MAXXI Museum - Rom

Rom ist endlich in der Gegenwart angekommen

Neben Kolosseum und Peterskirche gibt es eine neue Attraktion, einen Museumsbau von Zaha Hadid, das MAXXI. Zehn Jahre dauerten die Bauarbeiten, sechsmal wechselten die Kulturminister und 150 Millionen Euro wurden aufgewandt, um den Italienern ihr erstes Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst zu schenken.
Rom ist endlich in der Gegenwart angekommen:Das Museum für zeitgenössische Kunst

Gino De Dominicis: "Cosmic Magnet", 1990

Seit der Eröffnung am 30. Mai strömen täglich 1000 Besucher in den exzentrischen Bau. Das Museum eröffnet mit einer wunderbaren Hommage an Gino De Dominicis (1947 bis 1998), dessen Werk zum ersten Mal in einer von Achille Bonito Oliva kuratierten Gesamtschau gezeigt wird. Ein 25 Meter langes Skelett, "Cosmic Magnet" (1990) liegt vor der gläsernen Eingangsfront und stimmt den Besucher in die geheimnisvolle Welt dieses Künstlers ein, dessen Werk vollständig um das Thema "Unsterblichkeit" kreist.

Die Architekturabteilung des MAXXI widmet Luigi Moretti (1907 bis 1973) eine umfassende Schau. Damit kommt dieser Vertreter des mediterranen Rationalismus, dessen meiste Bauten aus der faschistischen Zeit stammen, zur verdienten Ehrung. Die Furcht, dass vor den verschlungenen Kurven des MAXXI jede Hängetechnik versagen müsste, erwies sich als unbegründet. Selbst Anselm Kiefers Riesengemälde "Sternenfall" aus der ständigen Sammlung des Museums fand seinen angemessenen Platz. "Auch ich hatte anfangs Zweifel", sagt die Museumsleiterin Anna Mattirolo, "aber dann erwiesen sich die Räume als unglaublich stimulierend." Der Besucher wird gleich beim Hereinkommen vom Bewegungsfluss des Gebäudes erfasst und hat das angenehme Gefühl, im Kielwasser der Kunst dahinzudriften.

Die Reden zur Eröffnung des Museums fanden vor einem großen Wall Drawing von Sol LeWitt statt. Kulturminister Bondi wurde von Buh-Rufen unterbrochen. Kaum war der Festakt zu Ende wetterte Vittorio Sgarbi: "Das ist kein Museum, sondern eine Skulptur, ein Mausoleum für Zaha Hadid." Die Architektin konterte: "Sgarbi hat keine Ahnung von zeitgenössischer Kunst und Architektur." Viele sehen für die Zukunft schwarz, weil Kulturminister Bondi ausgerechnet Sgarbi mit den Ankäufen für das Museum beauftragt hat.

Die Museumsleiterin Anna Mattirolo versuchte gegenzusteuern und hat den argentinisch-italienischen Kurator Carlos Basualdo zum Kurator des MAXXI ernannt. Eine schwierige Aufgabe? "Ich habe keine Angst", sagt Basualdo, "aber ich bin sehr besorgt. Es wird sehr schwierig sein, trotz dieser Einflussnahme durch die Politik gute Arbeit zu leisten."

Das Museum wird künftig als Stiftung verwaltet, an der sich bereits die römische Modegruppe Fendi, der Leuchtenhersteller Zumtobel und der Stromnetzverteiler Terna beteiligen. Neben dem MAXXI konnte in Rom auch der von Odile Dec entworfene Erweiterungsbau des Städtischen Museums für Zeitgenössische Kunst besichtigt werden, dessen Einweihung für Oktober geplant ist. In keiner anderen Stadt Europas stehen jetzt so viele Quadratmeter für zeitgenössische Kunst zur Verfügung.

"Gino De Dominicis"

Termin: bis 7. November. Außerdem laufen die Ausstellugen: "Luigi Moretti" (bis 28. November) und "Kutlug Ataman" (bis 12. September).

http://www.fondazionemaxxi.it/

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