene übertragbar sein."

Deshalb blasen die Hamburger Galerien aber nicht Trübsal. Im September starten erstmals zwei Galeriequartiere – 21 Galerien aus der Admiralitätsstraße und dem Kontorhausviertel – mit einem gemeinsamen Vernissage-Wochenende in die Herbstsaison. Dazu gibt es extra Flyer, Booklets, eine eigene Website, einen Bus-Shuttle-Service und verlängerte Öffnungszeiten bis 23 Uhr. Das klingt schon fast nach Berliner Verhältnissen.

Rundgang Hamburg

2. bis 3. September 2011 in Hamburg
http://www.rundganghamburg.de

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