Ai Weiwei - Venedig

Sie haben mich geschlagen, aber ich gebe mich nicht geschlagen

Ai Weiwei spricht im Exklusiv-Interview in der Juni-Ausgabe über seinen Beitrag für den deutschen Pavillon zur Venedig-Biennale und sein erstes Rock-'n'-Roll-Album. Dazu zeigt art ein erstes Foto von seiner Installation aus 887 Schemeln. Hier können Sie die aktuelle art bestellen Hier können Sie das Sonderheft zur Venedig Biennale bestellen

Uups, he did it again. Ai Weiwei meldet sich mit furiosen Auftritten auf der internationalen Kunstbühne zurück. Gerade hat Chinas bekanntester Künstler und Regiemekritiker ein drastisches Musikvideo über seine Haftbedingungen in China veröffentlicht, nächste Woche wird seine neuste Arbeit für den deutschen Pavillon in Venedig enthüllt. In der aktuellen Juni-Ausgabe von art verrät Ai erste Details über seine große Venedig-Installation. Und er spricht über die Hintergründe des Videos: "Sie haben mich geschlagen, aber ich gebe mich nicht geschlagen. Ich kann singen und immer noch meine Meinung sagen."

art-Redakteurin Ute Thon traf den chinesischen Künstler, der mit Romuald Karmakar, Dayanita Singh und Santu Mofokeng Deutschland auf der Biennale vertritt und wegen seiner regimekritischen Haltung nicht ins Ausland reisen darf, in Peking. "Unser Mann in Venedig", so der art-Titel, hat für den deutschen Biennale-Beitrag eine komplexe Installation aus antiken Hockern entwickelt, die auch politische Dimensionen hat. 887 Holzschemel aus der Qing-Dynastie ließ er zu einer wildwuchernden Skulptur zusammenbauen. "Es ist eine ziemlich kniffelige Konstruktion. Es gibt ein paar stabilisierende Verbindungen, ansonsten wollten wir die Stühle möglichst intakt lassen. Die ganze Installation soll aussehen, als ob die Hocker fliegen oder zusammenbrechen, je nachdem, wie man das sehen will," so Ai Weiwei. In den traditionellen dreibeinigen Sitzgelegenheiten, die in der kommunistischen Ära durch minderwertige Plastikstühle ersetzt wurden, sieht der Künstler ein Sinnbild für Handwerkskunst und Individualität, die im heutigen China mit Füßen getreten werden.

Im Interview äußert sich der Künstler auch über die alltäglichen Repressionen, denen er in China ausgesetzt ist: "Ich werde dauernd beobachtet, man belauscht meine Gespräche, hört mein Telefon ab. Es fühlt sich an, als befände ich mich ständig unter einem Vergrößerungsglas." Dennoch schaffte er es, ein Rock-’n’-Roll-Album mit Protestsongs zu produzieren. "Ich wollte etwas Idiotisches unternehmen, mich über mich selbst lustig machen", sagt er. Also schrieb er Liedtexte über seine Konfrontation mit der Staatspolizei. Aufgenommen hat er die Songs mit Musikerfreund Zuoxiao Zuzhou nachts in einem Untergrund-Tonstudio. Danach fuhren sie mit dem Auto zum Tiananmen-Platz, rissen die Stereoanlage bis zum Anschlag auf und testeten Ai Weiweis Talent. "Ich muss sagen, ich war beeindruckt", schmunzelt der Künstler. Pünktlich zur Biennale kann man sich von Ais Gesangskünsten bei Youtube überzeugen.

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