Chinesische Malerei - Fälschungen

Das ist nicht ein Problem, das uns allein betrifft

Ein Teil der Sammlung chinesischer Malerei im Victoria and Albert Museum sind Fälschungen. Bei der kürzlich gezeigten Ausstellung "Meisterwerke chinesischer Malerei 700 bis 1900 stammte keines der 79 gezeigten Werken aus der eigenen Sammlung. art sprach mit der stellvertretenden Direktorin des Museums, Beth McKillip.
Zweifelhaft:Das V+A  besitzt etliche Fälschungen

Ein unbekannter Künstler schuf dieses Werk im Stile des berühmten Malers Li Zhaodao: "Visiting a friend in the mountains", China, 1550-1600. Das Werk trägt falsche Stempel und Signaturen um Käufer bewußt zu täuschen

Frau McKillip, wieviele chinesische Gemälde besitzt das V+A und wieviele davon sind Fälschungen?

Wir besitzen etwa 70 chinesische Gemälde aus den Ming und Qing Dynastien. 25 dieser Werke sind spätere Kopien oder Fälschungen. 15 sind eindeutig echt und der Rest ist zweifelhaft.

Was bedeutet "Fälschung" genau? Wann wurden die Werke hergestellt und zu welchem Zweck?

Der Begriff "Fälschung" ist bei chinesischen Gemälden nicht unbedingt hilfreich. Er suggeriert, dass wir moderne Fälschungen besitzen. Das ist nicht der Fall. Vor allem aber schufen chinesische Maler Werke im Stil älterer Künstler, um ihr Können unter Beweis zu stellen und ihre Bewunderung für die alten Meister zu zeigen. Einige Werke wurden allerdings eindeutig als Fälschungen hergestellt. Die Recherchen von Craig Clunas, einem ehemaligen Kustos unseres Museums, haben gezeigt, dass in der Literatur Sammler immer wieder vor solchen Fälschungen gewarnt wurde. Wir besitzen etwa ein Gemälde, das um 1550 bis 1600 gemalt wurde, aber vorgibt, ein Werk des Malers Li Zhaodao (aktiv 670 bis 730) zu sein. Es trägt die Stempel und Signaturen bedeutender früher Sammler, um die Käufer in die Irre zu führen.

Wann wurden diese Fälschungen gekauft?

Die Mehrheit wurde gekauft, bevor die Abteilung "Ferner Osten" 1970 ins Leben gerufen wurde. Die Liste der gefälschten, fragwürdigen und authentischen Werke wurde von Craig Clunas erstellt, als er noch hier arbeitete, und andere Experten kamen zu demselben Ergebnis.

Warum wurden die Fälschungen nicht früher entdeckt?

Die Recherchen von Experten wie Craig Clunas und unserem jetzigen Kustos Hongxing Zhang haben zu einem besseren Verständnis chinesischer Malerei in britischen Sammlungen geführt. Dabei wurden natürlich auch Fälschungen entdeckt.

Untersuchen Sie auch die als zweifelhaft deklarierten Werke der Sammlung?

Die von Craig Clunas vor mehr als 20 Jahren erstellte Liste ist für uns ein wichtiges kuratorisches Dokument. Darüber hinaus plant die zuständige Ostasien-Abteilung weitere Untersuchungen unserer Sammlung chinesischer Malerei. Die Ergebnisse werden wir dann sofort auf unserer Webseite veröffentlichen.

Sind die Fälschungen künstlerisch und finanziell wertlos?

Nein, die Werke sind von großem Interesse, was die Geschichte der chinesischen Malerei angeht, aber auch den weit in die Vergangenheit zurückgehenden Kunstmarkt in China und die Sammler chinesischer Kunst, sowohl in China als auch im Westen.

Sind diese Fälschungen ein Problem allein für Ihr Museum oder sind andere westliche Museen auch betroffen?

Ich kann natürlich nicht zu Sammlungen anderer Museen Stellung nehmen, aber das ist nicht ein Problem, das uns allein betrifft. Fälschungen sind darüber hinaus ein Phänomen, an dem sowohl Forscher als auch die Öffentlichkeit ein großes Interesse haben.

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