Online-Portal - Museumsplattform NRW

Gut gestaltet ist nur halb gewonnen

Auf der Museumsplattform NRW stellen 20 nordrhein-westfälische Kunstmuseen die Schmuckstücke ihrer Sammlungen vor. Gerade wurde die Website mit dem Online-Preis des Grimme-Instituts prämiert. Wir machen den Praxistest.
Praxis-Test:art testet den Gewinner des Grimme-Online-Preis

Screenshot der Museumsplattform NRW, die gerade den Grimme-Online-Preis gewonnen hat

Schick sieht sie ja aus, diese Plattform für die nordrhein-westfälischen Kunstmuseen. Oben stehen die Orientierungshilfen: schmal, spartanisch, elegant, alles, was darunter liegt, ist moderne Kunst. In der analogen Museumswelt würde man von Petersburger Hängung sprechen, online ist es einfach eine sechsspaltige, dicht gedrängte Galerie, die beim Nach-Unten-Scrollen gar kein Ende mehr nehmen will und bei jedem Aufruf neu sortiert wird. Locker eingestreut ins Sammelsurium sind Städte- und Künstlernamen, das Einzige, was den guten ersten Eindruck von www.nrw-museum.de stört, ist das etwas unglücklich gestaltete Ehrenzeichen des Grimme-Instituts.

Die Museumsplattform NRW existiert seit 2006 und wird vom Kultursekretariat des Landes Nordrhein-Westfalen betrieben und finanziert. Preiswürdig für den Grimme Online Award ist sie allerdings erst seit dem Relaunch im Sommer 2012, das dem gemeinsamen Webauftritt von derzeit 20 Museen ein zeitgemäßes und auch für mobile Geräte taugliches Design gegeben hat. Jedoch muss gleich eingeschränkt werden: Reibungslos funktioniert die Website nur mit aktuellen Browsern und Betriebssystemen. Auf dem mit Android 4.1., also der vorletzten "Jelly Bean"-Version ausgestatteten Mobiltelefon des Autors, ließ sich die Startseite von nrw-museum.de zwar aufrufen, danach ging aber fast gar nichts mehr. Es gibt keine App, theoretisch passt sich die Website dank Responsive Design den jeweiligen Endgeräten an.

Wenn alles funktioniert, läuft es am PC so: Fährt man mit der Maus auf eine Abbildung, legt sich eine halbtransparente Schrifttafel mit den Angaben zu Werktitel, Künstler und Standort darüber. Klickt man das Bild an, dehnt es sich über drei Spalten aus, und es öffnet sich eine ausführliche, in Deutsch und Englisch vorliegende Werkbeschreibung; am Ende stehen Hinweise etwa auf die Künstlerbiografie, auf weitere Arbeiten des Künstlers oder auf thematisch verwandte Arbeiten anderer Künstler. Die angeklickten Werke lassen sich für eine persönliche Auswahl markieren und mit sozialen Netzwerken verknüpfen.
Obwohl es auf der Website auch ein Journal mit Nachrichten, Ausstellungsrezensionen und Veranstaltungshinweisen gibt, soll sie vor allem eine übergreifende Plattform für die Schausammlungen der beteiligten Museen sein. Es ist ein Webauftritt zum Stöbern und Entdecken, und die Idee dahinter ist natürlich, die Nutzer dann auch ins Museum zu locken oder gleich auf eine Museumstour. Unter dem Menüpunkt "Themen" finden sich 15 Einführungen in Kunstgattungen (Performance, Aktionskunst und andere ) oder Motivkreise (Material oder Sex/Gender ), die Werke aus verschiedenen Museen zu einem gemeinsamen digitalen Schauraum vereinen. Ob man dem vorgeschlagenen Weg von "Farbe und Modulation" dann tatsächlich vom Clemens-Sels-Museum in Neuss bis zur Situation Kunst in Bochum folgt, steht auf einem anderen Blatt.

Wem dem Plattform etwas nützt, ist schwierig einzuschätzen. Bislang haben die beteiligten Museen (darunter die Schwergewichte Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, und Museum Folkwang, Essen) rund 600 Werke auf die Website gestellt und erläutert, was einerseits viel, andererseits von einem echten Überblick weit entfernt ist. Zudem ist die Website, obwohl auf der Oberfläche ein reines Mosaik, etwas textlastig. Die Abbildungen sind weder hochauflösend noch formatfüllend und erlauben kein Zoomen; mit Googles Art Project will man offenbar ebenso wenig konkurrieren wie mit dem Projekt "Kulturelles Erbe Köln", das die Sammlungen der städtischen Kölner Museen schrittweise vollständig digitalisiert und online zugänglich macht. Entsprechend müssten die Texte die Lust an der Kunst wecken. Doch die in der Regel von Mitarbeitern der Museen mit wissenschaftlichem Anspruch verfassten Artikel sind zwar ausführlich und informativ, aber meistens auch seminaristisch-trocken.

Genutzt wird die Plattform bislang eher zurückhaltend. Laut Martin Maruschka vom NRW-Kultursekretariat verzeichnet sie monatlich rund 60 000 Klicks bei einer durchschnittlichen Verweildauer der Besucher von zwei Minuten; allerdings datieren die Zahlen noch aus der Zeit vor dem Grimme-Award. Von der Auszeichnung erhofft sich Maruschka auch einen Anreiz für bislang säumige Museen, sich zu beteiligen. Die mit einem Jahresetat von 60 000 Euro ausgestattete Website lebt von der regen Mitarbeit der Museen, weshalb es das Ministerium als Geldgeber ziemlich wurmen dürfte, dass sich bislang kein einziges Kölner Museum von der Plattform-Idee überzeugen ließ.

Museumsplattform NRW


http://www.nrw-museum.de