Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diese Woche empfehlen wir Ihnen Windzeichnungen in Hamburg, Lebenszeichen in Luzern, Künstlerporträts in Frankfurt sowie Bühnenbilder und Street-Art in Berlin.

Luzern: "Lebenszeichen"

Regelmäßig geht es in der Kunst um die Fragen des Lebens, um Grundsätze und Werte, um Geschichte, Religion und nicht zuletzt um die Erklärung der Welt. Die zeitgenössischen Künstler der Ausstellung "Lebenszeichen", die vom 14. August bis 21. November im Kunstmuseum Luzern zu sehen ist, bedienen sich in ihren Werken dem durch die Kunst überlieferten Wissen und greifen auf Motive zurück, die in längst vergangenen Zeiten wurzeln. Künstlerinnen wie Nancy Spero und Louise Bourgeois oder die Videokünstlerin Sigalit Landau beschäftigen sich mit göttlichen Mythen und Ritualen sowie mit historischen Zeichen, Symbolen und deren jeweiligen Bedeutungen in der heutigen Zeit.

Hamburg: "Wind Drawing"

Rikuo Ueda liebt den Wind. Sein Leben lang beschäftigte sich der japanische Künstler mit diesem Element und ließ es in verschiedenster Weise in zahlreiche Projekte einfließen. In seiner Ausstellung "Wind Drawing" in der Mikiko Sato Gallery in Hamburg werden nun Zeichnungen präsentiert, die Ueda mit Hilfe des Windes erstellt hat: Zweige voller Beeren oder auch an ihnen befestigte Stifte schaffen, in Bewegung gesetzt durch den Wind, Formen, Linien und Gebilde auf dem Papier. Die Gestalt der so entstehenden Bilder ist natürlich und originär, regelrecht zufällig und damit auch verwurzelt in dem japanischen, vom Zen-Buddhismus beeinflussten Ästhetik-Konzept, nach welchem Schönheit und Kunst als unperfekt gelten. Neben der bis zum 10. September laufenden Ausstellung ist auch eine mobile Windinstallation in der Umgebung der Mikiko Sato Gallery zu sehen, bei der die Arbeit des Künstlers als "Work-in-Progress" begutachtet werden kann.

Frankfurt am Main: "Portikus Under Construction"

"Der Portikus ist von Anfang an so vielseitig wie keine andere Kunsthalle", sagt Helke Bayrle über die Ausstellungshalle in Frankfurt. Und das hat die Künstlerin und Filmemacherin auch dokumentiert: Seit 1993 filmte sie den Aufbau der Ausstellungen im Portikus mit der Kamera. Die so entstandenen 123 Filme über die Künstler hinter den präsentierten Werken und Installationen zeichnen ein intimes Bild der Aussteller selbst, ebenso wie der Entstehungsprozesse der jeweiligen Ausstellungen, welches dem Besucher andernfalls weitgehend verborgen bleibt. "Man sieht und fühlt und versteht die Kunst, die die Künstler machen, besser, wenn man sie auch als Personen kennen lernen darf", erklärt Bayrle. Zudem wird durch die Dokumentation deutlich, wie unterschiedlich und konträr die Ausstellungen im Portikus sind. Wer sich davon überzeugen möchte, schaut sich die Filme vom 14. August bis zum 12. September im Portikus an.

Neuhardenberg / Berlin: "Fräulein Julie"

Bildende Künstler, die Bühnenausstattungen für Theater und Oper gestalten, sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Nach Daniel Richter und Jonathan Meese für die Salzburger Festspiele, konzipierte nun Matthias Weischer, neben Neo Rauch einer der wichtigsten Vertreter der "Neuen Leipziger Schule", zusammen mit Regisseur Armin Holz das Bühnenbild für die Neuinszenierung von August Strindbergs "Fräulein Julie" auf der Schlosspark-Bühne Neuhardenberg bei Berlin. Die beiden statteten dieses Jahr bereits die Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt" bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen aus. "Fräulein Julie", ein Drama über Verlangen und Liebe zwischen Adelstochter und Kammerdiener, entstanden 1888, ist erstmals am 14. August und danach an fünf weiteren Terminen auf Schloss Neuhardenberg zu sehen.

Berlin: "Entkontextualisierung"

Bei dem Projekt "U-Gallery", einem halb-illegalen Ausstellungsraum im Berliner Untergrund, nämlich im U-Bahnschacht der U8, war der Besucher mehr Teilnehmer als bloßer Betrachter: Denn der Weg zur Galerie über Notausgang, Bahngleise und Schachttreppe sollte das Ziel – in diesem Fall das Kunstwerk – sein, beherbergte der eigentliche Galerieraum doch nichts weiter als ein Gästebuch. Die Arbeit der Berliner Künstler Ari Sariannidis und The Wa findet ihren Abschluss nun ab dem 14. August in der Ausstellung "Entkontextualisierung" in der Berliner Galerie urban art info. Der ursprüngliche Raum der U-Gallery wird hierbei als Negativ in die Galerie gebaut und ist damit zwar von außen sichtbar, nicht aber begehbar. Der Status des Besuchers dreht sich somit wieder um: vom Exponat zum Betrachter.

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