Visa pour l'Image - Perpignan

Trotz Krise standhaft geblieben

Seit 21 Jahren zählt das Visa pour l'Image zu den größten Fotofestivals der Welt. Auch dieses Jahr werden wieder erstklassige Fotografen vertreten sein und zeigen mit ihren Arbeiten Geschichten aus aller Welt.

Die Pressefotografie steht auf unsicherem Grund. Die Prognose für zahlreiche internationale Zeitungen wie "Boston Globe" oder "French Press" sehen düster aus. Jean-François Leroy, Veranstalter des größten Fotojournalisten-Festivals der Welt, Visa pour l'Image in Perpignan, erklärt in einem Interview: "Die Pressefotografen stehen vor dem Aussterben."

Auch anderen Quellen zufolge sieht der Blick in die Zukunft nicht gerade rosig aus. Düster sehe es auch bei der Beschaffung von Materialien für das diesjährige Fotofestival in Perpignan aus, was sonst nie ein Problem war, so Leroy. Der Veranstalter erklärt: "Wenn Fotografen heutzutage ihrer Arbeit nachgehen, dann verbringen sie drei Tage an einem Platz. Also bringen sie rund zehn anständige Fotos mit. Das ist natürlich genug für fünf bis sechs Seiten Bildstrecken im Magazin, aber nicht für eine Ausstellung mit 40 Fotos oder für eine Projektion mit 50 Schüssen."

Leroy beobachtet schon lange die beunruhigende Situation von Magazinen, die immer weniger produzieren. Viele Fotografen können nicht mehr von der Presse leben, das weiß auch Fotojournalistin Ulla Lohmann. In einem Interview mit art bestätigte sie die Schwierigkeit für junge Reportagefotografen: "Als junge Fotografin ist es besonders schwer, nur mit Reportagefotografie Geld zu verdienen". Über die angespannte Situation in ihrer Branche kann Lohmann selbst jedoch nicht klagen, weil sie immer frei nach dem Motto "Don't put all your act in one basket" gelebt und gearbeitet hat. Lohmann hat sich schon früh ein zweites Standbein durch Dokumentarfilme aufgebaut und moderiert gleichzeitig Serien im BBC und NDR.

"Wissen wie man Fotos auf dem Markt verkauft"

Ganz spurlos geht die Krise aber nicht an ihr vorbei, daher weiß sie um die Situation ihrer Kollegen: "Vielen Kollegen geht es schlecht, aber natürlich auch vielen Festangestellten, die jetzt auch darauf angewiesen sind, das Geld so zu verdienen." Für freie Fotografen wittert Ulla Lohmann jedoch auch Chancen: "Für diejenigen die frei im Geschäft sind, ist das eine gute Chance, weil wir wissen wie man Fotos auf dem Markt verkauft".

Trotz der schlechten Lage des Fotojournalismus und der Einstellung zahlreicher Magazine ist das Festival standhaft geblieben. Dieses Jahr feiert das Visa pour l'Image in Perpignan vom 29. August bis zum 13. September sein 21-jähriges Bestehen. Zu sehen sind rund 30 Ausstellungen, Vorträge, Seminare und allabendliche Bilderschauen.
Thematisiert werden dieses Jahr Programme aus aktuellen sowie historischen Ereignissen aus dem Gazastreifen, Georgien, Pakistan, Afghanistan, Madagaskar, der Gewalt in Südamerika sowie der politischen Entwicklung in der Demokratischen Republik Kongo. Anlässlich des 40. Jahrestags der Mondlandung sind weiter Aufnahmen der Appollo-11-Mission zu bewundern.

Fotos über das Leben in absoluter Zerstörung

Für die Probleme unter den Fotografen bietet das Festival natürlich eine gute Plattform. Hier können sich Fotografen austauschen und Ratschläge weiter geben. Das weiß auch Ulla Lohmann zu schätzen, denn: "Viele Kollegen trifft man nur auf diesem Festival." Schon seit mehreren Jahren fährt die junge Fotografin nach Perpignan und stellt diesmal mit ihrer eigenen Arbeit "Ash City" und einer Projektion über Mumien in Papua Neu Guinea erstmals selber aus. In ihrer Arbeit dokumentiert sie auf eindrucksvolle Weise das Leben der Bevölkerung aus Rabaul, einer Stadt in Papua Neu Guinea, die seit 15 Jahren von einem benachbarten Vulkan regelmäßig mit Asche überschüttet wird. Es sind Fotos über das Leben in absoluter Zerstörung und Menschen, die trotz allem die Hoffnung nicht verloren haben.

Ulla Lohmann lobt besonders die kameradschaftliche Atmosphäre zwischen den Fotografen und die Auswahl an talentierten Fotografen auf dem Festival. Auch dieses Jahr sind wieder zahlreiche Talente vertreten, wie zum Beispiel der iranisch-französische Magnum-Fotograf Abbas, die Fotografin Brenda Ann Kenneally, der amerikanischer Fotojournalist Steve McCurry oder Francoise Demulder, eine der berühmtesten Kriegsreporterinnen der Welt. Jedes Jahr verleiht das Festival gleich sieben renommierte Fotopreise, darunter den "Visa d’or – Daily Press award", "Visa d’or Feature award", "Visa d’or News award" und den "City of Perpignan award" für den besten Nachwuchsreporter.

"Visa pour l'Image"

Termin: 29. August bis 13. September, Perpignan, Frankreich
http://www.visapourlimage.com