Markus Lüpertz - Düsseldorf

Der Malerfürst und das rote Licht

Eigentlich kein schwerwiegendes Verkehrsdelikt – unter den Augen einer Polizeibeamtin ging der Maler bei "Rot" über die Ampel, löste damit jedoch einen Polizeieinsatz aus und wurde mit Handschellen gefesselt. Ihn erwartet nun eine Anzeige wegen "Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte" und "begangenen Rotlichtverstoßes".

Auch Malerfürsten sind vor rabiaten Eingriffen der Polizei nicht gefeit: Das musste Markus Lüpertz, 72, Star der deutschen Gegenwartskunst mit weltweitem Renommee, jetzt feststellen.
In der Düsseldorfer Altstadt war er dabei erwischt worden, wie er bei "Rot" die Heinrich-Heine-Allee überqueren wollte. Seine Sicht der Situation schilderte er der "Bild"-Zeitung, für die er sogleich auch eine Zeichnung zum Vorfall anfertigte: "Ich ging über die Straße… Da hat mich eine junge Frau auf einem Fahrrad angesprochen. Ich habe erst gar nicht erkannt, dass es eine Polizistin ist." Lüpertz: "Sie sagte etwas von einer roten Ampel und ich antwortete: 'Was geht Sie das an?'"

Vier oder fünf Peterwagen, acht Polizisten

Als der Maler seinen Ausweis nicht zeigen wollte und einfach weiterging, sagte sie, so Lüpertz: "Halt! Ich bin von der Polizei! Bleiben Sie sofort stehen!" Dann soll sie sie nach ihrer Pistole gegriffen haben. Lüpertz reagierte harsch: "Ich denke nicht daran!" Verstärkung bekam die Polizeibeamtin von "vier oder fünf Peterwagen, acht Polizisten". Sie "drückten mein Gesicht an die Wand, fesselten mich". Lüpertz räumte gegenüber "Rheinischen Post" ein: "Ich bin vielleicht einen Schritt zu früh losgegangen."

Polizeipräsident stellt sich vor Beamte

Die Polizei sieht den Fall so: Unter der Überschrift "Widerstand nach Rotlichtverstoß – Polizeipräsident stellt sich vor Beamte" ist eine Pressemitteilung herausgegeben worden. Darin heißt es unter anderem, dass "der 72-jährige Fußgänger noch während der Rotlichtphase, unter den Augen der Polizei", sich "plötzlich" angeschickt habe, die Fahrbahn zu überqueren. Um ihn "über sein Fehlverhalten aufzuklären und ihn gebührenpflichtig zu verwarnen, folgte die Polizistin ihm und versuchte ihn zum Anhalten zu bewegen". Bedingt durch "seine Widerstandshandlungen und seine Unkooperativität" habe die Polizistin daraufhin "weitere Kollegen zur Unterstützung hinzu gerufen". Zum "Zwecke der Eigensicherung" legten diese Lüpertz "Handfesseln" an. Den Künstler erwartet nun eine Anzeige wegen "Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte" und des "begangenen Rotlichtverstoßes".