Girls just wanna have funds - New York

Was würde Cindy Sherman machen?

Warum verdienen Frauen in der Kunst weniger als Männer?
Working Girls:Geschlechterkampf

Das Podium bei der Diskussion der Rema Hort Mann Stiftung

Mit "Girls Just Wanna Have Funds" klang das Motto der Podiumsdiskussion in der New Yorker PPOW Gallery vielversprechend. Die eingeladenen Teilnehmerinnen ebenfalls: Christie’s-Expertin Amy Cappellazzo saß neben der Künstlerin Marilyn Minter, die erst in späten Jahren zum Star aufgestiegen ist. Mary Ceruti, die Chefin des New Yorker Sculpture Center, war gekommen sowie die Künstlerin Xaviera Simmons als Stellvertreterin für die jüngere Generation. Und doch mussten sich die Damen erst einmal einen schlechten Witz und die lange Ansprache des – natürlich männlichen – Direktors der Rema Hort Mann Foundation anhören, die an diesem Abend geladen hatte.

Doch im Grunde genommen war das der passende Auftakt für die Diskussion, bei der es um die simple Frage ging, warum Frauen in der Kunst nach wie vor so viel weniger Geld als ihre männlichen Kollegen verdienen. Zur Einstimmung wurden deprimierende Zahlen geliefert: Auf der Höhe des Kunstmarktes 2007 waren nur vier der 100 Topverdiener unter den Künstlern weiblich. Bei der diesjährigen Messe in Basel handelte es sich bei den 40 am meisten präsentierten Künstlern um Männer. Der höchste Preis für die Arbeit einer lebenden Künstlerin wurde 2008 bei einer Sotheby’s-Auktion in London erzielt, als "The Visitor" von Marlene Dumas für 6,3 Millionen Dollar unter den Hammer ging, während Kollegen wie Damian Hirst und Jeff Koons locker das Dreifache einfahren. Noch finsterer sieht es bei den Preisen für Werke der verstorbenen Meister aus, bei denen neben Louise Bourgeois und Joan Mitchell überhaupt nur wenige Frauen mitspielen dürfen.

Der Kunstmarkt sei wie das Wetter. Er passiert einfach, meinte Amy Cappellazzo, die bei Christie’s in New York die Abteilung für zeitgenössische Kunst leitet. "Und es kümmert den Markt nicht, wie man darüber fühlt. Es hilft nur, an sich selbst und an die Zukunft zu glauben." In ihren zehn Jahren im Geschäft sei die Situation für Frauen langsam aber stetig besser geworden. Marilyn Minter, die als eine der wenigen weiblichen Künstler eine Factory mit Assistenten betreibt, denen sie die Ausführung der Arbeiten überlässt, erklärte den Kampf um Gleichberechtigung als große Motivation. "Ich denke ständig darüber nach, wie ich meine Preise nach oben bringen kann", sagte die 62-Jährige. "Und wenn mir ein Kunsthändler wie Tony Shafrazi erklärt, dass Frauen ganz einfach nicht so viel Geld verdienen, macht mich das erst recht hungrig."

Lösungen wurden an diesem Abend natürlich keine gefunden, dafür Cindy Sherman als große Vorreiterin und Heldin gefeiert. Die 36-jährige Xaviera Simmons berichtete von der jungen Front, dass immer mehr Frauen den Beruf der Künstlerin auch als Business betreiben und sich für den Markt interessieren, "der wie eine geölte Maschine läuft". Immerhin konnte vermeldet werden, dass sich immer mehr Galerien gezwungen fühlen, junge Künstlerinnen in ihr Programm aufzunehmen – weil sie einfach nicht an der Realität vorbeisehen können, dass mehr als die Hälfte der Kunststudenten weiblich ist. Sculpture-Center Chefin Mary Ceruti erzählte vergnüngt, dass sie sich in der Vergangenheit den Vorwurf anhören musste, männliche Künstler in ihrer Institution zu diskriminieren.

"Wenn Frauen es wirklich wollen und nicht herumsitzen, um sich Zeit zu lassen, werden sie mit den Männern Schritt halten", meinte Christie’s-Expertin Cappellazzo. Die junge Generation forderte sie auf, jede weibliche Bescheidenheit abzulegen und ihr Recht einzufordern: "Gebt mir mein verdammtes Geld."