The Knot - Berlin

Reclaim the Köfte

Wem gehört die Stadt? Diese Frage stellen die Initiatoren des internationalen Kulturfestivals "The Knot", das zwischen Berlin, Warschau und Bukarest mit Parties und Politik Wissensvermittlung betreibt. Ein Bericht von der Eröffnung auf der Brache neben der neuen Nationalgalerie.
Reclaim the Köfte:das Projekt The Knot in Berlin

"The Knot": Experimentelle Architektur, Subkultur-Spektakel und internationales Kulturfestival

Berlin, Potsdamer Platz: ein guter Ort, um zwischen den von privaten Sicherheitsdiensten bestreiften Erlebniszonen für Touristen und den Apartment-Towers der Superreichen zu studieren, was eine nur am schnellen Gewinn orientierte Entwicklung städtischen Raums anrichten kann.

Spuren des Protests gegen den Profit finden sich im Umfeld dieser Zone kaum, aber immerhin ist es einem Komiker gelungen, sich mit Filzstift und Klebestreifen ein Stück Meinungsfreiheit zu sichern: Ein kleines Schild mit der Aufschrift "Zu vermieten" ist an einem mächtigen Baum zu entdecken, dessen Fuß eine erheblicher Hohlraum ziert.

Und auch auf dem gegenüberliegenden Kulturforum neben der neuen Nationalgalerie geht es an einem frühsommerlichen Vorabend etwas schräger zu: Ein aus semiprominenten Anarchitekten, Kuratoren, Theoretikern und Sympathisanten bestehender Haufen feiert im Schatten einer aus fliederfarbenen Polygonen bestehenden Hüpfburgskulptur bei Swing, Köfte und Club-Mate den Launch des internationalen Kulturfestivals "The Knot", das nach Aktionen in Berlin auch in Warschau und Berlin im öffentlichen Raum die Frage nach der Nutzung des öffentlichen Raums stellen wird.

Wuseliges Feld kooperierender Geister

Zum bunt gemischten Programm gehören jedoch nicht nur Happenings wie "Ping Pong Country" oder die "Diskursive Dinner Show" – auch das Wissen um Kreuzberger Nächte im Wandel der Zeit wird von Experten wie dem legendären Berliner "taz"-Autoren Helmut Höge vermittelt, der 1969 nach Kreuzberg zog und über die wachsende Beliebtheit seines Lieblingsbezirkes nicht nur erfreut ist: "Ich zeige die sichtbaren Veränderungen der Gentrifizierung – vom Industrie- und Arbeiterbezirk zu Studenten und Migranten meist türkischer Herkunft zu den Künstlern und Kreativen, die dann als dritte Welle die Lofts umbauen. Und die Clubszene, die da aus dem Wrangelkiez und Nord-Neukölln heran schwappt besteht ja aus Studenten, die jede Miete von den Eltern bezahlt bekommen. Wir hingegen waren ja einst Subjekte in Kreuzberg – jetzt sind wir die Objekte. Der Widerstand, wie er sich jetzt in der Demo gegen die Schließung des Café Jenseits gezeigt hat, kommt zehn Jahre zu spät."

"The Knot"-Initiator Markus Bader vom Berliner Architektenkollektiv Raumlabor erläutert die Hintergründe der mobilen städtischen Forschungsplattform: "Im öffentlichen Raum sein, das bedeutet, sich hungrig, dreckig und ausgesetzt zu fühlen. Deswegen hat unsere mobile urbane Forschungsstation ja auch ein Dach, und deswegen haben wir auch einen Koch im Team." Ziel der gemeinsam mit Oliver Baurhenn, Jakub Szreder und Raluca Voinea geplanten Aktion: ein "wuseliges Feld kooperierender Geister" zu organisieren, das städtische Problemzonen wie den Mariannenplatz und das Tempelhofer Flugfeld unter die Lupe nimmt. Genauer betrachtet stellt sich übrigens auch das "Zu vermieten"-Schild am Baum gegenüber als gar nicht so witzig heraus: Spuren am Ort deuten darauf hin, dass es sich darin tatsächlich jemand ungemütlich gemacht haben könnte.

"The Knot"

Termin: bis 16. Mai, Berlin, Mariannenplatz / 19. - 30. Mai Berlin, Flughafen Tempelhof
http://www.knotland.net/

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