Finnland - Zensur

Neitsythuorakirkko

"Neitsythuorakirkko" – so der Titel des umstrittenen Kunstwerks der finnischen Künstlerin Ulla Karttunen, übersetzt: "Jungfrauhurenkirche". Erst am Donnerstag, den 14. Februar, wurde die Ausstellung "Ekstaattisia naisia" (Ekstatische Frauen) mit Karttunens Installation in der Galerie Kluuvi in Helsinki eröffnet. Einen Tag später musste die Installation bereits wieder die Galerieräume verlassen. Ein Besucher warf der Künstlerin Kinderpornografie vor und legte sowohl bei der Polizei, als auch beim städtischen Kunstmuseum, dem die Galerie angeschlossen ist, Beschwerde ein.
Skandal in Helsinki:Finnische Künstlerin der Kinderpornografie beschuldigt

Das Gemälde "Black Madonna" (2008) von Ulla Karttunen durfte in der Ausstellung bleiben

"Jetzt muss ich bei der Polizei meine Aussage machen. Aber ich habe keine Angst. Denn in gewisser Weise habe ich ja die gleiche Meinung wie die Polizei. Der Unterschied ist nur, dass ich dafür angeklagt werde und die Polizei Geld dafür bekommt, mich anzuklagen. Es ist komisch und traurig zugleich", erzählte Ulla Karttunen im art-Interview.

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Die Arbeit "Jungfrauhurenkirche" besteht aus einer Garagenkonstruktion, deren Innenraum mit rund 150 pornografischen Bildern ausgelegt ist. Dabei handele es sich um vorgefundenes Material, das die Künstlerin von öffentlich zugänglichen Seiten bezog: "Es war so erschreckend einfach an das Material zu kommen. Ich habe gelesen, es gäbe über 500 Millionen solcher Internetseiten", sagte Karttunen.

"Nach genauerer Prüfung, beschloss ich eine Voruntersuchung in dieser Angelegenheit zu veranlassen", sagte der Einsatzleiter Sampo Suomala gegenüber der finnischen Zeitung "Helsingin Sanomat". Auch der Direktor des städtischen Kunstmuseums Janne Gallen-Kallela-Sirén räumte ein, dass "die Bilder mit dem finnischen Gesetz in Konflikt kommen könnten". Karttunen ist empört über die Reaktion des städtischen Museums: "Die Polizei beschlagnahmte die Bilder, woraufhin das städtische Kunstmuseum die restliche Arbeit abbaute. Mein Werk bestand nur noch aus einer Nummer an der Wand. In einer Nacht- und Nebelaktion habe ich dann ein Schild angebracht, auf dem stand, dass diese Arbeit von der Polizei mitgenommen wurde."

Die Installation "Jungfrauhurenkirche" wurde auf der Gesetzesgrundlage 17, §19 des finnischen Strafgesetzbuches konfisziert. Der Besitz illegalen Bildmaterial in Zusammenhang mit unmoralischen Darstellungen Minderjähriger kann in Finnland mit Bußgeld oder einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

Die Künstlerin zeigte sich überrascht über die Reaktion der Polizei: "Mir wäre es lieber, wenn die Polizei gegen Kinderpornografie vorgehen würde, anstatt gegen Künstler, die diese kritisieren", sagte Karttunen und betonte, dass die Begleittexte ausdrücklich darauf hinwiesen, dass das Kunstwerk eine Kritik an Kinderpornografie und an der Sexualisierung von Kindern sei.

Die Polizei hatte dem Museum nicht einmal erlaubt, das Kunstwerk vor der Beschlagnahmung zu fotografieren. "Wir haben nichts mehr von dem Kunstwerk. Die Polizei hat alles Bildmaterial mitgenommen", sagte die Chefkuratorin Erja Pusa. Die Polizei selbst hat die Installation vor der Konfiszierung fotografiert, um vorzubeugen, dass das Museum durch das Abfotografieren in den Besitz illegalen Bildmaterials gerät und sich somit strafbar macht.

"Ekstaattisia naisia" (Ekstatische Frauen)

Termin: bis 2. März, Galleria Kluuvi, Helsinki
http://www.taidemuseo.fi/suomi/kluuvi/index.html