Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Dieses Mal: Korea im Kaufhaus, Kunst für die Ohren und innige Küsse.

Düsseldorf: "Out of Space"

Mit "Out of Space" ruft die Julia Stoschek Collektion eine neue Reihe mit Ausstellungsprojekten ins Leben, die außerhalb des eigentlichen Sammlungsgebäudes stattfinden sollen. Die erste Schau widmet sich der in Peking lebenden Multimedia-Künstlerin Cao Fei und wird in der Düsseldorfer Gloriahalle zu sehen sein. Die junge Chinesin (geb. 1978) setzt sich mit den gesellschaftlichen und kulturellen Themen der unaufhaltsam wachsenden Wirtschaftsmacht auseinander, durch die sie selbst entscheidend geprägt wurde. So fragt sie nach Möglichkeiten, wie man in einer global vernetzten Gesellschaft die eigene Individualität ausleben kann und untersucht dazu auch die Onlineplattform Second Life. In einer anderen zentralen Arbeit beschreibt sie die Wünsche und Träume südchinesischer Wanderarbeiter und verdichtet diese in einer raumgreifenden Videoinstallation.

Bregenz: Lothar Baumgarten – "Seven Sound / Seven Circles"

Lothar Baumgarten, der mit Joseph Beuys oder den amerikanischen Landart-Künstlern jener Generation der Sechziger angehörte, die sich intensiv mit dem Phänomen Natur auseinandersetzten, hat für das Kunsthaus Bregenz nun eine selbst für ihn ungewöhnliche Arbeit entwickelt. In der Ausstellung "Seven Sound / Seven Circles" installiert er über drei Stockwerke sieben "phonische Skulpturen", die sich aus Tonaufzeichnungen der Halbinsel Denning’s Point im Hudson River – ehemals Firmensitz der Denning’s Point Brick Works Company und nun größtenteils von der Natur überwuchert – entstanden sind. Über vier Jahre hinweg hat Baumgarten die dortigen Gegenbenheiten akustisch festgehalten: Tier- und Pflanzengeräusche, der Wechsel von Jahres- und Tageszeiten und kaum noch erkennbare industrielle Spuren. In den Köpfen der Besucher entstehen durch die "Orchesterwerke", wie der Künstler selbst seine Arbeiten beschreibt, individuelle Bilder. Ganz schließen sollte man die Augen jedoch nicht, denn ergänzt wird das Audiowerk im ersten Teil der Ausstellung mit drei Projektionen aus über 400 Lichtbildern.

Hannover: "Made in Korea"

Die größte Industriemesse der Welt, ein leer stehendes Kaufhaus und das Versprechen "Made in Korea": Das alles klingt zusammen vielleicht nach erbittertem Kampf gegen die Wirtschaftskrise – nicht unbedingt nach ambitionierter Kunst. Doch unter der Schirmherrschaft der Kestnergesellschaft wird im Rahmen der Hannover Messe mit dem diesjähigen Partnerland Korea ein umfangreiches Kulturprogramm auf die Beine gestellt, dessen Mittelpunkt das Ausstellungsprojekt "Made in Korea" im kürzlich geschlossenen Kaufhaus SinnLeffers bildet. In drei Schauen zur zeitgenössischen Kunst, Fotografie und aktuellem Design bietet es einen Querschnitt durch die Kunstszene Koreas, die sich – nach 30-jähriger Militätdiktatur – Anfang der Neuziger neu definiert hat. Das Themenspektrum reicht von politischen Reflexionen über Globalisierung oder das Ende des Kalten Krieges bis hin zu den unterschiedlichen Facetten der koreanischen Gesellschaft selbst, wobei die Kuratoren bei der Installation Wert darauf gelegt haben, die Atmosphäre des ehemaligen Konsumtempels zu bewahren. Darüber hinaus gibt es zum gleichen Thema weitere Ausstellungen und ein umfassendes Rahmenprogramm, unter anderem zum koraenischen Kino.

Köln: Christopher Wool / Wolfgang-Hahn-Preis

Der Blick auf Köln lohnt sich dieser Tage nicht nur wegen der Art Cologne, denn das Museum Ludwig startet parallel zur Kunstmesse eine große Werkschau des in New York lebenden Künstlers Christopher Wool (geb. 1955). Anlass ist die Verleihung des hochdotierten Wolfgang-Hahn-Preises an Wool und der damit verbundene Erwerb zweier Siebdrucke. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Arbeiten der letzten Jahre – 30 großformatige Gemälde und Siebdrucke sowie die 160-teilige Fotoserie "East Broadway Breakdown"–, die sich von seinem Frühwerk deutlich unterscheiden, weswegen er selbst auch nur eines seiner berühmten "Word Paintings" in die Schau integrieren wollte. Die neueren Werke zeigen eine noch stärkere Reflektion über den Bildfindungsprozess. Formgebung und Deformation durchdringen einander, wenn der Künstler seine mit Sprühdosen gezeichneten Linien mit Lösungsmittel wieder auswischt. Am 28. April spricht die Punkrock-Legende Richard Hell, ein guter Freund Wools, über dessen Fotografien und Künstlerbücher.

Berlin: "Born in the USSR"

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind seit jeher eher spannungsgeladen – nicht nur im negativen Sinn, wie das künstlerische Beispiel von Dmitri Vrubel auf der Berliner Mauer bisher gezeigt hat. So nah wie Breschnew und Honecker auf dem Bild der "Bruderkuss" sind sich die beiden Nationen jedoch eher selten gekommen, auch im Bereich der Kunst nicht. Während das Original an der Berliner Mauer im Rahmen der Restaurierungsarbeiten abgetragen wurde, versucht der Internationale Deutsch-Russische Club e.V. in Berlin die positive Spannung des kulturellen Austauschs mit der Ausstellung "Born in the USSR" wieder zu betonen und zeigt 40 Arbeiten zeitgenössischer russischer, in Deutschland wirkender Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik, Installation, Foto- und Videokunst aus den Jahren 1985 bis 2009. Neben Vrubel werden unter anderem auch Arbeiten der Gruppe AES, von Boris Mikhailov oder von Ivan Chuikov zu sehen sein. Die Ausstellung läuft ab dem 28. April im Lichthof des Auswärtigen Amtes.