Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Judith Behnk empfiehlt diese Woche Installationen aus Fleischerbeilen und den Marktplatz für Urban Art.

Köln: Art.Fair 21 - Mix aus Multimedia, Performance, Fashion und Party

Alljährlich findet in Köln die Kunstmesse Art.Fair 21 statt. Vom 29. Oktober bis zum 1. November 2009 ist es wieder soweit. Die Messe bietet sowohl zeitgenössiche Werke renommierter Künstler als auch von Newcomern an. In einem Mix aus Multimedia, Performance, Fashion und Party findet der Marktplatz für Kunst im 21. Jahrhundert seinen Platz. Besonders die niederländische Kunst von Künstlern wie Gijs Frieling und Maria Smits findet auf dieser Messe ihren größten Absatzmarkt. Seit einigen Jahren baut die Art.Fair 21 in Köln auch den asiatischen Kunstmarkt auf. Der chinesische Künstler Ma Jun spielt mit den Gegensätzen zwischen westlicher und fernöstlicher Welt. In seinen Werken überzieht er Fernseher und Radios mit feinen chinesischen Malereien und verdeutlicht damit den Kontrast zwischen Tradition und Moderne. Auf der Art.Fair 21 kann der Besucher einen Einblick in die zeitgenössische Kunst gewinnen und von großformatigen Bildern über Skulpturen bis zu Videoinstallationen Kunst erwerben.

Hamburg: Loic Bréard – Architekturfotografie

Der in Nantes in der Bretagne geborene Künstler Loic Bréard kam als Autodidakt zur Fotografie. Seine Inspiration sind vor allem die Werke der Fotografen der fünfziger Jahre, wie Henri Cartier-Bresson oder Jacques-Henri Lartigue. Nach dem Studium der Malerei und Bildhauerei an der Ecole Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris siedelte der Künstler nach Hamburg um. In der Ausstellung "Urban Sketches", die vom 16. Oktober bis 18. Dezember 2009 in der Hamburger Galerie Hilaneh von Kories gezeigt wird, kann der Besucher schwarz-weiße Architekturaufnahmen betrachten, die der Künstler mit einer Leica-Kleinbildkamera aufgenommen hat. Architekturfotografie hat oft auf Wunsch der Architekten einen sehr sachlichen und unterkühlten Ton. Bréard interessiert sich vor allem für die Spiegelungen in den Gebäuden aus Glas und Metall und bringt damit seine persönliche Note in die Bilder ein. Dabei zeigt er auch, dass die moderne Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts eine für den Menschen lebensfeindliche und abweisende Umgebung ist. Sinnbild dafür ist, dass seine Architekturbilder immer menschenleer sind.

Berlin: Barry Le Va - 29 Fleischerbeile

Der 1941 geborene New Yorker Künstler Barry Le Va, wird in zwei Ausstellungen eine Würdigung seines Werkes erfahren. In den Sechziger- und Siebziger Jahren beeinflusste er maßgeblich die Entwicklung der Skulptur und Installation, Künstler wie Bruce Nauman betrachten ihn als großartiges Vorbild. Im Zentrum der ersten Ausstellung, die der Zeit von 1966 bis ca. 1985 gewidmet ist, stehen drei Skulpturen aus Fleischerbeilen, die der Künstler in den Boden der Galerie geschlagen hat. Erstmalig hatte er diese Skulptur 1970 im Whitney Museum gezeigt. Extravagante Materialien wie Mehl, Filz, Aluminiumbänder und Gummi bestimmen seine Arbeit genauso wie die Vergänglichkeit seiner Werke. Der Künstler will, "Skulptur als vollendetes, völlig eindeutiges Objekt und einen Eindruck von Ganzheit ausschließen und sich auf Einzelteile, Fragmente, unvollständige Handlungen und Strukturen konzentrieren." Skulptur ist für ihn nur eine momentane Feststellung. Seine ebenso ausgestellten Zeichnungen sind vom Künstler ursprünglich nicht als eigenständige Werke, sondern erlauben dem Betrachter, an einem Entwicklungsprozess teil zu haben. Vom 31. Oktober bis 19. Dezember 2009 findet die Ausstellung "Sculptures and Drawings" von Barry Le Va in der Galerie Nolan Judin Berlin statt.

Berlin: ZASD – anarchistische Streetart

Wer oder was ist ZASD? Diese Frage stellt man sich, wenn man den Schriftzug in ganz Europa verteilt in den Straßen sieht. Zuerst vermutet man eine Guerilla-Marketing-Aktion. Doch ZASD ist ein Berliner Künstler, der genau diese Verwirrrung hervorrufen will. ZASD ist das Pseudonym des Künstlers und gleichzeitig eine Marke, hinter der weder ein Produkt noch eine Dienstleistung steht. In Deutschland, aber auch in Madrid, Helsinki und Budapest hat der Streetartist bereits seine Spuren hinterlassen. Er will den Anschein erwecken, bei seinem Pseudonym handele es sich um eine weltweit agierende Marke. Heutzutage spielt es gar keine Rolle, was jemand verkauft, sondern nur, dass seine Marke bekannt ist. In seinen neuen Arbeiten greift ZASD nun zu völlig anderen Mitteln. Zu welchen, klingt im Flyertext an: "Man darf nicht vergessen, dass die Leistung zivilisierter Schützen, die das Bogenschießen als Sport betreiben, bei weitem die der Wilden übertrifft. Es ist ein eigentümlicher Umstand, dass das Bogenschießen erst zu dem Zeitpunkt perfektioniert wurde, als der Bogen als ernstzunehmende Waffe bereits überholt war." Bis zum 28. November 2009 kann sich der Besucher in der Berliner Galerie "urban art info" anschauen, was dahinter steckt und welche Spuren ZASD diesmal in den Städten hinterlässt.

München: Stroke.01 - Kunstmesse für Urban-Art

Ende Oktober werden erstmalig, mehr als 15 internationale Galerien und Projekte aus dem Bereich "Urban Contemporary art" gemeinsam auf der Messe Stroke.01 in München ausstellen. Damit ist Stroke.01 die erste internationale Messe für Urban Art in ganz Europa. Urban Art ist schon lange nicht mehr nur Subkulturkompatibel, sondern hat seinen Weg in die Galerien und Auktionshäuser gefunden. Das beste Beispiel dafür wäre wohl der Streetartkünstler Banksy, dessen Werke heute zu horenden Preisen gehandelt werden. Urban Art Projekte existiert meist nur, weil die Menschen hinter der Kunst mit großer Leidenschaft an die Sache heran gehen. Wirtschaftlich rentabel sind solche Projekte fast nie. Ziel der Stroke.01 ist es diese Art von Kunst und die Künstler in den Kunstmarkt zu integrieren und ihnen die Möglichkeit zu geben eine breitere Masse zu erreichen. Urban Art ist ein weltweites Phänomen, das über Ländergrenzen hinaus funktioniert und die Menschen und eine ganze Generation verbindet. Die Frage ist, ist Urban Art damit im Mainstream angekommen und was bleibt am Ende von der anarchistischen Energie übrig. Vom 29. bis 31. Oktober 2009 findet die Messe Stroke.01 in München statt.