Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit "Parallelwelt Zirkus", Herlinde Koebl, dem "European Photo Exhibition Award", "Raumsichten" und "prêt-à-partager"

Wien: Parallelwelt Zirkus

Auf Sägespänen und unter dem Sternenzelt – die Kunsthalle Wien gibt die Manege frei für Clowns, Dompteure und waghalsige Balanceakte. Ausgestellt sind Arbeiten von 41 internationalen zeitgenössischen Künstlern, die ihren Blick auf die Zweitwelt des Zirkus werfen, eine Welt des Vergnügens und der Unterhaltung, aber auch des Unheimlichen.

Wie die Ausstellung zeigt, fand der Zirkus bereits in unterschiedlichen Genres seinen Widerhall: In der Bildkunst inspirierte er etwa den Popart-Künstler Peter Blake zu seinem eigenen Zirkus voll bunter Schlangenmenschen, Riesen und Zwerge. Charlie Chaplin zieht in seinen Filmen als Vagabund in übergroßen Schuhen und Hosen durch die Gesellschaft und hinterfragt zugleich ihre Sitten. Und das Designerpaar Charles und Ray Eames entwirft in dem Film "Clown Face" einen guten, bösen, traurigen und lustigen Clown – der Zirkus strahlt dabei auch auf die Realwelt zurück. Kunstschaffende entlehnten ihm Metaphern und Elemente, um bestimmte Aussagen über die Gesellschaft oder die menschliche Psyche zu treffen.

4. Mai – 2. September 2012

Dresden: Herlinde Koebl. Kleider machen Leute

Ob Domina oder Priester: Die Kleidung verrät Broterwerb und Status einer Person. Mit ihrer Berufskluft schlüpfen Menschen zugleich in Rollen – schon aus dem Schuhmacher Friedrich Wilhelm Voigt machte eine Uniform den Hauptmann von Köpenick. Uniformen lassen Menschen gleich werden, verleihen ihnen aber zugleich Prestige oder lassen sie, ganz im Gegenteil, gesellschaftlich absteigen – wie etwa die Anstaltskleidung. In fast lebensgroßen Doppelporträts stellt die Fotografin Herlinde Koebl nun in ihrer neuen Serie die freizeitliche und die berufliche Rolle von 70 Modellen aus verschiedenen Ländern nebeneinander. Untersucht wird: Inwiefern machen Kleider Leute? Wie beeinflussen sie das Selbstbewusstsein und Verhalten? Und: Zeigt sich der individuelle Charakter eher privat oder beruflich? Alle Porträtierten äußern sich in beigefügten Zitaten auch selbst zur Thematik. Oft bestätigen sie dabei erste Eindrücke: Die aufrechte Haltung eines Bischofs in Robe zeigt ein großes Verantwortungsgefühl. Zu Hause trägt er aber "am liebsten einen Trainingsanzug ... So ist alles ein bisschen lockerer." Pia ist dahingegen als Glücksbringerin im Outfit der Kaminkehrerein entspannter, privat jedoch "zurückhaltend".

Hygienemuseum. 4. Mai – 29. Juli 2012

Hamburg: European Photo Exhibition Award

In der Fotografie vereint: Der erste European Photo Exhibition Award wird europaweit kuratiert, verliehen und ausgestellt. Dieses Jahr widmet er sich in Fotoessays der Frage nach "Europäischen Identitäten" – ein Thema, dessen gesellschaftliche Relevanz sich über den ganzen Kontinent erstreckt, immerhin bilden sich derzeit mit der europäischen Einheit auch die Identitäten neu. Drei Kuratoren und ein freier Fotograf aus Portugal, Italien, Deutschland und Norwegen wählten zwölf Fotografen und Fotografinnen aus ganz Europa. Ein Jahr lang beschäftigten sie sich in gemeinsamen Workshops mit "Europäischen Identitäten". Die Künstlerin Isabelle Wenzel, eine gebürtige Deutsche, die in Amsterdam lebt, fotografierte etwa bizarr verrenkte Körper, auf Podesten erhöht, in ihrem Studio. Die Körper erinnern an auf Sockel gestellte Skulpturen wie sie seit der griechischen Antike die europäische Kunstgeschichte prägen – eine Anspielung auf das alte Europa, die zugleich heutige Krisen in das Gedächtnis ruft. Die fertigen Fotoessays wandern nun von Hamburg über Paris und Lucca nach Oslo. Der "epea" ging unter anderem aus dem Körber-Preis hervor. Er ist ein neues Forum, in denen die europäische Kunstwelt in Europa über Europa diskutiert.

Deichtorhallen. 3. Mai – 3. Juni 2012

Bentheim: Raumsichten

Skulpturen außerhalb geschlossener Räume besichtigen, dazu lädt das Projekt "raumsichten" ein. Schon seit dem Jahr 2000 erstreckt sich ein Parcours der Freiluftkunst entlang der Vechte durch die Landschaft des deutsch-niederländischen Vechtetals. Ab diesem Wochenende ist die Grafschaft Bentheim mit neun neuen Skulpturen, für die sich eine internationale Jury entschieden hat, dazugestoßen. Inzwischen begleiten mehr als 80 Kunstwerke aus über 30 Jahren Kunstgeschichte den Verlauf des Flusses. In der Station Schüttdorf hat Marco Lulic etwa eine "Lichtung" aus Kugelleuchten im typischen Achtzigerjahre-Stil erbaut. Da die Leuchten innerhalb der Stadt bis zum Jahr 2015 durch energiesparendere Varianten ersetzt werden sollen, rettete der Künstler einige der Glasgloben in dunkelbraunen Fassungen und setzte sie in einem Grüppchen dicht zueinander, das gemeinsam besonders nachts eine außergewöhnliche Leuchtstärke erreicht. An dem Projekt beteiligten sich zehn Künstler, unter anderem auch Tamara Grcic aus Frankfurt am Main und Hans Schabus aus Wien.

Skulpturenprojekte entlang der Vechte. Ab 4. Mai

Berlin und Stuttgart: prêt-á-partager

Was geschieht, wenn sich Kunstschaffende aus Afrika und Europa in Afrika zu interdisziplinären Kunstworkshops treffen? Dann entsteht Neuartiges, indem sich viele verschiedene Disziplinen und Nationen gegenseitig auf eine fruchtbare Weise durchdringen. So inspirieren etwa Capoeira-Bewegungen Designer zu neuen Kreationen. Ndiaga Diaw aus Senegal entwarf, angespornt durch diesen Tanz, ein in sechs Varianten tragbares Outfit. Dieses taucht wiederum in dem Film von Astrid S. Klein aus Deutschland auf, der sich durch leerstehende Kinogebäude thematisch mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen des Stadtbilds Dakars auseinandersetzt. So funktioniert "prêt-á-partager" (zu Deutsch: bereit, zu teilen), ein Projekt, welches das Institut für Auslandbeziehungen, ifa, ins Leben rief. Startschuss war im November 2008 in Dakar, Senegal, wo sich 17 Künstler aus den zwei Kontinenten trafen, um sich mit Mode, Design und Fotografie im öffentlichen Raum auseinanderzusetzen. Es folgten sechs weitere Stationen innerhalb Afrikas, und andere Disziplinen wie Film, Musik, Tanz und Sport stießen hinzu. In einer Doppelausstellung in Berlin und Stuttgart wird das Ergebnis nun erstmals in Deutschland präsentiert.

Ifa-Galerie. Ab 4. Mai