Thaddaeus Ropac - Salzburg

Erfolgsstory eines Überzeugungstäters

Seine Galerien beherbergen Kunstwerke von Anselm Kiefer bis Georg Baselitz und er hat sich gar eine eigene Kunsthalle erbaut: Thaddaeus Ropac, der große Galerist, dessen Ausstellungen zum 30. Jubiläum gerade in Salzburg angelaufen sind.
Der große Galerist:Thaddaeus Ropac Jubiläumsausstellung in Salzburg

Thaddaeus Ropac

Unter den vier, fünf großen Galeristen der Kunstwelt besitzt Thaddaeus Ropac mit Sicherheit das beste Adressbuch. Er hat es sich hart erarbeitet, in einer über 30-jährigen Karriere, die, wie jede Erfolgsstory, geprägt ist von Flauten, Glück, mutigen Entscheidungen und strategischem Geschick. Vor allem aber, und das entscheidet Ropac von den meisten seiner Kollegen, von einer kompromisslosen Passion für seinen Job – den Handel mit Gegenwartskunst.

Ropac, der angeblich selbst einmal Künstler werden wollte, aber vom großen Joseph Beuys persönlich vom Gegenteil überzeugt wurde, gehört zu jener langen Kette von erfolgreichen Galeristen, die sich nicht nur als Geschäftsweltmeister und Kommerzkönige, sondern als Überzeugungstäter verstehen. Nur so wird verständlich, wieso er stolz behauptet, er verkaufe nicht einfach, sondern platziere – so sein Credo – zum Wohle seiner Künstler vor allem in ausgesuchten Privatsammlungen und Museen.

Ropac will gestalten und helfen, die Karrieren seiner Künstler zu festigen, das Schicksal der Werke scheint ihm wichtiger als der bloße Verkauf. Was aber keinesfalls ausschließt, ihn einen geschäftlich begnadeten Bluechip-Galeristen zu nennen: Galerist mit scharfem Auge und Sachverstand, verkauft er, was gut und teuer, aber eben auch verkäuflich ist. Eine Vorliebe für jungen, manchmal ein wenig zu bunten Postpop eingeschlossen. Art und Investment Fonds werden grundsätzlich ebenso wenig bedient wie neues Geld mit Spekulationsverdacht. Ropac sucht sich seine Kunden gut aus, was in Zeiten eines nie gewesenen Kapitalaufkommens nicht immer einfach ist; vor allem wenn es um neue Märkte geht, China oder die arabischen Emirate wie Abu Dhabi, Regionen, denen heute sein besonderes Interesse – und die nächste Galerie? – gilt.

Erst einmal aber wird gefeiert. Zum 30. Geburtstag seiner Salzburger Galerie – längst bespielt er an der Salzach zwei elegante Adressen –, zeigt er in einer denkwürdigen Schau rarer Leihgaben Schlüsselwerke, die durch seine Hände gegangen sind, Werke von Künstlern, mit denen er teilweise ein Vierteljahrhundert und länger zusammenarbeitet: Georg Baselitz, Gilbert and George, Elaine Sturtevant, Alex Katz, Anthony Gormley. Sowie jenes Triumvirat viel zu früh gestorbener Amerikaner, die Ropac als 21-Jähriger in New York auf Vermittlung von Andy Warhol kennenlernte. Es waren die Künstler seiner Generation, die er versuchte, mit nicht einmal mäßigem Erfolg, in seiner ersten Salzburger Galerie auszustellen: Jean Michel Basquiat, Keith Haring und Robert Mapplethorpe.

Mit 21 erkundete der 1960 in Klagenfurt geborene Kärntner Ropac, der sich vor Österreichs Hauptstadt Wien immer gehütet hat, New York; mit 22 machte er ein Praktikum bei Joseph Beuys, mit 23 eröffnete er seine nicht erste, sondern zweite Galerie. Denn nur die wenigsten wissen, dass er sich schon vor seiner 1983 eröffneten Salzburger Galerie im Kunstgeschäft versucht hatte. Im idyllischen Osttiroler Städtchen Lienz, der Heimat seiner Mutter, bespielte er ein kleines Lokal, etwa mit Skulpturen von Herbert Prantl oder Zeichungen von Gerwald Rockenschaub, und verkaufte natürlich kein Stück.

Der ersten Salzburger Galerie erging es nicht sehr viel besser. Wegen der Enge der Räume zeigte er 1983 erfolglos Zeichnungen von Beuys für 2000 Mark, vergrößerte trotzdem 1984 seine Räume, lud einen von Salzburg nur mäßig beeindruckten Andy Warhol ein, machte weiter mit Georg Baselitz, aber auch amerikanischen Minimalisten wie Carl André oder Don Judd – in Ropacs Künstlerliste mit rund 60 Namen ist kein klares Profil zu erkennen, keine rote programmatische Linie. In den letzten Jahren hat er immer wieder junge Szene-Stars wie Terence Koh oder Banks Violette in die Galerie aufgenommen oder Künstler wie den Iraker Ali Banisadr aufgebaut.

Im Rückblick bezeichnet er die ersten Jahre bis 1985 als die schwierigsten – verglichen mit anderen Galeristen eine mehr als kurze Durststrecke, in welcher er die Werke seiner österreichischen Künstler mit dem Privatwagen aus den Wiener Ateliers in die Galerie brachte. 1987 bezog er ein ganzes Gebäude und wurde zur festen Salzburger Gesellschaftsgröße. Salzburg war damals nicht gerade eine Kunst-, aber immerhin dank der Opernfestspiele eine Kulturstadt, dazu kam eine Akademie, an der zeitweise unter anderen Emilio Vedova, Hermann Nitsch, Arnulf Rainer oder Daniel Spoerri lehrten. Auch bei wohlhabenden Amerikanern war Salzburg bekannt, nicht zuletzt dank der Trapp-Familie, und Ropac spielte solche gesellschaftlichen Trumpfkarten voll aus, konzentrierte sich auf die Festspielperioden und flirtete mit Boulevard und Yellow Press – was für eine kurze Zeit seinem Ruf, nicht aber dem Geschäft, wenig zuträglich war.

Seine wichtigste und beste Entscheidung war, 1990 eine Galerie in Paris aufzumachen. Paris war nach der Blütezeit der Epoche von Kulturminister Jack Lang – zusammen mit New York und London – wieder zu einer der wichtigsten internationalen Addressen für den Kunstbetrieb geworden. Vor allem aber herrscht in Paris eine völlig andere, entspannte Art von Glamour – hier gibt es Stars, keine Sternchen, und Ropac liebt nun mal die Gesellschaft der Reichen und Schönen, sie gehört zu seinem Geschäftsmodell.

Nach schwierigen ersten Jahren konnte sich die Galerie in der Rue Debeylleme auf drei Etagen vergrößern, kommerzielle Schwergewichte wie Anselm Kiefer stießen zum Künstlerstamm, und im vergangenen Jahr realisierte Ropac, was man getrost als eines der weltweit schönsten Projekte des privaten Kunsthandels bezeichnen darf: Er eröffnete im nordöstlichen Pariser Vorort Pantin mit neuen Arbeiten von Anselm Kiefer und einer historischen – nicht verkäuflichen – Installation von Joseph Beuys ein Ensemble von vier großen Ausstellungshallen mit Oberlicht plus Showroom plus Videothek. Acht Millionen Euro investierte er in die Renovierung der denkmalgeschützten Heizkesselfabrik und verzeichnete innerhalb weniger Monate fast 14nbsp;000 Besucher. Keine Kunstkäufer, sondern Kunstinteressierte – es war ihm gelungen, das Galeristengeschäft durch eine Kunsthalle zu adeln.

Natürlich wird sich auch der Ableger Pantin auf Dauer rentieren, im Gegensatz zum zeitgleich vom Konkurrenten Gagosian mit viel Trara in Flughafennähe eröffneten Showroom, der längst die meiste Zeit leer und geschlossen verwaist. Pech für Ropac, dass die Pariser Geburtstagsausstellung – neue Bronzeskulpturen von Georg Baselitz – wegen der komplizierten Gussprozesse der Berliner Spezialisten Noack erst Anfang September eröffnet werden kann. Dafür geht es an diesem Wochenende in Salzburg hoch her: Eine "Wortskulptur" von Erwin Wurm feiert Uraufführug, inszeniert vom Wiener Burgtheater-Chef Matthias Hartmann, und pünktlich zur Eröffnung der Salzburger Festspiele häufen sich jede Menge Empfänge, Feiern und Premieren. Trotz seiner privaten Pariser Kunsthalle bleibt Thaddäus Ropac der Galerist des guten Geschmacks und der feinen Gesellschaft – nicht das schlechteste Alleinstellungsmerkmal in Zeiten schnöden Mammons.

bis 28. August,
Galerie Thaddaeus Ropac,
Salzburg: Villa Kast (Part One) und Halle (Part Two)
http://ropac.net