Elmgreen & Dragset - Homosexuellen-Mahnmal

Einfach eine emotionale Szene

Heute wird am Berliner Tiergarten das Mahnmal des norwegisch-dänischen Künstlerduos Elmgreen & Dragset für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle eingeweiht.
Wider das Vergessen:Homosexuellen-Mahnmal in Berlin eingeweiht

Homosexuellen-Mahnmal (Simulation)

Eine kurze Randnotiz auf der Website der Tageszeitung "Die Welt" zeigt, dass das Thema Homosexualität auch im Jahr 2008 für viele noch ein Reizthema ist: "Aufgrund von vielen Verstößen gegen die Netiquette wurde die Kommentarfunktion für diesen Artikel abgeschaltet", teilte die Onlineredaktion mit. "Dieser Artikel", der offensichtlich zahlreiche User zu diskriminierenden Beiträgen animiert hatte, ist ein Bericht zum ersten Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – das norwegisch-dänische Künstlerduo Elmgreen & Dragset hat einen Quader entworfen, in dessen Innern ein Endlosfilm von einem sich küssenden Männerpaar abläuft. Heute wird es am Rand des Berliner Tiergartens eingeweiht – welche User-Kommentare "Die Welt" gelöscht hat und welche durch das Schließen des Diskussionsforums verhindert wurden, mag man sich besser nicht vorstellen.

Elmgreen und Dragsets "Wunderwerk der provokanten Gedenkkultur" ("Die Welt") erregte aber auch an anderer Stelle Missfallen: Die Zeitschrift "Emma" hatte dem Duo vorgeworfen, bei dem Mahnmal "mal wieder die Frauen zu vergessen". Gegen den Entwurf wurden im Vorfeld auf der Internetseite von "Emma" Unterschriften gesammelt. Elmgreen zu dieser Aktion: "Wir haben mit Kritik gerechnet und wir verstehen sie. Was uns nicht gefällt, sind die populistischen Methoden von 'Emma'." Die Künstler, so machten sie deutlich, hätten bei ihrer Skulptur Frauen und Lesben nicht ausschließen wollen. Ihr Film repräsentiere "nicht die Schwulen allgemein". Er stelle "einfach eine emotionale Szene zwischen zwei küssenden Männern dar".

In einem erläuternden Text, initiiert vom Deutschen Bundestag, heißt es unter anderem: "Mit diesem Denkmal will die Bundesrepublik Deutschland die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wach halten und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen."

Den beiden Skandinaviern war die Entscheidung, an dem Wettbewerb teilzunehmen, nicht leicht gefallen. Dass verieten sie der Tageszeitung "TAZ" in einem Interview. "Andererseits hatten wir das Gefühl, dass es eine einzigartige Chance wäre, ein öffentliches visuelles Zeichen zu setzen." In dem leicht gekippten Betonquader – der wohl nicht unbeabsichtigt an die Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals erinnert – wird alle zwei Jahre ein neuer Film von anderen Künstlern zu sehen sein. "Wir werden nicht einmal Teil der Jury sein", betonen Elmgreen & Dragset. "Wir werden keinen Einfluss nehmen, sondern wir geben das Mahnmal an andere zum Benutzen weiter."