Sammlung Vogel - Auktion

Es geht doch hier um Geld

Die Auktion der wertvollen Sammlung des ehemaligen Hochschulpräsidenten Carl Vogel, mit Werken von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Andy Warhol, darf stattfinden.

Bis eine Auktion über die Bühne geht, ist sie nicht nur mit viel Überzeugungskraft und Arbeit verbunden, sondern auch mit Aufregung und gelegentlich gerichtlichen Auseinandersetzungen. Das bekam jetzt das Kölner Kunsthaus Lempertz zu spüren. Im Landgericht Hamburg versuchte die nicht anwesende Witwe des langjährigen Präsidenten der Hamburger Hochschule für bildende Künste, Carl Vogel, die Auktion mit 800 Arbeiten auf Papier und Multiples am 1. Juni im Eilverfahren zu verhindern.

Die Geschichte ist verzwickt. 30 000 Arbeiten auf Papier hatte das Ehepaar angehäuft, darunter Arbeiten von Joseph Beuys, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Dieter Roth – Schätze ohne Ende. Nach dem Tod von Carl Vogel im Jahr 2006 brachte die Witwe Carin Vogel das nicht einmal katalogisierte Konvolut komplett in eine Stiftung mit dem seltsamen Namen "Stiftung zur Förderung von Innovationsprozessen in gemeinnützigen Einrichtungen" ein. Mit dieser Stiftung hat das Kölner Auktionshaus Lempertz einen Vertrag zur Veräußerung von Werken geschlossen.

Alles schien in Ordnung zu sein. Die Kataloge waren gedruckt, die beiden Termine in Köln auf den 1. Juni festgelegt. Das Angebot war solide, wenn nicht zurückhaltend geschätzt, die Telefonbieter aus USA standen bereit. Dann brachte die Klage die Auktion ins Kippen. Doch der Richter gab ihr nach einer Bedenkzeit von vier Stunden grünes Licht.

Mit großer Geduld hatte er zwei Stunden den Ausführungen der nicht anwesenden Klägerin in Person ihrer Frankfurter Anwältin und ihrer Betreuerin zugehört. Es ist bekannt, dass der Sammler immer darauf aus war, seine Sammlung in einem Museum zu verewigen. Hamburgs ehemalige Kultursenatorin Christina Weiss zeigte sich da durchaus kooperativ und machte diverse Angebote. Zum Konsens kam man jedoch nie. Nun argumentierte die Freundin des Sammlerpaars und Anwältin Souraya Mattar, die Stiftung sei "sittenwidrig" gewesen, flankiert von emotionalen Beiträgen der Betreuerin der nach einem Schlaganfall im Jahr 2008 gezeichneten Klägerin.

Die Anwältin versuchte glaubhaft zu machen, ihre Mandantin sei bei der Unterzeichnung der Stiftungsurkunde vor vier Jahren bereits nicht mehr geschäftsfähig gewesen. Außerdem sei sie über die Pläne der Stiftung getäuscht worden. Statt den Museumswunsch zu betreiben, habe die Stiftung ihre Veräußerung betrieben. Die möglicherweise berechtigten Argumente wurden so unstrukturiert vorgetragen, dass der Richter trotz der vorliegenden Papierberge seine Zweifel vorbrachte. "Es geht doch hier um Geld", sagt er, "da sind wir auf vertrautem Terrain." Sein Vorschlag, als Vergleich der Witwe einen Teil des Erlöses der Auktion mit einer Erwartung im Millionenhöhe zukommen zu lassen, stieß auf taube Ohren.

Allerdings hatte es ihn überrascht, dass er vor der Verhandlung erst erfuhr, dass die Stiftung die Werke inzwischen verkauft hat, an die vor einem halben Jahr gegründete IGB Kunst GmbH, die mit zeitgenössischer Kunst handelt, wie man dem Hamburger Abendblatt am 21. Mai entnehmen konnte. Auf Nachfrage dort gab es keinen Kommentar dazu.

Viele Fragen bleiben in diesem Fall offen: Ist es besser, die Sammlung in zehn LKW-Containern zu belassen oder die wunderbaren Blätter wieder an Kunstliebhaber zu bringen? Wenn die Witwe nach einem schweren Schlaganfall nur noch mit Hilfe einer ihr zugewiesenen Betreuerin leben kann, wer hat da Begehrlichkeiten geweckt? Wer hat die Stiftung zum Verkauf der Sammlung ermächtigt?

Dennoch große Erleichterung nach der Verhandlung auf der Seite des Kunsthauses Lempertz. Der Verhandlung durfte der als Zeuge geladene Geschäftsführer Henrik Hanstein nicht beiwohnen. Seine Befragung hielt der Richter nicht für notwendig. Aber er konnte mit der Gewissheit nach Köln fahren, dass die beiden Auktionen statt finden können. Es könnte sein, dass sich viele Sammler um die aufgebotenen Blätter der Extraklasse reißen werden. Darunter sind etwa 20 Arbeiten von Gerhard Richter. Sein 1965 entstandener Siebdruck "Hund" weist in der Überarbeitung die Qualität eines Gemäldes auf und ist mit 20 000 bis 40 000 Euro sehr zurückhaltend angesetzt.

Allein 43 Foto- und Papierarbeiten von Sigmar Polke hat Lempertz in Übereinstimmung mit der Stiftung aus den LKW-Containern herausgefischt, ebenso Objekte und Schimmelarbeiten von Dieter Roth, Fotoserien von Bernd und Hilla Becher, seltene Grafiken von Richard Hamilton und Andy Warhol, darunter Porträts von Marilyn Monroe, Jackie Kennedy, zwei magenta- und pinkfarbene Versionen des "Electric Chair" für je fast geschenkte 4000 Euro. Nun werden die amerikanischen Interessenten, die sich schon als Telefonbieter angemeldet haben, ihr Handy am 1. Juni nicht umsonst in Betrieb nehmen.

Sammlung Vogel

Termin: 1. Juni 2010 im Auktionshaus Lempertz, Neumarkt 3, Köln
http://www.lempertz.com