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Destructed

Lieblink: Destructed

LIEBLINK: DESTRUCTED

Jeden Dienstag präsentieren wir Ihnen einen neuen Klicktipp. Diesmal: das PDF-Kunstmagazin "Destructed". art sprach mit einem der Gründer, Philipp Michaelis, über Idee und Konzept des Magazinprojekts.
// ALAIN BIEBER

Herr Michaelis, wie entstand die Idee zu "Destructed"?

Philipp Michaelis: Die Idee für das PDF-Magazin "Destructed" hatten wir im Winter 2003. Unsere Arbeit war damals stark kundenorientiert, und wir suchten nach Freiräumen, in denen wir uns mit unseren Freunden und den Menschen, deren Arbeit wir schätzen, verwirklichen konnten – ohne auf die Maßgaben anderer achten zu müssen.

An der Arbeitssituation hat sich bis heute nichts geändert, nur bildet das Magazin mittlerweile einen Gegenpol und dient der eigenen Bedürfnisbefriedigung. Für uns liegt der Vergleich mit einer Insel nahe, auf der wir vierteljährlich nach Erholung suchen und den Alltag abstreifen. Wir versuchten bestehende Strukturen aufzubrechen, zu zerstören und gleichzeitig ein Konstrukt zu schaffen in dem wir künstlerisch agieren konnten.

Warum ist "Destructed" ein PDF-Magazin? Sind die Kosten vor allem der Grund – und würden Sie lieber ein Printmagazin produzieren?

Zum Entstehungszeitpunkt gab es nur eine Hand voll vergleichbare Projekte. PDF hatte damals noch einen anderen Charakter. Für uns stand, bezogen auf die Arbeiten im Heft, immer die Abgrenzung zum Internet im Vordergrund. PDF machte diese Abgrenzung möglich. Das paradoxe an der ganzen Geschichte ist, dass wir uns nie wirklich als Onlinemagazin betrachtet haben und das Netz lediglich als Distributionsweg nutzen. Seit dem Relaunch der Seite hat sich dieser Gesichtspunkt auch stark verändert, weil wir mittlerweile versuchen die Mitwirkenden stärker in den Vordergrund zu rücken. Zum Zeitpunkt des ersten Heftes bestand natürlich auch die Frage der Kostenminimierung. Wir ahnten ja nicht, dass im Laufe der Zeit eine derartige Nachfrage nach dem Magazin entstehen würde und das auf der Seite der Künstler ein starkes Interesse besteht mitzuwirken. Ende 2007 haben wir die erste Printversion des Hefts realisiert. Dies funktionierte über eine Beteiligung der Künstler an den Kosten. Ein zweites Heft befindet sich derzeitig in Planung.

Wie suchen Sie die Künstler und Illustratoren eigentlich aus?

In der ersten Ausgabe sind lediglich Menschen aus dem erweiterten Freundeskreis vertreten. Mittlerweile sind über 160 internationale Künstler aus den Bereichen Grafik, Fotografie und Illustrationen registriert. Auf der einen Seite bewerben sich zunehmend Leute aus allen Teilen der Welt, auf der anderen Seite sind wir ziemlich umtriebig, was die Suche im Internet angeht. Dabei haben wir immer versucht, nicht nach geschmacklichen Kriterien zu entscheiden, sondern vielmehr Wert gelegt auf das Potenzial, was in den Arbeit liegt.

Es sind auch stets viele Arbeiten von Ihnen selbst dabei. Ist "Destructed" eine Promo-Plattform für Ihr Können und Ihre Freunde?

Bei 160 Beteiligten sind die Arbeiten von zweien ein relativ geringer Teil. Für uns geht es mehr um den inspirativen Charakter des ganzen Projekts, also die Konfrontation mit unterschiedlichen Herangehensweisen an ein bestimmtes Thema. Das Heft ist ein Showroom für alle Beteiligten und dient somit auch der Förderung des künstlerischen Renommees. Mit der Verbreitung arbeiten wir demnach an unser aller Reputation.

Was treibt Sie an? Was ist das Ziel von "Destructed"?

Wir sind angetrieben, eine unkonventionelle Betrachtungsweise der Dinge zu fördern. Inhalte aus den Heften sollen weiterhin für jeden zugänglich sein und als inspirative Quelle dienen.

Jeder kann sich "Destructed" kostenlos herunterladen, und es gibt auch keine Werbung. Wie finanziert sich das Projekt?

Wir hatten im Jahre 2006 das große Glück, einen Server von Media Temple gesponsort zu bekommen, weil die Kosten für den Traffic immer größer wurden. Was die Arbeiten der Künstler angeht, so handelt es sich um ein beidseitiges Vertrauensverhältnis. Künstler stellen ihre Arbeit zur Verfügung, und wir arbeiten an der Verbreitung. Abgesehen von unserer Arbeitszeit entstehen kaum weitere Kosten. Die suche nach einem Verleger für ein Heft, sowie die Suche nach Sponsoren war bisher kein einfaches Unterfangen, weil wir versuchen die Arbeiten von wirtschaftlichen Aspekten zu trennen.

Und wie geht’s weiter? Wo ist "Destructed" in zehn Jahren?

Die Frage erinnert an Bewerbungssituationen und ist dennoch spannend. Wir werden weitermachen, offen bleiben für Veränderungen und höchstwahrscheinlich versuchen, den Printbereich stärker zu fokussieren. Ob das durch Selbstfinanzierung oder mit einem Partner geschieht, wird sich zeigen.

Und: Haben Sie auch einen Lieblink?

www.obeygiant.com

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: Winter 2003, erste Ausgabe: April 2004. Gründer/Mitarbeiter: Peer Fischer, Philipp Michaelis. Downloads: Gesamtdownloads aller Ausgaben: 430 000

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