Museum Berggruen - Berlin

Teure Kulturen

Auch in einem Museum lassen sich dieser Tage Pilze finden, genauer gesagt in seinem Dach. Woran Pilzsammler im Herbstlaub ihre helle Freude hätten, ist für Kunstsammler jedoch weniger ertragreich. Im Gegenteil: Für die betroffene Sammlung Berggruen bedeutet der Fund ein teures Vergnügen: Im Dach des neuen Anbaus hat sich Schimmel ausgebreitet.
Auf der Suche:Schließung wegen Schimmelbefalls

Da war noch alles in Ordnung: Das Museum Berggruen mit Erweiterungsbau (rechts) bei der Eröffnung im März 2013

“Ich hab ihn noch nicht gesehen”, sagt der Aufseher im Museum Berggruen und schmunzelt. Gemeint ist nicht Paul Klee, auch wenn seine Werke einen zentralen Platz in der Sammlung einnehmen. Nein, es geht um den Schimmel, der seit einiger Zeit das Dach des Erweiterungsbaus besetzt und das Haus in Atem hält. Nur sieben Monate nach der Wiedereröffnung der Sammlung Berggruen mit neuen Räumlichkeiten muss der Anbau schon wieder schließen. Als Grund nennt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz “Mängelbeseitigung”. Ein “Feuchteschaden” habe zu “großflächigem Schimmelbefall” des Dachaufbaus geführt, heißt es in der Pressemeldung. Wie dieser nach der aufwendigen Sanierung überhaupt erst entstanden sein könnte, ist der Stiftung selbst noch nicht klar. “Erst nach Öffnung des Daches” könne die Schadensursache geklärt werden, begründet die Sprecherin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordung (BBR), Ines Drechsler, die Misere. Ein Sachverständiger der Behörde habe den Schaden im Museum entdeckt.

Immerhin müssen die Besucher nicht leiden. Die im Erweiterungsbau ausgestellten rund 70 Werke von Paul Klee sowie Arbeiten von Henri Matisse und Alberto Giacometti bleiben in nächster Nähe: Klees Bilder sind ab November in der Sammlung Scharf-Gerstenberg im östlichen Stülerbau zu sehen. Das Haus, das sich den Surrealisten und ihren Vorläufern widmet, gehört ebenfalls zu den Staatlichen Berliner Museen und befindet sich direkt gegenüber. Klees Arbeiten aus dem Museum Berggruen werden um zusätzliche Stücke aus der Nationalgalerie und den Bestand der Sammlung Scharf-Gerstenberg ergänzt.

Zu den voraussichtlichen Sanierungskosten für die Beseitigung des Schimmels können weder die Stiftung noch das BBR aktuell Auskunft geben. Auch diese ließen sich erst nach Öffnung des maroden Dachs im Erweiterungsbau abschätzen, heißt es von Seiten der Bundesbehörde. Fest steht jedoch offenbar, dass der Dachstuhl des betroffenen Kommandantenhauses komplett “abgetragen und erneuert” werden muss. 6,5 Millionen Euro hatte der Umbau mit der von Kuehn Malvezzi geplanten Erweiterung gekostet. Das renommierte Berliner Architekturbüro äußerte sich nicht zu dem baulichen Mangel. Zwei Jahre dauerte der Umbau mit dem Anschluss an das Kommandantenhaus durch den sich die Ausstellungsfläche verdoppelte. Der nun entstandene finanzielle Schaden werde von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vorfinanziert bis ein Verursacher haftbar gemacht werden könne, erklärt Drechsler. Aber auch der Verantwortliche ist erst nach eingehender Untersuchung des betroffenen Areals auszumachen.

Etwa ein Jahr sollen die zweiten Sanierungsarbeiten nach Angaben der staatlichen Museen dauern. Sie laufen ab November an. Was über die Beseitigung des “großflächigen Schimmelbefalls” im Anbau hinaus überholt werden muss, kann aktuell niemand genau sagen. Die Stiftung verweist bei Anfragen zum Schaden stets an das BBR.

Der westliche Stülerbau, das Hauptgebäude der Sammlung mit Arbeiten von Pablo Picasso, Georges Braque und Paul Cézanne, sei nicht betroffen, betont der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer. Giacometti und Matisse werden hier temporär untergebracht.
Von den “verschiedenen Schimmelsporen unterschiedlicher Qualität” gehe keine Gefahr für Menschen oder Kunstwerke aus, verspricht Ines Drechsler. Wer den neuen Erweiterungsbau also noch schnell in seinem alten Zustand besichtigen möchte, kann das bis zum 28. Oktober tun. Auch der Wachmann im Kommandantenhaus versichert: “Keine Angst, der kommt nicht runter”. Und wieder meint er nicht Paul Klee.