Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autor Leonard Seyfarth empfiehlt diese Woche Reisen in die Fashionwelt, ferne Galaxien und versteckte Stadträume.

Berlin: "Fashion"

Von den Anfängen in den zwanziger Jahren mit klassischen Kompositionen von Edward Steichen und experimentellen Fotografien von Man Ray, über die sexuelle Revolution in Helmut Newtons Bildern, Peter Lindberghs Version kühler Eleganz in den 90ern, bis zu den extravaganten Inszenierungen von Tim Walker heute – die Gruppenausstellung verspricht einen repräsentativen Überblick zur Entwicklung von Modefotografie. "Fashion" läuft vom 20. September bis 15. November in der Berliner Galerie "Camera Work".

Düsseldorf: "No Illusions"

Mit sechs Positionen von Björn Dahlem, Thomas Helbig, Manfred Pernice, Marjetica Potrc, Franz West und Heimo Zobernig wird der neue Düsseldorfer Kunstraum "Kai 10" eröffnet. Zdenek Felix, ehemals Leiter der Hamburger Deichtorhallen, kuratiert die Eröffnungsausstellung und zukünftige Projekte im "Raum für Kunst". Die Initiatorin Monika Schnetkamp will mit ihrer gemeinnützigen Kulturstiftung Arthena Foundation im "Kai 10" die neuesten Tendenzen der Gegenwartskunst unterstützen. Die erste Ausstellung "No Illusions" läuft vom 20. September bis 7. Dezember.

Leipzig: "Netze des Krieges"

Der globale Infowar, der Kampf um die Kommunikationshoheit, infiltriert mit seinen Netzwerken die Zivilgesellschaft. Weit weg vom tatsächlichen Krieg werden Kriege simuliert, geplant, geführt und entschieden. Die öffentliche Meinung ist Ziel von Propaganda und Desinformation. Die Pariser Konzeptgruppe Bureau d’études (Xavier Fourt und Leonore Bonaccini) entwerfen piktografische Organigramme, um Netzwerke gegenwärtiger politischer, sozialer und ökonomischer Systeme zu visualisieren. Ihre Projekte autonomer Wissensproduktion stellen in unspektakulärer Kompromisslosigkeit verborgene Zusammenhänge her. Christoph Wachter und Mathias Jud bewegen sich mit ihrer Arbeit "Zone*Interdite" auf einem ungesicherten Terrain der Wahrnehmung und Vorstellungskraft. Militärische Gebiete dürfen nicht betreten und auch nicht dargestellt werden. Trotzdem werden über die Massenmedien gezielt Bilder eingestreut. Virtuelle Rekonstruktionen (3D-Walkthroughs) des Gefangenenlagers Guantanamo Bay, der Airbase Bagram in Afghanistan, des Camp Bucca im Irak und eines islamistischen Trainingscamps im Sudan ermöglichen es, durch die verbotenen Zonen zu gehen. Die Ausstellung läuft bis zum 5. Oktober im Leipziger D21 Kunstverein.

Berlin: "German Angst"

Was ist mit Deutschland seit der Wiedervereinigung passiert? Wie nehmen wir uns heute wahr? Wie wirkt Deutschland nach außen? Künstler, Filmemacher und Literaten aus dem In- und Ausland machen sich Gedanken zur Normalisierung deutsch-deutscher Geschichte. Sie wollen aus geschichtlichen Reflexionen, Alltagsbeobachtungen, biografischen Erzählungen und filmischen Essays ein transkulturelles Deutschlandbild entwerfen. Die verschiedenen Ansätze, Formate und Medien werden in Gruppen inszeniert. So ensteht ein cinematischer Raum mit Film-Beiträgen von Hartmut Bitomsky, Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, und den Jungregisseuren Nils Bökamp/Sebastian Heidinger neben Videoprojektionen von Eduard Constantin, Antje Engelmann, Amir Fattal und Marlene Streeruwitz, der österreichischen Schriftstellerin und Regisseurin. Ein literarisches Informationsdisplay wird von Edgar Hilsenrath bespielt, und die Einzelpräsentation im Showroom hält KP Brehmer, der mit Arbeiten wie "Korrektur der Nationalfarben gemessen an der Vermögensverteilung" oder "Visualisierung politischer Tendenzen 1925/1932/1949/1969" Anfang der siebziger Jahre gesellschaftliche und politische Bewegungen aufzeigte und die Kontinuität nationalsozialistischer Entwicklungen offen legen wollte. Aktuelle Werke von Thomas Hirschhorn, Käthe Kruse und Andreas Slominski werden durch historische Arbeiten von Hans Haacke und Lawrence Weiner ergänzt. Vom 20. September bis 2. November im N.B.K. – Neuer Berliner Kunstverein.

Köln: "Plan08 – Forum aktueller Architektur"

52 Projekte bespielen eine Woche lang bekannte Kulturadressen oder unentdeckte Orte. Die Stadt wird "drinnen und draußen" zum Aktionsort. Wie im Vorjahr ist das Thema "Urbanismus und Stadtaneignung": Die Plan08-Projekte beschäftigen sich mit dem Status Quo und der Zukunft des Städtischen. Gegen globale Mainstream-, Shopping-Mall- und Investoren-Architektur wird die Frage gestellt, wem die Stadt eigentlich gehört. Dabei geht es nicht nur um den Mikrokosmos Köln, sondern um das globale Phänomen Stadt. Hongkong, Dubai, Johannesburg oder Mexico-Stadt, viel extremere Ballungszentren als die Rheinmetropole, sind ebenso urbane Quellen, deren Entwicklung und spezifische Eindrücke während der Plan08-Woche vom 19. bis 26. September vorgestellt werden. Neben konkreten Plänen zur Schaffung von Wohnraum in Innenstädten auf Bunkern, Park- und Kaufhäusern, entstehen Gedanken zur Gestaltung von Brachflächen und Möglichkeiten die Wahrnehmung von Stadträumen über die Erdgeschosszone hinaus zu lenken. So soll auf dem Platz vor dem Kölner Hauptbahnhof ein urbanes Kaleidoskop, eine polyederförmige Raumskulptur als Sehinstrument installiert werden. Aus alten, gewohnten Bildern entstehen neue Perspektiven.