Fritz Kühn - Berlin

Happy End in letzter Minute

Berlin tat sich schwer mit dem Nachlass des Berliner Metallbildhauers Fritz Kühn – doch dann kam die Rettung.
Langer Kampf:Der Nachlass des Metallbildhauers ist endlich gesichert

Fritz Kühn bei der Zusammenstellung einer Ausstellung, circa 1965, der Nachlass des Berliner Metallbildhauers ist jetzt gesichert

Der Metallbildhauer, Autor und Fotograf Fritz Kühn (1910 bis 1967) schuf Werke, die in Berlin jeder kennt. Der Brunnen auf dem Strausberger Platz gehört dazu, das geschmiedete A-Portal der Berliner Stadtbibliothek oder das Lindenblatt-Portal der polnischen Botschaft Unter den Linden.

Das Tor besteht aus 224 stilisierten Lindenblättern: abgewinkelten, geätzten Aluminium-Scheiben, die modernistischen Formwillen mit handwerklicher Meisterschaft verbinden.

"Die Natur ist mein Lehrmeister" – so lautete das Motto der Künstlers, der sich immer um neue technische und formale Lösungen bemühte. Auf dem umgebauten Gutshof in Berlin-Bohnsdorf, wo Kühn seine Karriere Ende der dreißiger Jahre begann, werden noch heute die Schmiedehämmer geschwungen: Nach Kühns frühem Tod 1967 übernahmen Sohn Achim und seine Frau Helgard das Atelier und die Werkstatt und führten die Familientradition weiter. "Doch der Kampf um Grundstück, Museum und Nachlassproblematik zog sich über 20 Jahre", erklärt Achim Kühn. So lange schon versuchten die Kühns, das Land und städtische Institutionen mit ins Boot zu holen, weil sie es aus eigener Kraft nicht schafften, den Nachlass Kühns für kommende Generationen von Kunstinteressierten zu bewahren und aufzubereiten. André Schmitz, der ehemalige Kulturstaatssekretär von Berlin, ermunterte die Kühns zu zwei Anträgen auf Lottomittel – doch beide wurden abschlägig beschieden.

Nach Fritz Kühn sind in der Hauptstadt eine Schule und eine Straße benannt. Die DDR erklärte seine Werke 1983 zum Nationalen Kulturerbe. Der Chef des Berliner 
Landesdenkmalamtes Jörg Haspel hält ihn für "einen der bedeutendsten Berliner Metallbildhauer des 20. Jahrhunderts". Umso unverständlicher war es für die Familie Kühn die Zurückhaltung politischer wie institutioneller Akteure. "Was die Übernahme des Gesamtnachlasses anbelangt, so ist ein Museum von einem Archiv zu unterscheiden," erklärte etwa Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, die sich um andere Nachlässe ganz selbstverständlich kümmert. Im Fall Kühn fühlte er sich jedoch nicht zuständig. "Ein Museum wählt für seine Sammlung exemplarisch Werke und Dokumente aus. Weder Raum noch Personal sind in dem Maß vorhanden, einen künstlerischen Komplettnachlass, der sich restauratorisch in sehr schlechtem Zustand befindet, aufzuarbeiten."

Das sah die Leibnitz-Gemeinschaft anders und sorgte für ein Happy End in letzter Minute: Sie überführte den vielschichtigen Nachlass Kühns in ihr sozial- und raumwissenschaftliche Forschungsinstitut (IRS) in Erkner bei Berlin und sorgte dafür, dass mehrere von Zwangräumung bedrohte Skulpturen hierhin übernommen werden konnten. Im IRS wird der Nachlass in die bereits bestehenden Sammlungen der Bau- und Planungsgeschichte des 20. Jahrhunderts integriert. Das Werk von Kühn wird gesichert, aufgearbeitet, erschlossen, der Forschung zugänglich gemacht und soll künftig in einem Gebäude dauerhaft der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sein.