New Museum - Kontroverse

Ich sehe viel Geld umherfliegen

Jeff Koons will die Sammlung seines Freundes, des griechischen Milliardärs Dakis Joannou, im New Museum von New York ausstellen – Presse, Blogger und Museumsleute diskutieren darüber kontrovers.
Hitzige Debatte:Darf Jeff Koons im New Yorker New Museum kuratieren?

Objekt kontroverser Diskussionen: das New Museum in New York

In seiner Factory in Chelsea ist Jeff Koons nicht nur mit der Produktion seiner eigenen Werke beschäftigt, sondern mit der Kunst von Kollegen. Koons versucht sich als Kurator. Ende Februar übernimmt er das komplette New Museum in New York, in dem er die Sammlung seines Freundes, des griechischen Milliardärs Dakis Joannou, zur Schau stellen wird. Das Projekt ist der Auftakt der neuen Ausstellungsreihe "The Imaginary Museum", bei der im New Museum auf der Bowery Privatsammlungen der Öffentlichkeit vorgeführt werden sollen.

Milliardär Joannou, der zu den wichtigsten Sammlern Europas zählt und im Vorstand des New Museum sitzt, hat Künstler wie Maurizio Cattelan, Nathalie Djurberg, Robert Gober, Chris Ofili, Kiki Smith oder Kara Walker im Programm – und natürlich Koons, mit dem er Mitte der achtziger Jahre seine Sammlung gestartet hatte. Die Ankündigung der Ausstellung schob eine hitzige Debatte in der New Yorker Kunstwelt an, bei der sich die Kultur-Blogger eifrig zu Wort meldeten. Das Museum würde von einer experimentellen Kunsthalle in einen "Ort der Eitelkeiten" verwandelt werden, warnte Blogger Tyler Green und mahnte die längst gängige Praxis der amerikanischen Museen an, Ausstellungen privaten Sammlungen zu widmen. Es sei eine Beleidigung für Kuratoren und Künstler, sich an den Namen eines reichen, bekannten Sammlers zu hängen. Denn es würde bedeuten, dass der Besitz einer Black Card mit dem Erfahrungsschatz von Kuratoren gleichgesetzt wird. Dass das New Museum den Nerv hätte, aus dieser Geschäftsidee eine Serie zu kreieren, sei "unethisch", weil es sich bei einem Museum um eine Non-Profit-Organisation handelt, die entsprechende Steuervorteile genießt.

Ein Museum muss unabhängiger Schiedsrichter bleiben

Nicht viel später reagierte auch die "New York Times" mit einem Artikel auf die Kontroverse. Es mag sich durchaus um eine fantastische Sammlung handeln, meinte Noah Kupferman, der früher bei Sotheby’s gearbeitet hat und jetzt an der New York University unterrichtet. Aber ein Museum hat einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen, bei dem es von der Regierung unterstützt wird. Es müsste "unabhängiger Schiedsrichter" bleiben, der sich nicht einem Vorstandsmitglied und Spender unterwirft, dessen Sammlung durch die Ausstellung obendrein an Wert zulegt.

"Ist das überhaupt legal?", fragte Blogger James Wagner. "Es klingt sehr nach Insider-Handel. Ich sehe viel Geld umherfliegen." New-Museum-Direktorin Lisa Phillips versicherte, dass die Ausstellung "künstlerisch und intellektuell wichtig" sei. Kollege Richard Armstrong vom Guggenheim schlug sich ganz pragmatisch auf ihre Seite: "Dass private Sammlungen gezeigt werden, ist von Nutzen für die gesamte Nahrungskette der zeitgenössischen Kunstwelt." Wenn die Preise für die gezeigten Arbeiten dabei weiter nach oben gehen, würde es niemandem schaden. Thomas Campbell warnte vor "puritanischen Verurteilungen", der Tanz zwischen Sammlern und Museen, die ihren Spendern viel verdanken, sei eine delikate Angelegenheit.

"Es gibt Glamour, Geld und es ist sexy"

Über das enge Netzwerk der Verbindungen zwischen Galeristen, Sammlern, Künstlern, Kuratoren und Museumsdirektoren, die solche Deals überhaupt möglich machen, sollte doch niemand erstaunt sein, konterte Steven C. Dubin, Kunstprofessor an der Columbia Universität auf dem Artsbeat Blog der "New York Times". "Die Kunstwelt ist inzestuös. Es gibt Glamour, Geld und es ist sexy." Die ganze Debatte sei für ihn nicht mehr als ein großes Theater, meinte Kritiker Charlie Finch. Was in der Kunstwelt offen auf der Oberfläche zu sehen sei, ist nichts im Vergleich zu den Insider-Deals und Interessenkonflikten, die niemals an das Licht kommen.

Schließlich meldete sich auch der dem New Museum und seinem Programm meist wohl gesonnene Kritiker Jerry Saltz im "New York Magazine" zu Wort. "Mir gefällt es, dass die Kunstwelt nicht reguliert ist. Ich habe Joannous Sammlung gesehen, sie ist unglaublich", schrieb Saltz. In Anbetracht der Situation auf dem Kunstmarkt hätten Privatleute heute wesentlich bessere Sammlungen an zeitgenössischer Kunst als das MoMA oder das Whitney Museum. "Der Kunst-Boom hat neue Kunst einfach zu teuer für Institutionen gemacht." Also müssen die Museen nach kreativen Lösungen suchen. "Sie befinden sich in einer schwierigen Situation und das wird für eine Weile so bleiben."

In der Vergangenheit hat der in Athen ansässige Industrielle Dakis Joannou eine Auswahl seiner 1000 zeitgenössischen Werke bereits im Palais de Tokyo in Paris und in der Wiener Kunsthalle ausgestellt. Die Debatte sei für ihn kein Thema, tat Joannou kritische Fragen gegenüber der "New York Times" ab. Ob Koons im New Museum eigene Arbeiten wie einen seiner "Balloon Dogs" oder "Michael Jackson mit Bubbles" zeigen wird, ist unklar. Er könne versichern, dass sich die Ausstellung nicht um seine eigenen Werke drehen wird, so Koons. In Joannous Sammlung würde es nicht um die üblichen Verdächtigen gehen, sondern um Künstler, von denen noch niemand etwas gehört hat – was ja die Mission des New Museums sei, so Kritiker Saltz. Die Arbeiten würden Themen wie Sex, Tod oder den Ödipuskomlex umfassen. "Lasst uns einfach die Ausstellung sehen – und dann werden wir entscheiden."

Mehr zum Thema im Internet