Olafur Eliasson - Udk Berlin

Räumliche Experimente mit Professor Eliasson

Ab dem 1. April 2009 wird der dänische Künstler Olafur Eliasson seine Professur an der Berliner Universität der Künste antreten. Im Rahmen einer Pressekonferenz erläuterte er vorab sein transdisziplinäres Lehrkonzept – und gab die Gründung eines neuartigen "Instituts für räumliche Experimente" bekannt.
Räumliche Experimente mit Professor Eliasson:Lehrkonzept für Berliner UdK

Foto: Studio Olafur Eliasson

Es herrschte großer Andrang, als am vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz die Gründung des von der Berliner Universität der Künste (UdK) und dem Atelier des Berliner Künstlers Olafur Eliasson gemeinschaftlich betriebenen "Instituts für räumliche Experimente" bekanntgegeben wurde. Zwischen fünfzehn und zwanzig Studentinnen und Studenten sollen ab April 2009 an der neuartigen Forschungs- und Lehreinrichtung studieren, für deren Lehrbetrieb das Land Berlin über den Zeitraum von drei Jahren eine Anschubfinanzierung von einer Million Euro bereitstellt.

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"Ich werde jetzt weniger weltweit unterwegs sein und freue mich auch, mich etwas konzentrieren zu können", sagte der 41-Jährige, der im Sommer mit vier riesigen künstlichen Wasserfällen in New York für Aufsehen sorgte. Er sei sehr stolz über die mit der Institutsgründung verbundenen Berufung zum UdK-Professor auf Zeit, erklärte Eliasson, der seine Lehre "proaktiv nach außen" ausrichten will. Der Lehrbetrieb soll deshalb nicht nur in den Werkstätten und Ateliers der UdK stattfinden, sondern auch auf einer weitläufigen Etage im frisch bezogenen Atelierhaus auf dem Pfefferberg-Gelände im Berliner Prenzlauer Berg.

Vor etwa zwei Jahren kaufte er mit seinen Partnern die alte Brauerei auf dem Pfefferberg in Berlin. Dort inmitten von Galerien, einem Architekturbüro, einem Hostel und Läden, hat er über drei Etagen das neue Studio eingerichtet. In der obersten Etage wird das Institut beheimatet sein. Wie ernst dem Künstler die Umsetzung seiner Ideen ist, zeigt das gemeinsame Mittagessen mit den Künstlern in der hauseigenen kleinen Küche. "Es ist wichtig für Leute, die alle in
verschiedene Richtungen denken, einmal am Tag zusammenzukommen." Eliasson versprach zudem, seine guten Beziehungen im internationalen Kunstbetrieb zu nutzen um angesehene Wissenschaftler, Theoretiker und Künstler für Seminare nach Berlin zu holen.

Spektakulärer Abgang von Stan Douglas und Daniel Richter

Auch UdK-Präsident Martin Rennert zeigte sich hochzufrieden. Nach über dreijährigen, intensiven Verhandlungen ist es ihm nun endlich gelungen, den Star an die Akademie binden. Seit dem spektakulären Abgang von Stan Douglas und Daniel Richter vor zwei Jahren lief sein Haus Gefahr zu veröden und von der internationalen Künstlerprominenz gemieden zu werden. Über die genauen Details des Eliasson-Deals wollte sich Rennert jedoch nicht äußern. So blieb beispielsweise die Frage, ob Eliasson sich in UdK-Gremien mit ungeliebter Verwaltungsarbeit befassen muss, unbeantwortet. Viel lieber verwies Rennert auf den Modellcharakter des Projekts, dessen Evaluation wertvolle Informationen für die zukünftige Entwicklung des Universitätsbetriebs liefern könne. In der Tat handelt es sich um ein heikles Experiment, das die bisherigen Strukturen der Akademie grundsätzlich in Frage stellt.

1994, noch vor Ende seines Studiums an der Königlich Dänischen Kunstakademie, kam Eliasson nach Berlin, um hier die Studien zu beenden. Die Ausbildung in Kopenhagen habe ihn nicht befriedigt. Seitdem hat er sich in der Hauptstadt Berlin wie auch andere ausländische Künstler eine international beachtete Existenz aufgebaut. Im Studio Eliasson arbeiten heute etwa 30 Menschen – Künstler, Architekten, Handwerker. Neben Aktionskunst interessiert sich der Künstler vor allem für physikalische Phänomene in der Natur: Licht, Wasser, Reflexionen, Bewegung.

Mit Material von Antje Lauschner, dpa

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