Gib mir Fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Redakteur Alain Bieber empfiehlt diese Woche leere Parkplätze, junge Talente aus Spanien und Judengassen.

Köln: "Junge Talente aus Spanien"

Der Kölner Raum für spanische Kunst, 100 Kubik, präsentiert bis zum 20. Dezember junge spanische Künstler. Die Ausstellung wird von der spanischen Botschaft in Berlin und dem Cervantes Institut unterstützt und zeigt Videoarbeiten von Daniel Cuberta (* 1972 in Sevilla), Fotografien von Peyrotau & Sediles (* 1975 in Zaragoza) und Raquel Muñoz (* 1980 in Calatayud), Malerei von José Otero (* 1979 in Las Palmas), sowie grafische Arbeiten von Marta Sanz (* 1979 in Madrid). Es geht um Schmerz und Liebe, Gewalt und Gesellschaft, existenzielle Konflikte und die eigene Existenz – eine sehenswerte Ausstellung, die einen kleinen Überblick über die zeitgenössische spanische Kunstszene vermittelt.

Berlin: "Matt Sieber – Logos & Untitled"

Aus dem Zusammenhang gerissen: Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie zeigt die Berliner Galerie Billi Rubin die Werkzyklen "Logos & Untitled" des in Chicago lebenden US-Künstlers Matt Siber (bis 17. Januar). Siber ist ein subversiver Störer. Seine Fotografien sind intelligente Stolperfallen und raffinierte Konsumkritik. Für seine Serie "Untitled" separiert Siber alle Schrift- und Textelemente aus dem fotografierten Motiv. So enstehen zwei völlig neue, puristische Bilder – ein Augenschmaus für alle Werbehasser und Linguisten. Und bei dem Zyklus "Floating Logos" verlieren Tankstellenschilder und Leuchtreklamen ihren Pfosten und schweben scheinbar sinnentleert im Raum. Ein gelungenes Beispiel von digitaler Bildbearbeitung als künstlerisches Werkzeug.

Düsseldorf: "Klaus Geigle"

Malerei als Trost in trostlosen Zeiten: Die Arbeiten des Münsteraner Malers Klaus Geigle, 1969 am Niederrhein geboren, wirken grau und stumpf. Seine Motive sind triste Alltagsszenen: Grasbüschel, Hinterhöfe, leere Parkplätze. Und immer wieder Hasen: Manchmal springen sie wild auf einer Wiese herum, und auf anderen Bildern liegen sie tot im Straßengraben. "Geigles Bilder vermehren nicht unser Wissen über Wildkaninchenvorkommen in städtischen Randzonen, sondern unser Wissen über Malerei", schreibt der Maler und Kunstprofessor Udo Scheel über Geigle. "Die Zeitgemäßheit und Authentizität seiner Bilder entspringt seiner alltäglichen Seh- und Lebenserfahrung. Das 'Fast nichts', der Mangel an jeglicher Sehenswürdigkeit entbindet Geigles Malerei von Darstellung und Berichterstattung und gibt ihr die Freiheit und Strahlkraft des künstlerischen Bildes." Seine neue Ausstellung "Wenn ich es nicht selbst gesehen hätte" ist bis zum 19. November in der Düsseldorfer Galerie Peter Tedden zu sehen.

Cuxhaven: "Julia Baier – In ruhiger, zentraler Lage"

Strahlen ohne Farbe: "Ihre Perspektiven sind ungewöhnlich, manchmal schräg, sogar schwindelerregend. Den Bildausschnitt nutzt sie zur Dramaturgie. Das Nichts zwischen den Motiven wird bewusst eingesetzt, Wichtiges wird durch Anschnitte bedeutsamer", verrät der Pressetext über die in Augsburg geborene Fotografien Julia Baier, deren Bilder auch bei art, "Neon" oder der "Süddeutschen Zeitung" erschienen sind und immer wieder mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet wurden. Der Kunstverein Cuxhaven zeigt aktuelle, verwirrend-schöne Fotografien in Schwarz-Weiß (bis 9. November).

Berlin: "Susan Hiller – The J. Street Project"

Verbrechen hinter der Idylle: die US-Konzeptkünstlerin Susan Hiller setzt sich auf berührende Weise mit der Problematik deutsch-jüdischer Vergangenheit auseinander. Im Rahmen eines Studienaufenthaltes in Deutschland fotografierte sie Straßenschilder, auf denen das Wort "Jude" erscheint. Die künstlerische Erinnerungsarbeit deckt Spuren der Vergangenheit auf, verweist auf den schmerzlichen Verlust der jüdischen Kultur in Deutschland und zeigt, dass hinter einer scheinbaren Idylle das unfassbare Verbrechen lauert. "The J. Street Project" ist bis zum 11. Januar 2009 im Kunst-Raum des Deutschen Bundestags zu sehen.

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