Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit Michael Sailstorfer, Trisha Baga, John Bock, "La Zona" und Thoralf Knobloch

Berlin: Michael Sailstorfer. Forst

Was Michael Sailstorfer so alles mit Bäumen anstellt: In seiner Arbeit "Raketenbaum" jagte der deutsche Installationskünstler 2008 einen Baum in die Luft. Jetzt stellt er in seiner Arbeit "Forst" einen Wald auf den Kopf. Fünf Bäume hängen, um 90 Grad gedreht, von der zehn Meter hohen Decke der Ausstellungshalle der Berlinischen Galerie herab. Ihre Kronen schleifen langsam in Kreisen über den Boden.

Während Sailstorfer in dieser Installation Natur in einen musealen Raum holt, bringt er in einer zweiten Arbeit Kunst in die Natur. Mitten in ein Waldstück sprüht er ein schwarzes Quadrat, das sich nicht nur über den Boden, sondern auch über die umstehenden Bäume erstreckt. Im Laufe der Zeit wird die Natur die schwarze Farbe zersetzen. Diesen Prozess dokumentiert Sailstorfer mit Hilfe einer im Gehölz hängenden Kamera und überträgt ihn live auf einen Monitor im Ausstellungsraum. Sailstorfer studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und am Goldsmiths College in London. Jüngst wurde er mit dem "Vattenfall Contemporary 2012" ausgezeichnet.

Berlinische Galerie. 28. April – 8. Oktober 2012.

München: World Peace

In ihrer Videoinstallation "Body of evidence" lässt Trisha Baga die Popdiva Madonna in einer Plastikflasche verschwinden. Die amerikanische Video- und Performance-Künstlerin nutzt die Bilderflut unserer Zeit, die der unermüdlich produktiven und konsumorientierten Medienwelt entspringt. In der aktuellen Ausstellung, deren Titel "World Peace" (Weltfrieden) sich auf ein spektakuläres Bühenbild bei Madonnas Konzerten bezieht, fokussiert sie sich thematisch auf die Sängerin Madonna. Sie verwendet etwa deren Videoclips und setzt originale Sequenzen mit eigenen bildlichen Interpretationen der Songtexte und vielem mehr zusammen.

Münchener Kunstverein. 28. April – 17. Juni 2012.

Krems: John Bock

Der Aktionskünstler John Bock bringt zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört: Installation, Skulptur, Aktion, Theater und Film. Die Installation "Palms" setzt sich aus Gummi, Textilien und weiteren Materialien zusammen. Rote Gummischläuche ragen wie Tentakel aus einem generalüberholten Auto und um zahlreiche andere Objekte herum – Gattungen und Materialien, die normalerweise wenig miteinander gemein haben, verschmelzen zu Gesamtkunstwerken. Die Installationen nehmen ganze Ausstellungsräume ein, die Betrachter können die Exponate betreten. Videoprojektionen eröffnen darüber hinaus Portale in weitere Räume und Fenster in andere Zeiten. Durch all dies erreichen John Bocks Installationen thematisch eine ungemeine Komplexität. Nun zeigt John Bock in Gemeinschaftsarbeit mit dem Donaufestival eine Installation für die Zentrale Halle der Kunsthalle Krems.

Kunsthalle Krems. 29. April – 24. Juni 2012.

Berlin: La Zona

In Tschernobyl wurde schon 1979 der Film "Stalker" gedreht – sieben Jahre vor der Nuklearkatastrophe. Ein Schriftsteller und ein Wissenschaftler reisen durch "die Zone" – einen streng bewachten militärischen Sperrbezirk, der Todesgefahren und Rätsel birgt. Die Figuren wissen weder, wie es zu einer solchen "Zone" kommen konnte, noch erfüllt der in dem Distrikt erhaltene "Raum der Wünsche" ihre Erwartungen. Heute umgibt "Stalker" eine mystische Aura, als habe der Regisseur Andrej Tarkowskij die nukleare Katastrophe vorhergesehen. Der Film ist Ausgangspunkt der Ausstellung "La Zona", die sich Zonen aller Art widmet: Radioaktiv verstrahlten Zonen, kurzlebigen Zonen, unter besonderem Schutz stehenden Zonen, Gefahrenzonen, ausgebeuteten Zonen. Zu sehen sind unter anderem das Bild- und Recherchematerial der Künstlerin Esther Neumann, die 2005 vier Tage in der "verbotenen Zone" um Tschernobyl verbrachte, sowie der Film "Geister, die die Augen zumachen" von Nina Fischer und Maroan el Sani, dem Gespräche mit von der Reaktorkatastrophe von Fukushima betroffenen Japanern zu Grunde liegen.

NGBK (Neue Gesellschaft für Bildende Kunst). 28. April – 3. Juni 2012.

Cottbus: Im Abseits

Über ein Wellblechdach im Vordergrund gleitet der Blick in scheinbar frisch bewirtschaftete Felder. Ganz links erkennt der Betrachter gerade noch den Teil eines Geräteschuppens. Thoralf Knoblochs "Dach vor Feld" ist typisch für sein Werk. Sein Thema sind menschliche Eingriffe in die Natur. Er malt alltägliche Szenerien, in denen sich Ausschnitte verschiedener Elemente zufällig zusammenfügen oder übereinanderlagern. Der Mensch ist eher Staffage in einer durch ihn verwandelten Landschaft. So steht er zwar zentral, doch verhüllt und gesichtslos in der Schneelandschaft des "Spreewalds". Thoralf Knobloch studierte bis 1994 an der Hochschule der Bildenden Künste in Dresden, war Meisterschüler bei Ralf Kerbach, er wohnt und arbeitet heute in Berlin. Die Ausstellung konzentriert sich auf Landschaften und Stillleben Knoblochs von 2009 bis 2012.

Dieselkraftwerk. 29. April – 1. Juli 2012.