Hamburger Kunsthalle - Jahresplanung

Absurde Ideen

Streit ums Geld: In der Hamburger Kunsthalle überschatten Diskussionen über Schulden, Haushaltslöcher und den möglichen Verkauf von Museumskunst die Jahresplanung. Direktor Gaßner sagt dazu kategorisch: Nein!
Streit ums Geld:Diskussionen über Schulden in Hamburg

Hubertus Gaßner, Direktor der Hamburger Kunsthalle, in der Ausstellung "Wir Kleinbürger", 2009

Die Diskussion schwelt bereits seit Wochen. Die chronisch unterfinanzieren Hamburger Museen haben schon wieder einen Schuldenberg in Millionenhöhe angehäuft – allen voran die Hamburger Kunsthalle. Und nun ist man im Stiftungsrat, dem Aufsichtsgremium des Museums, wieder einmal auf die Idee gekommen, die Haushaltsdefizite durch eventuelle Kunstverkäufe auszugleichen. Da ist von potentiellen Verkaufslisten zu hören, die das Museum erstellen soll, die "Zeit" meldete, der Kunsthalle fehlte sogar "das Geld für vernünftige Bilderrahmen" und es bestehe die Gefahr, dass acht Bilder von Gerhard Richter verkauft würden.

So wurde auch die gestrige Jahrespressekonferenz der Kunsthalle, auf der das Ausstellungsprogramm für 2010 vorgestellt wurde, von den Geldgeschichten überschattet. Die gute Nachricht zuerst: Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner hat allen Verkaufsplänen eine klare Absage erteilt: "Ich habe keine Liste erstellt und ich werde auch keine erstellen", sagte er. "Solange ich Direktor bin, wird nichts verkauft." Die Begründung, die er für seine resolute Haltung gab, klang dagegen weniger beruhigend. Die Stiftung könne nichts aus der Sammlung der Kunsthalle verkaufen, "weil uns nichts gehört". Der Großteil der Museumskunst sei Eigentum der Stadt und deshalb könne im Zweifelsfalle nur die Bürgerschaft entscheiden, was sie von Hamburgs Kunstschätzen verkaufen wolle. Ähnlich verschlungen hatte sich zuvor auch Kultursenatorin Karin von Welck in einem Gastkommentar im "Hamburger Abendblatt" geäußert. Darin betonte sie zwar, die wichtigste Aufgabe von Museen sei "das Bewahren des kulturellen Erbes für die kommenden Generationen". Doch es fehlte ein klares, unmissverständliches Nein zu jeglichen Verkaufsplänen. Stattdessen schrieb die Senatorin: "Wenn heute der Verkauf von Kunstwerken erwogen wird, sollte die Entscheidung einem mit Experten, Politikern und Bürgern besetzten Gremium vorbehalten sein". Könnte demnach bald im Hamburger Rathaus darüber abgestimmt werden, was in Hamburger Museen hängt – und was entbehrlich ist?

Schon wieder 2 Millionen Euro Schulden

Kunsthallen-Direktor Gaßner nannte das ganze eine "absurde Idee" und einen "Sturm im Wasserglas". Gleichzeitig bestätigte er aber auch, dass sein Museum aufgrund der strukturellen Unterfinanzierung schon wieder rund 2 Millionen Euro Schulden produziert hat. Aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage seien 2009 zudem Sponsorengelder in Höhe von 900 000 Euro ausgefallen. Da die Kunsthalle über keinen nennenswerten Ausstellungsetat verfügt, müssten für sämtliche Ausstellungsprojekte Drittmittel eingeworben werden. Für 2010 seien aber immerhin schon 760 000 Euro zusammen und damit das angekündigte Ausstellungsprogramm gesichert.

Ach ja, das Jahresprogramm: Mit Übernahmen wie der "Pop Life"-Ausstellung von der Tate Modern in London und aus der Sammlung entwickelten Schauen wie "Kunst der 20er Jahre aus Hamburg" oder "Segeln was das Zeug hält – Niederländische Gemälde des Goldenen Zeitalters" strecken sich die Kunsthallen-Kuratoren nach der dünner gewordenen finanziellen Decke. Für aufwändige zeitgenössische Ausstellungen in der Galerie der Gegenwart fehlt offenbar das Geld. Die für kommendes Jahr angekündigte große Schau zu Kunst und Tanz wird auf 2011 verschoben. Stattdessen steht im Sommer eine Werkschau von David Tremlett auf dem Programm, bei der sich zumindest die Kunsttransportkosten im Rahmen halten dürften. Der britische Künstler trägt seine Zeichnungen mit Pigmenten und Pastellkreide direkt auf die Wand auf. Und für den Winter 2010 ist eine Schau mit federleichten zeitgenössischen Scherenschnitten geplant.

In einer früheren Fassung dieses Textes wurde der Stiftungsrat der Hamburger Kunsthalle mit der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen (SHK) verwechselt. Während es sich beim Stiftungsrat um das Aufsichtsgremium des Museums handelt, ist der Stiftungszweck der SHK die Förderung der beiden großen Hamburger Musseen, Kunsthalle und Museum für Kunst und Gewerbe, insbesondere durch Ankäufe.

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