DC Open - Galerienrundgang

Man baut auf starke Traditionen

Heute startet in Berlin die Art Week. Im Rheinland öffneten Galeristen aus Düsseldorf und Köln bereits vergangenes Wochenende ihre Türen. Die DC Open ist kein quirliges Massenevent wie in Berlin, die Rheinländer konzentrieren sich eher auf ein erstklassiges Ausstellungsprogramm
Auf Augenhöhe mit Berlin:Auf Augenköhe mit Berlin:

Der Künstler Tony Conrad, zu sehen in der Galerie Buchholz in Köln: "Invented Acoustical Tools", "Grommet Horn"

Seit sich in den letzten zehn Jahren Berlin zu einem internationalen Standort für den zeitgenössischen Kunstmarkt etablierte, wird den großen Kunstmetropolen Köln und Düsseldorf gern ein langsames Aussterben prophezeit.

Vor sieben Jahren taten sich zudem die Berliner Galerien zum Gallery Weekend zusammen und laden seitdem mit einem gemeinsamen Eröffnungswochenende im großen Stil Sammler und Kuratoren in die Hauptstadt. Doch vor vier Jahren tat das Rheinland es den Berlinern gleich.

Seitdem gibt es im Frühjahr das Gallery Weekend und im Spätsommer bitten Köln und Düsseldorf gemeinsam zu konzertierten Vernissagen und einem großen Dinner für alle geladenen Gäste und teilnehmenden Galeristen. Entwickelte sich das Berliner Gallery Weekend in diesem Jahr zu einem quirligen Massenevent mit zahlreichen Nebenveranstaltungen, so griff man im Rheinland bei der Düsseldorf-Cologne-Open vom 7. bis zum 9. September auf ein konzentriertes und qualitätsvolles Ausstellungsprogramm zurück. 50 ausgewählte Galerien zeigten dabei, dass der Rheinländische Kunstmarkt nach wie vor auf seine starken Traditionen bauen kann.


Selbstverständlich sind auch die großen Institutionen dabei, die an beiden Standorten mit ihren Galerien fest vertreten sind. Gisela Capitain zeigt in Köln mit dem Künstler Jorge Pardo einen etablierten Star. Seine ausgreifenden Paneele aus Holzfaserplatten schlingen sich, zu amorphen Gebilden zusammengefügt, entlang der Galeriewände. Ornamentale Muster sind in die Platten gekerbt und farbig gefüllt. Auch ausgestellt sind seine Lampen-Skulpturen und Gebrauchsobjekte zugleich.
Daniel Buchholz präsentiert Tony Conrad und zwar einen nahezu vollständigen Überblick über die von ihm entwickelten Musikinstrumente aus den Jahren 1966 bis 2012. Mit dem Belgier Peter Buggenhout setzt in Düsseldorf die Konrad Fischer Galerie auf einen jüngeren, aber institutionell arrivierten Künstler. Seine Skulpturen sind eigenartige Maschinenabstraktionen. Beschichtet mit dicken Lagen von Staub und Dreck wirken sie wie industrielle Relikte, ohne dass an ihnen eine Funktion ablesbar wäre.

Keine Experimente

Kein überfüllter Eventkalender, kein Hype wie beim diesjährigen Gallery Weekend in der Hauptstadt, man könne fast sagen "Keine Experimente", um den altbekannten Rheinländer Konrad Adenauer zu zitieren, prägen das Auftreten der großen Galerien bei der diesjährigen Düsseldorf-Cologne-Open. Stattdessen besinnen sich die Teilnehmer mit Selbstbewusstsein auf ihr ganz eigenes, bewährtes Programm. Die Atmosphäre ist unaufgeregt und konzentriert. Weniger international ist auch das diesjährige Publikum. Doch anstelle vieler Kunsttouristen sind interessierte Sammler und Kuratoren aus der Region und den angrenzenden Ländern angereist "Die Stimmung ist gut" sagt Ljiljana Radlovic, Koordinatorin der Veranstaltung, "sehr gut sogar. Die DC-Open ist etabliert".

Kunst im Reisebüro

Eine andere Größe im Rheinland und in Berlin ist Querdenker-Galerist Christian Nagel. Er profiliert sich in diesem Jahr mit einer ungewöhnlichen Kooperation, die er seit einem Jahr mit dem Reisekaufmann Evangelos Kouklinos eingegangen ist. Junge Künstler zeigt Christian Nagel in den hinteren Räumlichkeiten eines Kölner Reisebüros. An diesen Tagen lädt das Joint Venture von Kouklinos und Nagel zu Simon Nolans idyllisch amerikanischer Heimatmalerei. Auf seinen Gemälden umschlingen sich Rehkitze zärtlich, und Kinder spielen in Auenlandschaften. Nagels eigenwilliges Ausstellungsprojekt im Diko-Reisebüro stößt in Köln und Düsseldorf auf viel Aufmerksamkeit. In Düsseldorf und Köln vertritt jenseits der großen Player eine Reihe junger, ambitionierter Galeristen erfolgreich eine jugendliche Kunstszene. "Natürlich habe ich, als ich 2007 meine Galerie gründete, darüber nachgedacht, sie in Berlin zu eröffnen", sagt Marietta Clages, "aber in Köln sah ich bessere Möglichkeiten, mich zu etablieren". Clages nimmt bei der DC-Open mit Bernhard Walters minimalistischen "Sechs Dekorationsvorschlägen für mein Zimmer" teil, monochromen Paintings und readymades in wohl abgestimmten Farbkombinationen.

Junge amitionierte Galeristen agieren im Rheinland

Max Mayer, der wohl jüngste Galerist der DC-Open hat sich vor einem Jahr entschieden in Düsseldorf niederzulassen "weil es die Nähe zur Akademie und ihren Studenten gibt und weil die Szene der Stadt offen ist für neue Diskurse." Mayer will mit seiner Galerie eine inhaltliche Auseinandersetzung mit junger Kunst fördern. Während des Wochenendes repräsentieren Louis Jacobs medientheoretische Überlegungen sein Programm: Eine Reihe vermeintlich hastig geknipster Fotografien, die Ausschnitte berühmter Gemälde in Museen zeigen. Im hinteren Raum zeigen Bleistiftzeichnungen das mehrfache Duplikat eines Bildnisses: "Veronica Drawings" heißt die Reihe eines unmöglichen Gesichtes mit nur einem Auge über einem vollen, weiblichen Mund. Die jungen Galeristen zeigen sich mit der DC-Open zufrieden. Sie profitieren besonders von dem großen Potenzial der privaten und öffentlichen Sammlungstätigkeit in der Region.

Eine interessante Parallele zwischen Hauptstadt und Rheinland äußert sich zurzeit auch außerhalb von DC-Open und Gallery Weekend. An beiden Standorten entdecken Galeristen die visionäre Sakralarchitektur der 60er Jahre als Raum für ihre Kunst. In Berlin eröffnet Johann König diese Woche seine neuen Räumlichkeiten in der profanisierten St-Agnes Kirche von Werner Düttmann. Vertritt Düttmann mit seinen brutalistischen Betonkuben den Preussischen Part, so bietet der Architekt Gottfried Böhm mit seinen expressionistisch Kirchengebilden das rheinländische Pendant einer Westmoderne. Der Galerist Rafael Jablonka besitzt und bespielt seit 2010 einen profanisierten Sakralbau Böhms in Köln Hürth, und Hammelehle und Ahrens kooperiert seit 2009 mit der Gemeinde Sankt Agnes in der Krefelder Straße. Dort zeigt die Galerie Vincent Tavenne. Unter Böhms mächtiger, kristallin geformter Betonkuppel hat der Künstler ein großformatiges, rotes Polygon installiert. Zwei weitere weiße Kubenkonstruktionen stehen lose in dem tiefgrauen Kirchensaal. Unangepasst aber dezent sind Tavennes leichte Gebilde. Die kühne Nachkriegsarchitektur eines Düttmann und eines Böhm lässt sich nahezu metaphorisch für eine grundsätzliche Beziehung zwischen der Hauptstadt und dem Rheinland lesen. Beides sind hochkarätige Standorte für eine zeitgenössische Kunst in Deutschland. Die diesjährige D-C-Open zeigt, dass Köln und Düsseldorf eine solide, lebendige und eigenständige Galerienlandschaft im Westen vertreten.