Turner-Preis - London

Mit Humor zum Preis

Unter den Nominierten für den Turner-Preis 2013 sind außergewöhnlich viele Künstler mit Humor, berichtet Hans Pietsch aus London.

Ein bisschen Humor kann nicht schaden, sagte sich wohl die Jury des diesjährigen Turner-Preises und hievte vier Künstler in die Endrunde, deren Werke beim Betrachter nicht selten Schmunzeln, ja sogar lautes Gelächter auslösen: eine figurative Malerin, einen Performancekünstler, der ganz ohne Objekte auskommt, eine Filmemacherin und einen satirischen Zeichner.

Die Liste hat auch einen sonst seltenen internationalen Dreh – zwei der vier haben Wurzeln außerhalb von Großbritannien. Der Deutsch-Brite Tino Sehgal, 37, braucht eigentlich nicht vorgestellt zu werden, und doch muss man seine Nominierung als Überraschung werten. Der in Berlin lebende Performancekünstler wurde auf die Liste gesetzt für seine, wie die Jury glaubt, "Pionierprojekte" bei der letzten documenta und in der Turbinenhalle der Tate Modern im vergangenen Jahr. Für "These Associations" in der Tate ließ er speziell ausgebildete Freiwillige interessierte Besucher in Gespräche über oft intime autobiografische Geschichten verwickeln.

Die 1978 im nordfranzösischen Lille geborene und in London arbeitende Laure Prouvost arbeitet hauptsächlich mit dem Medium Film. Ihre oft absurden, durch rasante Schnitte bewusst schwer zu deutenden Filme bettet sie in Installationen ein. Die Geschichten, die sie erzählt, sind voller Sprachfehler und falscher Übersetzungen. Mit solchen Missverständnissen macht sie darauf aufmerksam, dass wir im Alltag immer wieder auf ungenaue Kommunikation stoßen.

Der älteste der vier Nominierten ist David Shrigley, 45. Der Zeichner und Trickfilmer ist der Publikumsliebling unter den vier Künstlern und schon jetzt der Favorit der Buchmacher. Er wurde für seine Soloschau "Brain Activity" in der Londoner Hayward Gallery nominiert. Mit seinen hintergründig-humorvollen, cartoonähnlichen Zeichnungen, Animationen und Plastiken bringt er sein Publikum zum Lachen. Nicht oft geschieht es, dass Besucher eine Ausstellung mit lächelndem Gesicht verlassen. Shrigleys Kunst macht es möglich.

Die Außenseiterin ist Lynette Yiadom-Boakye, 36. Die Arbeiten der figurativen Malerin, deren Familie aus Ghana stammt, sehen aus wie ganz normale Porträts. Doch die dargestellten Menschen, alle mit schwarzer Hautfarbe, sind gänzlich erfunden. Die Künstlerin gibt ihnen eine imaginäre Geschichte, ihre Bilder, so die Jury, "hinterfragen, wie wir Gemälde betrachten". Dass sie nur schwarze Menschen malt, versteht sie als "politische Geste – wir sind daran gewöhnt, in der Malerei Porträts von weißen Menschen zu sehen."

Die Ausstellung, mit der sich die vier Nominierten im Herbst der Öffentlichkeit vorstellen werden, wird wieder einmal nicht in London stattfinden, sondern in der nordirischen Stadt Derry, die in diesem Jahr britische Kulturhauptstadt ist. Dort wird auch am 2. Dezember der mit 40 000 Pfund dotierte Preis verliehen.

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