Preis der Nationalgalerie 2011 - Kandidaten

Gaillard, Kraus, Lidén und Wekua

Die Jury hat entschieden: Die "Shortlist" für den Preis der Nationalgalerie 2011 bilden Cyprien Gaillard, Kitty Kraus, Klara Lidén und Andro Wekua. Während einer gemeinsamen Ausstellung im Hamburger Bahnhof im kommenden Jahr wird eine zweite Jury über den endgültigen Gewinner entscheiden. art stellt die potentiellen Preisträger vor.
Jetzt ist es raus:Jury kührt Kandidaten für den Preis der Nationalgalerie

Bekantgabe der Nominierten: Joachim Jäger, Cyprien Gaillard, Udo Kittelmann, Kitty Kraus, Christina Weiss und Andro Wekua

Mit Cyprien Gaillard, Kitty Kraus, Klara Lidén und Andro Wekua stehen nun die Kandidaten für den Preis der Nationlgalerie für junge Kunst 2011 fest. Auf diese vier Künstler konnte sich eine siebenköpfige "erste Jury", der unter anderem Gregor Jansen (Kunsthalle Düsseldorf), Chus Martínez (Macba Barcelona) Matthias Mühling (Lenbachhaus München) und Rein Wolfs (Kunsthalle Fridericianum Kassel) angehörten, einigen. Am vergangenen Mittwoch wurden die Namen während einer Eröffnungs-Party in der Filiale des Exklusivsponsors BMW am Kurfürstendamm bekannt gegeben; drei der vier Kandidaten waren anwesend. Es gibt nur zwei Auschluss-Kriterien für den seit 2000 existierenden Preis: Die Künstler dürfen zum Zeitpunkt der Nominierung nicht älter als 40 Jahre sein, und sie müssen in Deutschland leben und arbeiten. Nach der Entscheidung einer zweiten Jury wird die mit einem Preisgeld von 50 000 Euro dotierte Auszeichnung am 27. September 2011 im Museum für Gegenwart Hamburger Bahnhof verliehen.

Cyprien Gaillard

Der 1980 in Paris geborene Cyprien Gaillard beschäftigt sich in seinen Arbeiten vor allem mit den Wechselwirkungen zwischen Architektur und Gesellschaft. Er beauftragt traditionelle Landschaftmaler, süsslich anmutende Bilder von Sozialwohnblocks im Grünen auf die Leinwand zu bringen oder collagiert Radierungen niederländischer Meister aus dem 17. Jahrhundert mit Ansichten von brutalistischer Betonarchitektur kunstvoll ineinander. Archäologische Interesse hegt der Teilnehmer der 5. Berlin Biennale 2008 für Ruinen aller Art, im letzten Jahr ließ er für das Video "Dunepark" einen Militärbunker aus dem zweiten Weltkrieg ausgraben.

Kitty Kraus

Die Bildhauerin und Installationskünstlerin Kitty Kraus wurde 1976 in Heidelberg geboren. Ihre bildhauerische Arbeit ist von einer prozesshaften Auffassung ihres Materials geprägt: Auflösungen, Verflüssigungen und Dekonstruktionen nutzt sie kunstvoll, indem sie etwa feine Anzüge zerschneidet und sie in geometrischen Formen im Raum ausbreitet oder einen Eisblock aus Tintenwasser mit Hilfe einer Glühbirne zum langsamen Schmelzen bringt. Alles ist potentiell offen für Veränderungen: Das gilt auch für die fragilen Glaskonstruktionen der Künstlerin, denen man sich nur mit größter Vorsicht nähert.

Klara Lidén

Die Videos, Performances und Skulpturen der 1979 in Stockholm geborenen Künstlerin Klara Lidén umweht der Hauch von Anarchie: Man könnte aber auch von der Kunst des Handelns sprechen, die das Werk der Schwedin durchzieht. Sie tanzt in morgendlichen Pendlerzügen, baut ein Baumhaus aus Pappe in eine Galerie oder richtet einen kostenlosen Postbetrieb in Stockholm ein, freilich mit sehr unterschiedlichen Brieflaufzeiten. Kein Monopol ist zu groß, um nicht in Frage gestellt zu werden, kein Verhältnis zu starr, um nicht zum Tanzen gebracht zu werden.

Andro Wekua

Andro Wekua wurde 1977 in der georgischen Schwarzmeerstadt Sochumi geboren, die er Anfang der neunziger Jahre in den Wirren des Bürgerkriegs mit seiner Familie verlassen musste. Zwischen 1995 und 1999 studierte er an der Basler Schule für Gestaltung. Wekuas Skulpturen verbreiten etwas Unheimliches: gesichtslose Figuren, die in ihrer Zerstückelung und Nacktheit an vergessene Schaufensterpuppen in einem Lager denken lassen. Auch die Bilder und Collagen des Künstlers mit ihren großflächigen Übermalungen wirken wie bruchstückhafte Erinnerungen an einen Traum, an den man sich nicht mehr erinnern will oder kann.

Preis der Nationalgalerie 2011

Termin: 9. September 2010 bis 8. Januar 2012 im Hamburger Bahnhof, Berlin
http://www.preis2011.de